Inzlingen Weiter Weg zum Kompromiss

Steht seit dem Jahr 1790 an Ort und Stelle: der „Siebenbannstein“. An ihm trafen einst Bänne, Herrschafts-, Interessens- und Landesgrenzen aufeinander. Foto: Tim Nagengast

Inzlingen - Der in der Nähe der Kreuzeiche nach Süden abzweigende „Siebenbannsteinweg“ trifft nach etwa einem Kilometer auf einen vom Schwarzwaldverein Lörrach schön hergerichteten Platz. Dort steht der sogenannte Siebenbannstein. Auf einer Tafel werden sieben Gemeinden genannt, die 1790 hier zusammenstießen.

Der rund 70 Zentimeter hohe Stein trägt die Jahreszahl 1790, doch in Wirklichkeit ist er wesentlich älter. Die bisher früheste Erwähnung wird von Otto Deisler in seiner Inzlinger Chronik für das Jahr 1695 angegeben. Damals stellte man bei einer Bannbesichtigung fest, dass dieser Grenzstein aus dem Boden gerissen und verschleppt worden war. Deisler ist der Ansicht, dass dies „wohl schon seit langer Zeit“ geschehen sei (S. 178).

Diese Vermutung ist richtig, denn bei meiner Beschäftigung mit den Flurnamen von Inzlingen fand ich schon bei der Gemarkungsbeschreibung von 1606 die Erwähnung dieses Grenzsteins. Dabei wird ausgeführt, dass der Stein herausgerissen sei und unter einer Eiche liege, obwohl er früher bei einer Buche gestanden habe. Deshalb war der Platz, auf dem er jetzt lag, nicht sein ursprünglicher Standort. Bei dieser Bannbeschreibung heißt es: „In dem fünff und dreysigsten stein. So Yntzlingen, Stetten, Brombach, Lörich, Adelhausen, Otwangen und Rappenschweier baannscheiden ist“ (Generallandesarchiv Karlsruhe, Berain Nr. A, 159, S. 23).

Einst sogar Landesgrenze

In der Folgezeit gab es dann wegen des neu geplanten Grenzverlaufs zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den sieben Bannherren, doch erst 1785, also 179 Jahre nach der Ersterwähnung des Steins, kam es zu einem Kompromiss. Danach vergingen aber nochmals fünf Jahre, bis der Siebenbannstein an dem jetzigen Platz aufgestellt wurde. Deshalb ist er heute mit der Jahreszahl 1790 versehen.

Diese unglaublich lange Zeit bis zu einer Einigung hängt natürlich damit zusammen, dass hier nicht nur Gemeindegrenzen, sondern auch vorderösterreichische und markgräfliche Hoheitsgrenzen sowie Jagdbezirke verschiedener Dorfherren verliefen. Auch private Wald-und Weidenbesitzer fühlten sich als Anlieger benachteiligt und erhoben Einspruch gegen die vorgeschlagenen Grenzziehungen.

Die in der Bannbeschreibung von 1606 und auch bei späteren Erwähnungen genannten sieben Bänne entsprechen natürlich längst nicht mehr den jetzigen Gegebenheiten. So hatten zum Beispiel Eichsel und Adelhausen bis 1806 eine gemeinsame Gemarkung, und Ottwangen sowie Rapperswyl gehören auch schon lange zu Adelhausen. Deshalb spricht man heute von den hier zusammenstoßenden alten Gemarkungen Lörrach, Stetten, Inzlingen, Hagenbach, Eichsel, Adelhausen und Brombach.

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