Kandern Die Schule hat jetzt ein Wappentier

Hätte es noch eines Beweises für die Beliebtheit von Ursula Ganzke als Leiterin der August-Macke-Schule bedurft, wäre ihre Verabschiedung gestern sicherlich ein solcher gewesen. Die ganze Schule hatte sich ins Zeug gelegt, um sie noch einmal zu überraschen. Und die Rektorin, die heute ihren letzten Schultag hat, war sichtlich gerührt.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Den ganzen Schulhof nahmen die Schüler für ihre sorgfältig einstudierten Tanzeinlagen in Beschlag, mit denen sie Ganzke überraschten. Fünf hochgehaltene Pappschilder machten deutlich, was sie ihrer Rektorin noch sagen wollten: „Danke“.

Ganzke beobachtete das Spektakel von ihrem Bürofenster aus, wo sie – wie die beiden Drohnen, die über der tanzenden Schülerschar kreisten – einen hervorragenden Überblick hatte.

Schließlich kam die Hauptperson nach unten auf den Schulhof, wo Franka Fingerlin und Hannah Fritz aus der 9 b im Namen aller Schüler ein paar Worte an die scheidende Rektorin richteten. Sie habe immer ihr Bestes gegeben, sagten die beiden und bedankten sich dafür, dass sie auch während der schwierigen Homeschooling-Zeit stets ein offenes Ohr für Probleme und Verbesserungsvorschläge hatte.

Eine hintergründige Überraschung hatte das Kollegium vorbereitet. Mit Verzögerung bekam Ganzke das einst von ihr geforderte Wappentier für die Schule doch noch – eine Kuh. Im Kleinformat für Zuhause und in Originalgröße für den Schulhof, wo daraus ein Kunstprojekt entstehen soll, wie Lehrer Mike Pelt berichtete. Dazu gab es ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love Milch“ und ein Gutschein für ein Kuh-Tattoo auf dem Rücken.

Die Geschichte dahinter ist schnell erzählt: Im Jahr 2005 brannte der Hof Dreher in Hammerstein ab. Die August-Macke-Schule sammelte so viel Geld, dass sie dem Hof eine lebendige Kuh übergeben konnte. Wie sich später herausstellte, hatte das auf den Namen Amacka getaufte Tier am selben Tag Geburtstag wie Ursula Ganzke. Im Gegenzug bekam das Kollegium ein Jahr lang einen Liter Milch von dem Bauernhof – und eine tolle Party soll es auch gegeben haben, wie man hört.

Auf den überraschenden Teil der Verabschiedung folgte der geplante durch das Schulamt. Mit Schulamtsdirektor Helios Scherer übernahm ein alter Bekannter von Ganzke die Laudatio. Die beiden hatten zusammen schon das zweite Staatsexamen erworben.

Scherer beschrieb Ganzke als verlässliche Schulleiterin mit Herz und Verstand, als wahrhafte Pädagogin mit Sinn für gesellschaftliche Entwicklungen und naturwissenschaftlichem Verständnis. Dabei sei sie gestaltungsfreudig und urteilssicher und habe den Dienst an und für die Gemeinschaft stets im Blick. Ganzke habe keine Umstände gescheut, um die Schule voranzubringen, lobte Scherer.

Das zweite Staatsexamen habe sie mit Auszeichnung bestanden, erinnerte sich der ehemalige Kommilitone. Überhaupt zögen sich lobende Beurteilungen durch ihr Berufsleben.

Bevor Ganzke im September 1995 nach Kandern kam, unterrichtete sie an der Grund- und Hauptschule in Haagen. Die Leitung der August-Macke-Schule übernahm sie im August 2013, nachdem sie zuvor bereits Konrektorin gewesen war.

Auf Wunsch der scheidenden Rektorin hielt Bürgermeisterin Simone Penner noch einmal dieselbe persönliche Rede wie bei der Verabschiedung im Gemeinderat (wir haben berichtet). „Die Stadt steht hinter dieser Schule“, versicherte sie den anwesenden Gästen, „und ist dabei, wenn es darum geht, sie weiter zu gestalten“.

„Ohne den Schulträger läuft nichts“, betonte Ganzke die Bedeutung der Stadt für die Gemeinschaftsschule. Darüber hinaus lobte sie ihren „Lieblingsarchitekten“ Bernd Brohammer, der seit Jahren mit dem Umbau des Gebäudes befasst ist.

Ganzkes Dank galt darüber hinaus dem tollen Kollegium, in dem jeder seine Stärken habe, dem Elternbeirat, der sie immer unterstützt habe, sowie dem Hausmeister Andreas Meindl. „Wir haben richtig viel gerissen hier“, so die Rektorin.

Im Namen des Kollegiums betonten Andreas Wittmann und Birgit Oswald die immer „offene Tür“, die Ganzke für alle hatte, ihr hohes Maß an pädagogischem Sachverstand, ihr Stehvermögen und Verhandlungsgeschick. Und weil sie immer über den Horizont geschaut habe, gab es zum Abschied einen Gutschein für sie und ihren Ehemann für eine Luftschifffahrt.

Die Lehrer Friedrich Renkert und Daniel Kiefer umrahmten den Festakt musikalisch. Nach „I did it my way“ hätte sich die ohnehin schon sichtlich bewegte Schulleiterin eigentlich etwas Fröhliches gewünscht. Ein Wunsch, der ihr auch erfüllt wurde, aber zunächst hieß es noch „Time to say goodbye“.

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