Kandern Anderthalb Quadratmeter zu wenig

Das Pflegeheim im Wohnpark an der Kander kann die Einzelzimmerverordnung nicht ohne Weiteres erfüllen. Foto: Alexandra Günzschel

Kandern - Harald Preinl, Inhaber und Heimleiter des Seniorenpflegeheims im Wohnpark an der Kander, sieht seine Existenz durch die am 1. September in Kraft tretende Einzelzimmerverordnung bedroht. Auch befürchtet er, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Deshalb hat sich der Heimleiter nun an das Sozialministerium Baden-Württemberg gewandt.

Derzeit verfügt das Pflegeheim über 78 Betten in 26 Einzel- und 26 Doppelzimmern. „Wenn ich die Kapazität meiner Einrichtung auf 52 Einzelbetten reduzieren muss, kann ich nicht garantieren, dass das Haus weiterhin wirtschaftlich existieren kann“, sagt Preinl. „Außerdem müsste ich langjährige, treue und loyale Mitarbeiter entlassen, die aufgrund ihres Alters kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden“, führt er weiter aus, die meisten von ihnen seien nicht-examinierte Kräfte, was die Arbeitssuche zusätzlich erschwere.

Preinl will nun eine Sondergenehmigung erwirken. Dann könnte er die Doppelzimmer für eine Gesamtdauer von 25 Jahren nach Erstinbetriebnahme weiterführen – in seinem Fall bis 2027 beziehungsweise 2031. Denn die Einrichtung stammt aus dem Jahr 2002 und wurde 2006 um 26 Zimmer erweitert.

„Wir haben nach der gültigen Landesheimbauverordnung gebaut“, betont Preinl. In kurzer Zeit hätten sich dann aber die Rahmenbedingungen so drastisch geändert, dass rentables Wirtschaften nun nicht mehr möglich sei. Auch der Finanzierungsplan des Inhabers gerät dadurch ins Wanken. Sein zweites, kleineres Haus, den Kanderner Hof, musste er mangels wirtschaftlicher Perspektive Anfang April aufgeben. Ein Großteil des Personals hat er übernommen.

Für eine Sondergenehmigung indes sind die Zimmer im Wohnpark an der Kander rund anderthalb Quadratmeter zu klein. Das ist Preinl bewusst. Dennoch bittet er um eine solche Ausnahmeregelung. Denn als er das Heim errichten ließ, galt der 2,6 Quadratmeter große Vorflur der Zimmer noch vollständig als Wohnfläche. „Seit der Novellierung des Gesetzes ist dies nicht mehr der Fall“, wundert sich Preinl.

Die Möglichkeit einer Erweiterung der Räume hat er bereits prüfen lassen. Der Architekt jedoch hielt dies für nicht realisierbar. Eine mögliche Aufstockung der Einrichtung um eine weitere Etage wäre nicht wirtschaftlich. Auch dies wurde schon geprüft.

Preinl weist darauf hin, dass nach der strengen Heimbauverordnung des Landes Baden-Württemberg selbst Ehepaare Einzelzimmer nehmen müssten. Auch gebe es viele, die gar nicht allein in ihrem Zimmer sein wollten, so seine Erfahrung.

Als Kompromiss schlägt Preinl vor, eine Etage mit 26 Doppelzimmern für die solitäre Kurzzeitpflege vorzuhalten. Immerhin gebe es in diesem Bereich einen großen Mangel.

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