Kandern (bb). Als „Breiti-Lieseli“ ist sie weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt geworden. Die Mundartdichterin Liesel Meier feiert heute im Haus des Betreuten Wohnens an der Kander ihren 80. Geburtstag.

Die Tochter des Landwirtsehepaares Karl und Hilda Bromberger wuchs mit Bruder und Schwester auf dem St.Johannis-Breite-Hof auf. Am ersten Schultag wurde sie von der Mutter nach Kandern begleitet, dann machte sie den täglichen Fußmarsch vier Jahre lang allein. In Sitzenkirch wurde mangels Schülern erst nach Kriegsende wieder Unterricht gehalten.

Nach einem Haushaltsjahr in Lörrach musste Liesel Bromberger im elterlichen Betrieb mithelfen. Beim Tanz schließlich lernte sie Emil Meier aus Tannenkirch kennen und wohnte nach der Hochzeit 1955 weiter auf der Breite. Drei Töchter wuchsen heran, zu den Nachkommen zählen inzwischen sieben Enkel und vier Urenkel.

1965 zog die junge Familie ins eigene Haus nach Feuerbach. Dort fand Liesel Meier dank ihrer offenen und geselligen Art neben Familie, Haus und Garten auch Aufgaben in der Kirchengemeinde und im örtlichen Gesangverein. Man schätzte sie in Feuerbach bis ins fortgeschrittene Alter als aktives Chormitglied, als zweite Vorsitzende und auch als Kirchenälteste. In der Einliegerwohnung beherbergte sie jahrelang Feriengäste aus dem deutschen Norden.

„Was bin ich?“. Bei der Fernseh-Ratesendung von Robert Lembke stellte sich Liesel Meier, wie sie erzählt, einst genau jene Frage – und fand die Antwort: „Ä Huusfrau un sunscht nüt“. Dies habe ihr den Impuls gegeben, die Erfahrungen, Freuden, Sorgen und Nöte dieses Berufsstandes aufzuschreiben, in Versform zu bringen und ihre Mitmenschen schriftlich und mündlich damit zu unterhalten.

Die erste Auflage von 1000 Exemplaren ihres Büchleins „Ä Huusfrau…“ war 1989 innert sechs Wochen vergriffen – in ihrem Umfeld war das „Breiti-Lieseli“ nämlich längst zu einem Begriff geworden. Bis 2007 folgten weitere fünf Druckerzeugnisse aus ihrer Feder. Anstöße zu ihren Reimen fand sie überall – kaum ein Thema aus Familie, Verein, Wirtschaft, Politik oder Natur, Feld, Wald und Wiese, dem sie nicht eine Geschichte in Versform widmete und dabei auch nicht mit kritischen Anmerkungen geizte.

Im Laufe der Zeit wurde Liesel Meier immer öfter aufgefordert, bei privaten und allerlei öffentlichen Anlässen zur Unterhaltung beizutragen. Immer größer wurde ihr Aktionsradius. In den letzten Jahren verging keine Woche ohne Auftritt – bis ein Schlaganfall 2012 ihrem Wirken jäh ein Ende setzte.

Längst hatte das „Breiti-Lieseli“ beste Kontakte und gemeinsame Auftritte mit aktuellen Mundartpoeten der Region und zu den Muetterspröchlern, als ihr nach und nach für ihren kulturellen Einsatz, für Erhalt und Pflege der alemannischen Mundart verdiente Ehrungen zuteil wurden. So 2001 die Verleihung der Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette, 2008 die Verdienstmedaille der Muettersproch-Gesellschaft sowie 2009 die Ehrenmedaille der Stadt Kandern.

Gern denkt die Jubilarin an die Zeit mit ihrem 2001 verstorbenen Gatten zurück. Dem passionierten Imker stand sie mit Freude im Bienenhaus zur Seite, und mit ihm konnte sie viele Busreisen unternehmen.

Seit 2012 lebt Liesel Meier nun im Betreuten Wohnen in Kandern, wo sie im Gemeinschaftsraum den Ehrentag mit Freunden und Nachbarn begeht. Die Feier mit der Familie soll am Wochenende folgen.