Kandern „Die Krise gemeinsam durchstehen“

Kandern - Die neue Kanderner Bürgermeisterin heißt Simone Penner. Die Schliengenerin hat am Sonntag bei der Wahl mit 55,7 Prozent gleich im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten und wird damit die Nachfolge von Christian Renkert antreten, der seinerseits bereits zum 1. März nach Schliengen gewechselt hat.

Über die Bedeutung dieses Wahlergebnisses, die derzeitige Corona-Krise und ihre Vorhaben für die Zukunft der Gemeinde Kandern hat unsere Zeitung mit der künftigen Bürgermeisterin gesprochen.

Frau Penner, Glückwunsch zunächst zum Wahlergebnis. Hand aufs Herz: Hätten Sie das in dieser Deutlichkeit gleich im ersten Wahlgang erwartet?

Erwartet habe ich das nicht. Das hat wohl niemand, denn das war nicht abzusehen. Aber gewünscht habe ich es mir natürlich.

Das Ergebnis ist auch ein Vertrauensvorschuss der Kanderner Bürger. Starten Sie jetzt mit Rückenwind in Ihr neues Amt?

Ja, ich finde schon, dass man das so bewerten kann. Ich freue mich darüber, dass offenbar so großes Vertrauen da ist, und weiß zugleich, welche Verantwortung ich damit trage.

Wissen Sie auch schon, was Ihre erste Amtshandlung sein wird?

Amtshandlungen kann ich ja erst vollziehen, wenn ich auch im Amt bin. Heute morgen habe ich bereits mit dem Kanderner Hauptamtsleiter Rainer Pach telefoniert. Aber konkrete Termine kann ich noch nicht nennen. Sobald es wieder möglich ist, werde ich mich mit den Mitarbeitern der Stadt Kandern zusammensetzen und alles Weitere besprechen. Ich kenne viele Leute in der Gemeinde von meiner Tätigkeit auf dem Kanderner Bauamt.

Sie sprechen es bereits an: Wenn ein Treffen wieder möglich ist. Was empfinden Sie persönlich angesichts der derzeitigen Corona-Krise, die ja auch die Umstände dieser Bürgermeisterwahl zu besonderen gemacht hat?

Zunächst bin ich dem Rathausteam, das schon wochenlang Großes leistet, dankbar für Einsatz, Mut und Ausdauer. Ich danke auch allen Briefwählern sowie generell allen Menschen, die unter den derzeitigen Bedingungen wählen gegangen sind. Die Wahlbeteiligung war ja fast so hoch wie im Jahr 2012 (damals lag die Beteiligung bei 56,6 Prozent; am Sonntag hatten 54,2 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt, Anmerkung der Redaktion). Auch die vielen Helfer im Wahlkampf haben Großartiges geleistet. In diesem Zusammenhang danke ich auch den anderen fünf Kandidaten, die ebenfalls allen Respekt verdient haben.

Sie haben bei der Vorstellungsrunde der sechs Kandidaten auf entsprechende Nachfrage betont, dass sie als Bürgermeisterin nicht nach Kandern ziehen wollen, sondern weiter in ihrem Haus in Schliengen wohnen.

Mir ist eine offene, vertrauensvolle Herangehensweise sehr wichtig. Man muss den Bürgern auf Augenhöhe begegnen, dazu gehört auch, dass man zu allen Fragen klar und ehrlich Stellung bezieht. Der Wohnort eines Bürgermeisters sollte kein Kriterium für dessen Eignung und die Verbundenheit mit einem Ort sein. Es freut mich, dass die Bürger alle Kriterien intensiv studiert und dann ihre Wahl getroffen haben.

Unstimmigkeiten hatte es im Vorfeld in Bezug auf Ihre Unterstützung durch die SPD gegeben. Zunächst hatten einige Mitglieder des SPD-Ortsvereins sich dafür ausgesprochen, dann wiederum war der entsprechende Hinweis im SPD-Infokasten entfernt worden. Kurz darauf hatte die SPD Kandern Ihnen doch die Unterstützung zugesagt, woraufhin uns ein kritischer Leserbrief von Joachim Dörr erreicht hat.

Ja, das habe ich am Rande auch mitverfolgt. Allerdings hat Herr Dörr seine Meinung als Privatperson geäußert, und eine entsprechende Stellungnahme der SPD folgte auf dem Fuß. Da ich selbst nicht der SPD-Fraktion angehöre, möchte ich mich hierzu auch nicht weiter äußern.

Bei Ihrem Vorstellungstermin im Kernort hat eine Zuhörerin Sie mit der Aussage konfrontiert, Sie wollten von allem Guten ganz viel, und das könne so nicht funktionieren. Wo sehen Sie denn als Bürgermeisterin Ihre Prioritäten?

Wie gerade die derzeitige Corona-Krise zeigt, werden Prioritäten durch äußere Einflüsse festgelegt. Meine Prioritäten sind angesichts dieser Situation ganz andere als noch vor zwei Wochen. Ich kann derzeit keine Versprechungen oder Prognosen wagen. Jetzt gilt es erst einmal, diese Krise gemeinsam durchzustehen. Wir müssen reagieren, alles Andere wird sich zeigen.

Wagen Sie doch trotzdem den Ausblick: Wo sehen Sie Kandern in vier Jahren?

Gehen wir mal davon aus, dass alle Geschäfte und Unternehmen die Krise überstehen und danach wieder öffnen und weiterarbeiten können: Dann will ich mein im Wahlkampf gegebenes Versprechen erfüllen, dass wir alle miteinander Kandern aufblühen lassen. Die Menschen sollen gerne nach Kandern kommen und sich in Kandern und den Ortsteilen weiterhin wohlfühlen.

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