Kandern Anspruchsvolle Feuerwehrübung

Eine spektakuläre Feuerwehrübung hat in Wollbach stattgefunden: Ein Triebwagen der Kandertalbahn war mit einem Auto zusammengestoßen. Foto: Jutta Schütz

Kandern-Wollbach - Das spektakuläre Szenario am Sonntag am Wollbacher Bahnhof veranlasste so manchen Rad- und Autofahrer dazu, mal genauer hinzuschauen: Da stand doch tatsächlich ein Triebwagen der Kandertalbahn, dessen Puffer in die Seitenscheibe eines BMW hineinragte, der offenbar gerade auf dem Bahnübergang gerammt worden war.

Der Fahrer saß eingeklemmt hinterm Steuer. Schräg gegenüber war ein Kleintransporter gegen ein Warnschild gefahren, auch hier gab es einen Verletzten. Ein Fahrrad lag kopfüber vor dem Andreaskreuz – vom Radlenker keine Spur. Übrigens auch nicht vom Lokführer. Und: Kanister mit austretendem Diesel fanden sich verstreut auf dem Asphalt.

Glücklicherweise war das komplette „Set-up“ nur die groß angelegte Feuerwehrübung der Wollbacher Feuerwehrabteilung, die mit 30 Aktiven, der Jugendfeuerwehr mit zwölf jungen Leuten und einem Großaufgebot mit zwei Löschfahrzeugen, dem DRK-Fahrzeug und Gerätschaften für die technische Hilfeleistung anrückte.

Der Unfall an einem unbeschrankten Bahnübergang sei ein durchaus denkbarer, stellte Abteilungskommandant Thomas Sütterlin fest. Angenommen wurde, dass der Radfahrer der Urheber der Ereigniskette war. Dieser war beim Abbiegen an einem BMW entlanggeschrammt, der wiederum von der Fahrbahn abkam und im Gleisbett stecken blieb, als der Triebwagen der Kandertalbahn auf gleicher Höhe war und den Wagen rammte. Vor Schreck fuhr dann auch noch der Fahrer eines zweiten Autos vor ein Verkehrsschild im Bahnübergangsbereich und verlor die Ladung mit Treibstoffkanistern.

Dem eingeklemmten Fahrer galt große Aufmerksamkeit

Da der Aufprall des Triebwagens die Fahrgastzelle des BMW verformte, wurde der Fahrer (hier Dennis Vollmer) eingeklemmt – ihm galt die höchste Aufmerksamkeit.

Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr verschafften sich Zugang zum Triebwagen und beruhigten dort zunächst die aufgeregten Fahrgäste. Zusätzlich stellten die jungen Feuerwehrleute fest, dass der Lokführer, in dem Fall ein weißgesichtig geschminkter Marcel Schneider, nicht aufzufinden war. Gemeinsam machten sich Nachwuchsfeuerwehrleute und Aktive in einem schnell zusammengestellten Suchtrupp auf, den Lokführer und auch den Radfahrer zu finden.

Im Hintergrund richteten die Mitglieder des DRK unter Einsatzleiter Giorgio Scalice bereits Bahren und Wagen zum Verletztentransport und bauten ein Versorgungszelt auf. Trotz des Regens verfolgten einige Interessierte, auch mit Kindern, die spannende Übung.

Gegen den auslaufenden Treibstoff legten die Feuerwehrleute einen Riegel und dichteten einen offenen Schacht mit einer mit Sand beschwerten Plane ab. Helfer des DRK versorgten den verletzten Transporterfahrer (Hans Wilhelm) direkt im Auto.

Schwierig gestaltete sich die Rettung des eingeklemmten Autofahrers. Mit einem großen Spreizer zerlegten die Feuerwehrleute das beschädigte Auto in Teile, schnitten zuerst die Fahrertür auf, und dann das komplette Dach ab.

Gerade für neueren Autos braucht es oft schweres Gerät

Da die Beine des Verletzten eingeklemmt waren, musste auch noch der Motorraum samt Vorderachse hydraulisch verschoben werden. Allein diese Aktion dauerte gut 45 Minuten. „Das dauert es auch in Wirklichkeit, manchmal länger, bei den neueren Autos brauchen wir noch schwereres Gerät zum Zerlegen, weil diese stabiler gebaut sind – oft müssen wir uns einen Plan des Autotyps schicken lassen, auf dem gezeigt wird, wo man Spreizer am effektivsten ansetzen kann“, erklärte Sütterlin.

Während der Versorgung der Verletzten wurden auch die Suchtrupps fündig. Ein Lokführer, der im Schock den eigenen Namen vergessen hatte und auch zuerst den Unfallhergang nicht schildern konnte – auch das kommt vor – wurde in der Nähe der Kander aufgefunden, der ebenso geschockte Radfahrer im Buswartehäuschen an der Kreisstraße.

Im Anschluss an die Übung gab es Lob von den Zuschauern, von Ortsvorsteher Max Sütterlin, der das ehrenamtliche Engagement der Helfer hervorhob, das man gar nicht genug würdigen könne, und auch vom Kommandanten an die Einsatzkräfte.

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