Inzlingen Wartelisten werden immer länger

Der Inzlinger Erstelkindergarten könnte um eine „Natur-“ beziehungsweise „Waldgruppe“ mit 20 Plätzen für über dreijährige Kinder erweitert werden.Foto: Tim Nagengast Foto: Die Oberbadische

Die Gemeinde Inzlingen muss den Bereich Kinderbetreuung massiv und zeitnah ausbauen. Die Kapazitäten von Erstelkindergarten und Kita St. Elisabeth reichen längst nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Grund dafür sind die in den vergangenen Jahren gestiegenen Geburtenzahlen und sich verstärkender Zuzug. Neben der Schaffung einer weiteren Krippengruppe prüft die Gemeinde nun den Aufbau eines Waldkindergartens respektive einer zum Erstelkindergarten gehörenden „Waldgruppe“.

Von Tim Nagengast

Inzlingen. Es kommt im Inzlinger Gemeinderat selten vor, dass ein einzelner Tagesordnungspunkt beinahe eine ganze Stunde lang behandelt wird. Am Dienstagabend wurde aber ersichtlich, wie hoch Räte und Verwaltung das Thema Kinderbetreuung hängen. Denn am Ende einer intensiven Debatte herrschte einmütiger Konsens darüber, dass ganz schnell und vor allem nachhaltig etwas geschehen muss, um dem massiv gewachsenen Betreuungsbedarf im Waieland gerecht zu werden.

Die offiziellen Zahlen sprechen für sich

Dafür genügt eigentlich schon der Blick in die Statistik, die Hauptamtsmitarbeiter Tobias Bachthaler und Bürgermeister Marco Muchenberger im Gremium präsentierten. So hat sich die Zahl der Geburten in Inzlingen zwischen den Jahren 2013 und 2019 nahezu verdoppelt. Erblickten anno 2013 noch 20 Babys in Inzlingen das Licht der Welt, waren es 2016 deren 23, 2017 sogar 29 und im Jahr 2019 dann 38. Für die nächsten Jahre geht man im Rathaus von 26 bis 27 Neugeborenen pro Jahr aus. Oder um es mit den Worten von CDU-Ratsherr Hanspeter Bachthaler zu sagen: „Die Zahlen sprechen für sich – sie sprechen für Inzlingen.“

Einige Inzlinger Kinder werden außerorts betreut

Damit steigt der Druck auf die beiden örtlichen Kindergärten, die schon jetzt vollbelegt sind. Beide Kitas bieten aktuell 94 Plätze für über Dreijährige an (74 der katholische Kindergarten St. Elisabeth, 20 der kommunale Erstelkindergarten). Dazu kommen zehn Krippenplätze für unter Dreijährige. In dieser Gruppe ist ebenfalls kein Platz mehr frei. Weitere 13 Kleinkinder werden von Tagesmüttern betreut – und die Wartelisten werden immer länger.

Schon jetzt besuchen einige wenige Inzlinger Kinder Einrichtungen in anderen Orten, weil im Waieland kein Betreuungsplatz mehr zu ergattern ist, wie aus den aktuellen Zahlen hervorgeht, die im Gemeinderat vorgestellt wurden. Tendenz steigend.

Die Kommune will nun das Ruder herumreißen, denn für die kommenden Kindergartenjahre 2021/22 und 2022/23 wurden 24 beziehungsweise 22 Kinder errechnet, die keinen Kindergartenplatz in Inzlinger Einrichtungen bekommen könnten, sofern nicht rasch gegengesteuert wird.

Zweite Krippengruppe mit zehn Plätzen

Der Gemeinderat hat daher am Dienstagabend einstimmig beschlossen, dass im Obergeschoss der katholischen Kita St. Elisabeth eine zweite Krippengruppe (zehn Plätze) eröffnet werden soll. Der Betriebskostenzuschuss der Gemeinde Inzlingen liegt bei 93 Prozent. Die von der Gemeinde selbst zu tragenden rund 150 000 Euro jährlich müssten notfalls auch über Steuererhöhungen mitfinanziert werden, legte Tobias Bachthaler dar.

Waldgruppe im Erstel mit 20 Plätzen angedacht

Als weiteren Schritt zur Lösung des Betreuungsproblems wird die Gemeinde Inzlingen prüfen, ob der Erstelkindergarten durch eine „Natur-/Waldgruppe“ mit 20 Ü3-Plätzen erweitert werden kann. Diese würde in einer Art „Bauwagen“ im Wald im Erstel bei den Tennisplätzen ihre Heimstatt finden. Das entsprechende Waldgrundstück befindet sich in Gemeindebesitz. Der Bau der entsprechenden Anlagen käme laut Schätzung auf ungefähr 100 000 Euro. Im Falle eines Unwetters könnten die Kinder in den vormittags ungenutzten Gymnastikraum der Erstelhalle gehen.

Bürgermeister Muchenberger würde die geplante Waldgruppe gerne an den nahen Erstelkindergarten angegliedert sehen. Wie und in welcher Form dies machbar wäre, ist Teil der geplanten Prüfung. Zumal Roswitha Drechsle (GFI) die Frage aufwarf, ob es überhaupt möglich sei, zwei verschiedene Konzepte unter dem Dach des Erstelkindergartens zu vereinen, denn ein Waldkindergarten habe ja ein anderes Konzept als eine Betreuungseinrichtung konventioneller Prägung.

Blick in die Nachbarschaft

Ideen dafür könnten sich die Inzlinger beispielsweise im Nachbardorf Wyhlen holen. Dort betreibt der Verein „Spielwiese“ die gleichnamige Einrichtung auf den mitten im Ort gelegenen „Montagsmatten“, aber parallel dazu den Waldkindergarten „Spielwald“.

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