Kandern Das Leid so gering wie möglich halten

Schon der Transport zum Schlachthaus ist für viele Tiere mit großem Stress, ja sogar Todesangst verbunden. Die Interessensgemeinschaft „Schlachtung mit Achtung“ wollte das ändern. Alles in allem fünf Jahre lang haben sich Thomas Mayer, Sandra Kopf und Peter Brandmeier Gedanken gemacht, sich Hilfe geholt und viel getüftelt. Nun konnten sie der Öffentlichkeit den Prototyp ihrer mobilen Schlachteinheit „MSE 001“ präsentieren.

Von Alexandra Günzschel

Kandern-Riedlingen. Das Interesse war groß. Tierhalter, Fleischvermarkter, aber auch zahlreiche Vertreter aus lokaler und überregionaler Politik sowie der Behörden waren zur Präsentation gekommen. Unter anderem waren Bürgermeister Christian Renkert und Josha Frey (MdL) unter den Gästen.

Das neue Verfahren ermöglicht eine tierschonende und hofnahe Schlachtung. Mayer, der in das Thema einführte, war eher zufällig an Hinterwälder-Rinder gekommen, wie er berichtete. Und irgendwann stand er dann vor dem Problem der Schlachtung.

Denn für die gibt es genaue Vorschriften, sofern das Fleisch in den Handel kommen soll. Mit der MSE, im Prinzip ein kleiner Schlachthof, ist es nun möglich, den eigentlich vorgeschriebenen Lebendtransport zum Zerlegebetrieb zu umgehen.

„Der Tierschutz hat sich wirklich verbessert, nur nicht bei der Schlachtung“, bedauert Mayer, der nun hofft, dass die MSE ein Erfolg wird.

Eine erste Probeschlachtung verlief offenbar sehr vielversprechend. Lediglich 45 Sekunden seien zwischen Betäubung und Entblutung vergangen. Eine Kamera verfolgte das Geschehen auch im Inneren der Einheit. Alle Beteiligten seien begeistert und überrascht gewesen, wie schnell es gegangen sei.

„Tierschutz ist Fleischqualität“

„Tierschutz ist Fleischqualität“, betonte Mayer außerdem. Und die Todesangst der Rinder wirke sich negativ auf diese Qualität aus. Nun hoffen er und seine Mitstreiter auf bewusste Verbraucher, die keine Lust mehr haben auf „Hauptsache billiges Fleisch“.

Edwin Ernst vom Ministerium für Ländlichen Raum hatte das Projekt von Stuttgart aus betreut. „Ziel war es, eine Lösung im Einklang mit geltendem EU-Recht zu finden“, erklärte er. Dafür musste der Schlachthof zum Rind kommen. Der südbadische Tüftlergeist habe hier gut funktioniert, sprach Ernst dem Projekt sein Lob aus.

Lob für südbadischen Tüftlergeist

Ebenfalls am Projekt beteiligt war die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun. „Die Schlachtung ist unumgänglich, aber das Leid der Tiere sollte so gering wie möglich gehalten werden“, sagte sie. Von dem Video der Probeschlachtung zeigte sie sich sehr überzeugt und hofft nun, dass die MSE weite Kreise zieht.

Mit der technischen Umsetzung des Projekts war Metallbauer Peter Brandmeier aus Riedlingen betraut. In seiner Werkstatt fand auch die Präsentation statt. Konstruiert hat er eine Vorrichtung, die das Rind alleine in einen Fangstand, eine Fressgitterattrappe, gehen lässt. Dort findet dann die Betäubung statt. Das Rind wird dann zusammen mit dem Fangstand in die Box hineingezogen, wo der Schlachter auch in hygienischer Hinsicht ideale Bedingungen vorfindet. „Die Vorrichtung kann von nur einer Person bedient werden“, versicherte Brandmeier. Er sprach von einem europaweit einzigartigen Modell.

Zahlreiche Landwirte und Metzgermeister aus der Region waren zu der Veranstaltung gekommen. Sie alle begrüßten den Schritt in Richtung Tierwohl. Der erhöhte Aufwand – die Tiere müssen einzeln innerhalb von 45 Minuten nach der Tötung zum Zerlegen in einen nahegelegenen Schlachthof gefahren werden – ist allerdings auch mit höheren Kosten verbunden, wie bemerkt wurde.

Jetzt ist der Verbraucher gefragt

Hier ist nun der Verbraucher gefragt, der sich die schonendere Art der Schlachtung, aber auch das bessere Fleisch etwas kosten lässt.

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