Kandern Abschluss ist auch ein Startschuss

Weiler Zeitung

Auf Einladung von Bürgermeisterin Simone Penner wurde am Dienstagabend im Rathaussaal in Kandern die Charta zum „Raumkonzept Kandertal 2040“ von den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden sowie weiteren Partnern unterschrieben. Die feierliche Unterzeichnung verleihe dem Papier Bedeutung, betonte die Gastgeberin.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Der Begriff „Charta“ stammt vermutlich aus dem alten Ägypten und bezeichnete ursprünglich ein Papyrusblatt. Das hatte Penner herausgefunden. Besonders gut gefiel ihr die heutige Definition, wonach es sich um eine „positive Urkunde“ handelt.

Unterzeichnet wurde die Charta zum interkommunalen Entwicklungskonzept für die Gemeinden Kandern, Binzen, Rümmingen, Wittlingen, Schallbach und Malsburg-Marzell am Ende nicht auf Papyrus. Eine positive Urkunde ist das in fast drei Jahren entstandene Bekenntnis zu mehr Zusammenarbeit allemal. „Die zahlreichen Chancen, die mit der Standortgunst verbunden sind, sollen besser genutzt und die zukünftigen Herausforderungen im Spannungsfeld von Siedlungs-, Landschafts- und Verkehrsentwicklung koordiniert angegangen werden“, heißt es in der Präambel zur Charta.

Keine Zustimmung fand das Raumkonzept im Gemeinderat von Malsburg-Marzell (wir berichteten), weshalb auch die Charta von der Berggemeinde nicht unterzeichnet wurde.

Die Festreden

Einen Rück- und Ausblick gab Patrick Leypoldt, Geschäftsführer beim Verein Agglo Basel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, der am Entwicklungsprozess für das Raumkonzept Kandertal beteiligt war. Leypoldt betonte, dass daraus jetzt konkrete Handlungsfelder abgeleitet werden müssten. Den gleichen Weg wie das Kandertal sei das Leimental in der Schweiz gegangen, so sein Hinweis. In der feierlichen Unterzeichnung der Charta sah er einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Zusammenarbeit.

„Das ist ein Abschluss, aber auch ein Startschuss“, betonte der neue Direktor des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee, Sebastian Wilske. Er fand es wichtig, die Öffentlichkeit weiterhin mit einzubeziehen und die Zusammenarbeit dauerhaft zu gestalten.

Für den Landkreis Lörrach unterzeichnete Landrätin Marion Dammann das Dokument. „Jetzt müssen wir die Worte leben lassen, die wir da stehen haben“, meinte sie. Solche Prozesse würden nie glatt verlaufen. Man müsse sich auseinandersetzen, sagte Dammann wohl auch vor dem Hintergrund des Ausstiegs der Gemeinde Malsburg-Marzell. „Ich bin sicher, dass die große Mehrheit absolut dahinter steht.“ Die Landrätin zeigte sich neugierig, was in zehn Jahren über die Charta gesagt werden wird.

Von einem denkwürdigen Augenblick sprach Andreas Schneucker, Bürgermeister in Binzen. „Bisher hat jeder Ort für sich alleine gearbeitet. Jetzt haben wir ein gemeinsames Konzept.“

Daniela Meier, Bürgermeisterin in Rümmingen, sah das Entwicklungsziel Verkehr ganz oben auf der Agenda, egal ob es dabei um ein besseres regionales Busliniennetz oder eine Entwicklungsoption für die Kandertalbahn gehe.

Der Wunsch nach einer S-Bahn im Tal stand am Anfang des nun angestoßenen Prozesses der Zusammenarbeit. Die Ergebnisse einer diesbezüglichen Verkehrsstudie sollen bald vorliegen.

Als erste schnell umsetzbare Ideen nannte Meier ein E-Ladesäulennetz, E-Sharing-Angebote oder auch Lastenräder für das Kandertal. Wichtig fand sie Informationsangebote zu den verschiedenen Themen.

Zum Ausstieg von Malsburg-Marzell äußerte sich auf Nachfrage Schneucker stellvertretend für alle Teilnehmer. „Das Kandertal hört nicht hinter Kandern auf“, betonte er. „Wir überlegen, wie wir Malsburg-Marzell trotzdem mit ins Boot holen können.“ Mit diesem Ziel sollen nun zunächst Gespräche mit Bürgermeister Mario Singer geführt werden.

Und wie geht es sonst weiter? Penner betonte, dass die Bürger auch weiterhin beteiligt werden sollen. Workshops wird es genauso geben wie Treffen der Bürgermeister. Vorschläge, welche die Verwaltung erarbeitet, werden letztlich in den einzelnen Gremien entschieden.

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