Von Alexandra Günzschel

Die Themen „Älter werden“ und eine gute Ärzteversorgung vor Ort sind eng miteinander verknüpft. Und so dauerte es auch nicht lang, bis der Ärztebedarf auf dem Land beim Themenabend, zu dem der SPD-Ortsverein Kandern eingeladen hatte, zur Sprache kam (wir berichteten gestern).

Kandern. „Hier muss die Politik Anreize schaffen, sonst müssen wir bald alle in die Stadt ziehen“, meinte Margot Hagemann und wandte sich damit auch an die SPD-Landtagskandidatin Birte Könnecke, die auf Einladung des Ortsvereins in Kandern zu Gast war.

Birte Könnecke wies darüber hinaus auf die schlechte Versorgung mit Hebammen im ländlichen Raum hin, da sich die Tätigkeit für sie nicht mehr lohne. Die Landtagskandidatin sprach von einer Katastrophe. Sie schlug vor, dass man notfalls eben die teure Versicherung für die Hebammen übernehmen müsse.

Aber auch Ärzte würden in der Stadt weit mehr verdienen, war sich die Kommunalpolitikerin der Problematik bewusst. „Die meisten Praxen haben keine Nachfolger mehr, und die meisten Ärzte seien über 50“, brachte sie das Problem auf den Punkt.

„Wo sind die Stellschrauben, an denen wir drehen können“, überlegte Könnecke und schlug vor, den Ärzten beispielsweise seitens der Gemeinde kostenlosen Baugrund zur Verfügung zu stellen, wie man es bei ihren Eltern, einem Lehrer-Ehepaar, gemacht hatte.

„Den klassischen Landarzt, der Tag und Nacht bereit steht, werden wir nicht zurückbekommen“, war sich SPD-Gemeinde- und Kreisrätin Gabriele Weber sicher. Sie und Könnecke verwiesen auch darauf, dass man jungen Ärztinnen, die bereit seien aufs Land zu ziehen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen müsse.

Helga Althauser aus Malsburg-Marzell war es ein Bedürfnis, die Vorstellung zurechtzurücken, dass ein Hausarzt ein „Heidengeld verdient“. Birte Könnecke stimmte ihr zu, dass die Abrechnungspauschalen zumeist nicht gerade üppig seien. Und Privatpatienten, an denen man mehr verdienen könnte, seien auf dem Land eben rar.

Auch der Bedarf an Notfallärzten sei nicht mehr gedeckt, wurden weitere Stimmen aus dem oberen Kandertal laut. Die Notärzte seien sogar schon aus Bad Säckingen gekommen, berichtete ein Teilnehmer der Runde. Gerlinde Engler vom DRK berichtete, dass ein Notarzt eine zusätzliche Qualifikation erwerben müsse. Allerdings sei man durch den Rega-Hubschrauber, der im Notfall komme, noch in einer guten Lage im Kandertal.