Kandern CDU: Diskussionskultur im Kandertal hochhalten

Kathryn Babeck
Siegfried Schlegel (von links), Peter Völker, Stephan Bleckmann, Markus Hügel, Werner Dannenberger, Gabriel Grebenar und Max Sütterlin diskutierten in Tannenkirch. Foto: Kathryn Babeck

Der neugegründete Gemeindeverband der CDU will mit Bürgern diskutieren und ins Gespräch kommen.

Über dem Türrahmen steht das Jahr 1754. Die „Tanne“ in Tannenkirch ist eines der ältesten Gaststätten in der Region. Wirtshäuser waren früher Zentren des Informationsaustauschs, heftigste Debatten wurden dort geführt: In der „Tanne“ erhielt 1848/49 sogar ein republikanisch gesinnter Dorflehrer wegen seinen Reden gegen die Obrigkeit Hausverbot. Am Mittwochabend tagte nun dort der CDU-Gemeindeverband. Sein Ziel: Mit Bürgern unabhängig ihrer politischen Couleur ins Gespräch zu kommen.

CDU wird aktiv und sucht das Gespräch

Eine freundliche Stimmung herrschte am Tisch. Die sieben Herren diskutierten intensiv miteinander, nicht immer waren sie sich einig. Mit dabei waren Werner Dannenberger, der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Kandertal, Markus Hügel, stellvertretender Vorsitzender, Peter Völker, Schatzmeister, Gabriel Grebenar, Schriftführer, und Stephan Bleckmann als Beisitzer. Als Gäste waren Siegfried Schlegel und Max Sütterlin, Ortsvorsteher aus Wollbach, erschienen. Nach Corona müsse die CDU etwas tun, sagte Dannenberger. Selbstkritisch stellten sie fest, dass sie ein Altersstrukturproblem haben. Die meisten Mitglieder seien über 50.

Gesprächsrunden in Wirtshäusern

Solche Sitzungen soll es in jeder Gemeinde geben. Sie wollen in die „Beizen“ einladen, Bürgernähe pflegen. Das kleine Örtchen Tannenkirch haben sie extra ausgewählt. Durch den Zusammenschluss der CDU-Verbände Kandern und Vorderes Kandertal zum Gemeindeverband Kandertal ist flächenmäßig von Eimeldingen bis nach Marzell ein großer Verband entstanden. Man wolle sich jedem Ort annehmen, hieß es. Bei Ortsrundgängen wollen sie mit Bürgern ins Gespräch kommen. So gibt es am 30. September einen Stadtrundgang mit Bürgermeisterin Simone Penner, um mit interessierten Bürgern das Hintere-Mühle-Areal zu besichtigen. „Wir fragen nicht nach der Partei“, sagte Markus Hügel, sondern man wolle erfahren, welche Themen anstehen.

Einstimmigkeit muss nicht sein

Zwei, drei große Themen haben sie: Bei dem ersten entspannte sich gleich eine intensive Debatte. Schatzmeister Peter Völker, ein klarer Befürworter für den Bau der S-Bahn im hinteren Kandertal, vertrat vehement seine Meinung. Andere vom Vorstand appellierten zur Mäßigung. Man müsse zurückhaltender sein, so einfach sei das nicht, hieß es. Carsharing für Kandern wäre eine gute Sache, sagte Stephan Bleckmann. Ortsvorsteher Max Sütterlin hob die starke Frequentierung der Linie 54 hervor, die vom Bahnhof Brombach bis nach Kandern fährt. „Wir müssen offen sein, nicht einer Meinung“, resümierte Markus Hügel.

Zahlreiche Themen stehen an

Eines wird an diesem Abend deutlich: Die Entwicklung des hinteren Kandertals hat Brisanz. Es geht um die Entwicklung des ländlichen Raums. Themen wie Bevölkerungszuwachs, offene Weidehaltung, Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und Anbindung an das Dreiländereck sind komplexe Fragen. Über das Engagement auf lokaler Ebene sagte Sütterlin: „Es gibt viele Pflichtaufgaben, aber auch Spielraum. Es lohnt, sich dafür einzusetzen.“

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