Kandern Die beste Schwarzwälder Kirschtorte

Wer backt die beste Schwarzwälder Kirschtorte im Land? In diesem Jahr zumindest ging der erste Platz in der Kategorie Profi an eine junge Frau aus Kandern.

Kandern. Dabei ist Daniela Moritz noch Auszubildende. Sie befindet sich aktuell im dritten Lehrjahr als Konditorin. Ihr Ausbildungsbetrieb ist der Hauptsitz von „Kaisers gute Backstube“ in Ehrenkirchen. Im Gespräch mit Alexandra Günzschel erzählt sie, wie es zu dem für sie überraschenden Erfolg kam.

Frage: Frau Moritz, haben Sie diesen Erfolg erwartet, als sie sich für den Wettbewerb in Todtnauberg angemeldet haben?

Nein, ich war wirklich überrascht. Die Idee, da mal mitzumachen, hatte ich zwar schon länger, habe aber gezögert. Erst in letzter Minute habe ich mich dazu entschlossen, nachdem mir mein Mann und meine Geschwister gut zugeredet hatten.

Zum Mitmachen ermuntert hat uns auch unser Lehrer an der Berufsschule, der beim Wettbewerb in der Jury sitzt. Er sagte, dass er sich freuen würde, uns da zu sehen. Außer mir hat noch ein Klassenkamerad mitgemacht.

Frage: Haben Sie das Tortenbacken erst in der Ausbildung gelernt?

Nein, ich bin damit groß geworden. Bei uns zu Hause wurde bei jedem Familienfest gebacken. Meine Oma hat sogar die Hochzeitstorte für meine Eltern gemacht. Angefangen habe ich mit dem Standardprogramm, wie zum Beispiel Käsekuchen.

Frage: Dann war Ihr Werdegang sozusagen vorprogrammiert?

Eigentlich ist das meine zweite Ausbildung. Zuerst habe ich Industriemechanikerin gelernt. Als der Berufswunsch Konditorin bei mir aufkam, habe ich einen Kurs besucht und mich von einer befreundeten Konditorin beraten lassen.

Bereut habe ich die Entscheidung bisher nicht, auch wenn die Arbeitszeiten mit Nacht- und Frühschichten gewöhnungsbedürftig sind. Und wer weiß, falls ich mich mal selbstständig mache, kann ich meine Maschinen gleich selbst reparieren.

Frage: Was bestimmt viele Leser interessieren wird: Wie kamen Sie auf Ihr Rezept?

Das Grundrezept, das ich etwas abgeändert habe, kommt von meiner Mama. Ich habe einen anderen Biskuit verwendet, der erfahrungsgemäß gut funktioniert, den Anteil der Kirschen erhöht und das Kirschwasser ein bisschen reduziert – weniger in der Sahne, dafür mehr im Boden, damit die Sahne ihren Eigengeschmack nicht verliert. Außerdem habe ich, wie wir es im Betrieb gerne machen, vier statt drei Böden verwendet, um mich etwas abzuheben.

Frage: Gab es auch geheime Zutaten?

Ich würde mein Rezept, auf das ich nach dem Erfolg sehr stolz bin, zwar nicht jedem verraten, aber Geheimzutaten gab es keine.

Frage: Wie oft haben Sie geübt?

Zweimal, einmal hat die Familie probiert, das andere Mal die Kollegen. Meine Großeltern haben mir beim Zubereiten zugeschaut und waren ganz begeistert. Im Betrieb konnte ich dann Geräte wie den Sahnebläser verwenden. Den gab es auch beim Wettbewerb.

Frage: Wie war das eigentlich beim Wettbewerb?

Es war sehr voll in der Halle in Todtnauberg. Wir hatten nur 20 Minuten Zeit für alles, durften aber vorbereitete Zutaten wie den Biskuit, die Kirschfüllung oder auch Dekomaterialien mitbringen. Bei mir waren das gebogene Schokoplättchen aus Kuvertüre angefertigt, die die Schwarzwälder Bergkulisse darstellen sollten.

Bewertet wurde natürlich der Geschmack, aber auch Aussehen, Kreativität und die Arbeitsweise, die möglichst sauber und strukturiert sein sollte.

Frage: Und dann hieß es zittern?

Es hat sehr lange gedauert, bis das Ergebnis verkündet wurde. Wir sind dann alle nach vorne auf die Bühne gegangen. Ich habe dann die ganze Zeit darauf gewartet, dass mein Name aufgerufen wird, während die Platzierungen immer besser wurden. Mein Lehrer hat mich angegrinst, was ich erst im Nachhinein verstanden habe. Mit dem ersten Platz hätte ich nie gerechnet.

Frage: Gehört die Schwarzwälder Kirschtorte zu Ihren Lieblingstorten?

Eigentlich mag ich lieber Fruchtiges wie Obstkuchen, aber die Schwarzwälder Kirschtorte ist einfach ein Aushängeschild der Region. Es gibt sie auf jedem Fest und man weiß, sie ist immer als erstes weg. Jedenfalls habe ich das immer so erlebt.

Frage: Werden Sie nach dem Riesenerfolg eigentlich oft nach einer Schwarzwälder Kirschtorte gefragt?

Ja, recht häufig. Im Freundeskreis haben das einige mitbekommen. Auch eine ehemalige Arbeitskollegin hat mal gefragt, ob ich eine Torte zum 18. Geburtstag ihrer Tochter backen könnte.

Frage: Ihre Ausbildung haben Sie bald abgeschlossen, haben Sie schon Pläne für danach?

Ich würde gerne den Meister machen, am liebsten in Vollzeit, dann dauert es nur ein halbes Jahr.

Und in zwei Jahren werde ich auf jeden Fall wieder beim Wettbewerb in Todtnauberg antreten. Mal sehen, ob ich meinen Titel verteidigen kann.

Die Ausbildung zum Konditor/zur Konditorin ist vielseitig, wie Daniela Moritz im Gespräch berichtet. Ein großes Thema ist die Hygiene, aber auch der Arbeitsschutz und die Lebensmittelkontrolle. Die Auszubildenden lernen das Herstellen von Massen, Teigen, Füllungen und Cremes. Auch Herzhaftes wie Teegebäck oder Quiche wird zubereitet. Ein weiterer Bereich dreht sich um die kreative Gestaltung. So wird in der Ausbildung auch das Zeichnen geübt. Denn mit Hilfe von Zeichnungen können Ideen für Sonderwünsche mit den Kunden besser besprochen werden. Konditoren lernen es, mit Schokolade oder Marzipan zu dekorieren, sie modellieren Figuren, stellen aber auch Pralinen her. Wie man mit Zucker – ähnlich wie ein Glasbläser – dekorative Elemente herstellen kann, steht im dritten Lehrjahr auf dem Ausbildungsplan.

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