Kandern Die Künstler passen gut zusammen

Jürgen Scharf
Die neue Kanderner Museumsleiterin Jasmin Hartmann (links) hat die Ausstellung mit der Keramikerin Corinna Smyth und dem Fotografen Theo Hofsäss kuratiert. Foto: Jürgen Scharf

Museumsleiterin Jasmin Hartmann, die sich seit Februar ehrenamtlich um das Heimat- und Keramikmuseum kümmert, hat ihre erste Ausstellung kuratiert. Es ist eine Art Studioausstellung geworden mit Werkreihen der Keramikerin Corinna Smyth und dem Fotografen Theo Hofsäss. Am Freitagabend ist sie eröffnet worden.

Von Jürgen Scharf

Kandern. Bei dieser Gelegenheit konnten die Besucher auch sehen, dass Hartmann das Museum ein bisschen umgestaltet hat. Die Dauerausstellung hat ein etwas anderes Gesicht bekommen. Ihr war wichtig, dass die Museumsstücke in ansprechenden Vitrinen etwas moderner und zeitgemäßer präsentiert werden und der Raum insgesamt lichter und heller wirkt.

So kommt auch die angestrebte Studioatmosphäre bei den formvollendeten Gefäßen der aus Dublin stammenden irischen Keramikern und den raffinierten Bildserien des Freiburger Fotografen gut zur Geltung.

Smyth, die seit 2018 in Kandern ihr Atelier hat, zeigt eine geschlossene Serie zylindrischer Gefäße unter dem Titel „If I could write a thousand words“. In den archaisch anmutenden, teils natur- und erdfarbenen, teils anthrazitfarbenen Steinzeug- und Porzellanobjekten finden sich eingeritzte Chiffren und Kerben oder blockartig gesetzte Striche, eine Art Pinselschrift mit goldfarbenen Tupfern.

Mit den Pinselspuren und den Einritzungen setzt Smyth Zeichen in ihre Keramikgefäße außen oder auch innen.

Diese Schriftzeichen könnten Buchstaben einer Keilschrift sein, Hieroglyphen einer alten Kultur. Auf jeden Fall ist es eine keramische Kunst, die sehr reduziert, minimalistisch und ästhetisch wirkt. Mit dieser sparsamen Formensprache treffen sich die beiden Künstler, die von der Museumsleiterin geschickt zusammengebracht wurden und überraschend gut zusammen passen.

Hofsäss, der von der Malerei herkommt und in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien mit Licht und Schatten „malt“, reduziert seine Aufnahmen total. Seine Serie „Virtual Signs“ versammelt kleine Platten in einem Ständer zum Herausnehmen (20 von 500 solcher Arbeiten werden gezeigt). Die Grundidee dahinter ist, ein Archiv von virtuellen Zeichen aufzubauen. Auch in der Folge „Open Landscape“ mit aufgelösten Landschaften, die der infornellen Malerei ähneln, werden die Motive bewusst eliminiert.

Geradezu abstrakte Muster weisen die Apfelplantagen oder die durch eine zugefrorene Scheibe fotografierten Bäume auf. Zeichencharakter haben ebenso die Sandkörner in Meeresbildern und die filigranen Wellenstrukturen der millimeterkleinen Mikro-Wellen, die feine Energien aussenden.

Die Fotografien gehen weg vom Abbildcharakter hin zum Grafischen und schaffen neue Wahrnehmungen und Sichtweisen. Jedes Motiv hat zwar seinen optischen Hintergrund, wird aber soweit reduziert, dass nur noch eine zeichenhafte Botschaft übrig bleibt.

In der dritten Serie „Blind Eyes“ zeigt Hofsäss Porträtfotografien, die im Treppenaufgang hängen. Bei den Porträtierten fällt auf, dass sie mit geschlossenen Augen fotografiert wurden, wobei der Mann hinter der Kamera auf den Moment der richtigen Pose wartet. Es sind also ganz besondere Menschenstudien und seelische Innenschauen.

Museum als „Schatz“

Die von Peter Geisler und David Glenn auf historischen Klarinetten aus dem Museum gespielten Stücke aus Mozarts „Zauberflöte“ griff Bürgermeisterin Simone Penner in ihrer Begrüßung auf. Es sei fast „Zauberei“, was in diesem Museum geschehe. Zur Neugestaltung meinte sie: „Was haben wir hier für einen tollen Schatz, der viele Überraschungen bereit hält.“ Dass das Leben im Museum weiter gehe, dafür dankte Penner der neuen Museumsleiterin und Claudia Röder von der Tourist-Info mit einer Rose aus ihrem Garten.

Die Ausstellung im Heimat- und Keramikmuseum Kandern kann bis zum 31. August donnerstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 12.30 sowie 14 bis 16 Uhr besichtigt werden.

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