Kandern Damit die Einsatzkräfte leistungsfähig bleiben

Weiler Zeitung
Einsatzplanung bei einem Waldbrand in Kandern im Frühjahr: Damit die Feuerwehr leistungsfähig bleibt, braucht es auch Investitionen. Foto: Alexandra Günzschel

Gemeinderat: Feuerwehrbedarfsplan vorgestellt / Bezahlte Stelle soll Kommandant Günter Lenke ersetzen

Kandern (ag). Das Feuerwehrgesetz für Baden-Württemberg fordert eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Gemeindefeuerwehr. Um dieser Forderung nachzukommen, wurde für die Freiwillige Feuerwehr Kandern ein Bedarfsplan erstellt. Im Gemeinderat wurde er am Montag von dem Sachverständigen Ralf-Jörg Hohloch vorgestellt. Beschlossen werden soll der Feuerwehrbedarfsplan 2022 bis 2027 in der Oktober-Sitzung.

Hohloch ist Kommandant der Freiburger Feuerwehr und leitet das Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Neun Monate lang hat er zusammen mit dem Kanderner Kommandanten Günter Lenke und anderen Feuerwehrangehörigen den Bedarfsplan ausgearbeitet. „Eine Feuerwehr wie Ihre muss immer aus dem Ehrenamt schöpfen können“, stellte er fest. Das erfordert auch Ideen, um die Motivation der ehrenamtlichen Einsatzkräfte aufrechtzuerhalten.

Der Experte zeigte sich mit den 172 Aktiven und deren Ausbildungsstand recht zufrieden. Auf die Abteilungen Holzen, Riedlingen, Tannenkirch und Wollbach sah er jedoch Engpässe zukommen, wenn sie sich nicht zeitnah um jüngere Mitglieder bemühen. Erfreut zeigte sich Hohloch über die 31 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr.

Der Experte bewertete es als positiv, dass die Kanderner Feuerwehr im Durchschnitt alle zwei Tage im Einsatz ist. Dadurch blieben die Einsatzkräfte in Übung.

Doch brauchen die engagierten Feuerwehrleute eine gute Ausrüstung. In Kandern muss vor allem bei den Fahrzeugen nachgerüstet werden. Erstellt wurde deshalb ein Konzept, das bis zum Jahr 2029 jedes Jahr eine Ersatzbeschaffung vorsieht, so dass die Kosten gut verteilt sind.

In den kommenden beiden Jahren soll zunächst die Abteilung Sitzenkirch bedacht werden. Geplant ist hier die Anschaffung eines gebrauchten TLF 4000 sowie im Folgejahr eines MTW. Dafür muss der ehemalige Stellplatz bei der Ortsverwaltung wieder ertüchtigt werden.

Ein neues Feuerwehrhaus oder zumindest ein Stellplatz mit Umkleideräumen wird für die Abteilung Riedlingen benötigt. Hierfür stellte Hohloch fünf Alternativen vor, drei davon am jetzigen Standort, der wegen der stark befahrenen Durchgangsstraße eine erhöhte Unfallgefahr mit sich bringt. Ein weiterer möglicher Standort wäre beim ehemaligen Schulhaus und zu guter Letzt steht auch noch die neue Dorfmitte Riedlingen mit Gerätehaus und Gemeindesaal im Raum.

Beim Gerätehaus in Tannenkirch fehlen Stellplätze für die aktiven Einsatzkräfte.

Mit Blick auf die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte sprach sich Hohloch für einen ehrlichen Bedarfsplan aus. Er wollte nicht stur an der Vorgabe festhalten, dass überall auf Kanderner Gemarkung nach zehn Minuten neun Feuerwehrleute am Einsatzort sein müssen. Mit sechs gut qualifizierten Kameraden, die nach zehn Minuten da seien, könne man mehr als zufrieden sein, meinte er. Und mancherorts, wo man schön und ruhig wohne, könne es eben auch schon mal zwölf Minuten dauern. Das sei nicht zu ändern, so der Experte.

Für die schnelle Löschwasserversorgung in den Außenbereichen schlug der Freiburger Kommandant wasserführende Einsatzfahrzeuge in den Abteilungen vor.

Hohloch lobte die Kanderner Feuerwehr für ihre Bemühungen bei der Mitgliederwerbung. So wurde eigens dafür die Arbeitsgruppe „175 +++“ gegründet und ein Antrag bei der Stadt auf Förderung des Ehrenamts gestellt. Die Idee ist, dass Angehörige der Feuerwehr Vergünstigungen bekommen, zum Beispiel freien Eintritt im Schwimmbad.

Ein speziell für Kandern erarbeitetes Konzept

Zum Schluss stellte Hohloch ein speziell für Kandern erarbeitetes Konzept vor. Es ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich mit Günter Lenke in absehbarer Zeit ein starker Kommandant verabschiedet, der die Kanderner Feuerwehr geprägt hat.

Vorgeschlagen wird eine neu geschaffene hauptamtliche Planstelle, die sich je zur Hälfte auf die Tätigkeiten als Gerätewart und als Kommandant aufsplittet. Der Referent empfahl die verbleibende Zeit zu nutzen, um eine dafür geeignete Person zu finden. „Es braucht Präsenz“, hob er den Vorteil einer hauptamtlichen Stelle hervor.

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