Kandern „Die Schule muss passend gemacht werden“

Bei der Diskussion: (v. l.) Elisabeth Kurtenbach-Sepp, Norbert Fisel, Petra Brombacher-Vollmer und Bürgermeister Christian Renkert Foto: Weiler Zeitung

Kandern (ag). Mit neun Personen war das sachkundige Podium zum Thema „Inklusive Schule“ stark besetzt. Und so kamen die einzelnen Redner am Ende nicht oft zu Wort. Das war nicht weiter schlimm, weil man sich weitgehend einig war und ohnehin kaum Diskussionsbedarf bestand. Neue Aspekte brachten die Redner allemal in das Gespräch mit ein, das von Kreisrätin Gabriele Weber moderiert wurde.

Der Weg zur Inklusion sei nicht immer ohne Steine, führte die Moderatorin in das Thema ein. Er werde aber immer besser geebnet, sollte trittsicher und mit Wegweisern ausgestattet sein.

Schulleiterin Petra Brombacher-Vollmer berichtete von den ersten Erfahrungen an der Grundschule Tannenkirch, wo derzeit sechs Schüler mit körperlichen und geistigen Behinderungen zu einer ersten Klasse mit 21 Schülern gehören.

Bürgermeister Christian Renkert beschrieb die Einführung der inklusiven Grundschulklasse in Tannenkirch als logischen Lückenschluss zwischen der bereits bestehenden Inklusion im Kindergarten Tannenkirch und der Gemeinschaftsschule, die die jetzigen Erstklässler vielleicht einmal aufnehmen wird. Er wünschte sich Rahmenbedingungen, unter denen das Projekt gelingen kann.

„Wir Sonderschulpädagogen haben gelernt, sehr behutsam mit Schülern umzugehen und sehr kleinteilig zu denken“, erklärte Norbert Fisel von der Helen-Keller-Schule in Maulburg. In der Regelschule herrsche jedoch ein anderes Tempo, da müssten Sonderschulpädagogen, die inklusive Klassen mitbetreuen, schon umdenken. Fisel äußerte die Hoffnung, dass auch Sonderschulen als Alternative bestehen bleiben.

Man sollte das umsetzen, was für den jeweiligen jungen Menschen das Richtige ist, fand auch Waltraud Hermann vom Landratsamt Lörrach. Sie sprach sich für Gruppenlösungen an Regelschulen aus, wodurch auch eine Assistenzkraft für körperlich behinderte Kinder finanzierbar würde.

„Wer Beeinträchtigungen hat, hat auch Rechte diese auszugleichen“, betonte Schulrätin Barbara Walz. Dies müsse man stärker vermitteln, lautete ihr Fazit, beruhend auf Erfahrungen aus ihrer Berufspraxis.

Dass eine Gruppenlösung im ländlichen Raum schwierig werden könnte, merkte Helmut Rüdlin vom Staatlichen Schulamt an. Er plädierte dafür, mit der richtigen Einstellung an die Aufgabe heranzugehen. „Nicht die Schüler müssten sich anpassen, die Schule muss passend gemacht werden“, erklärte er.

In erster Linie gehe es um die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung. Gemeinsam müsse man dafür sorgen, ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Dabei hatte Rüdlin auch die Berufsausbildung im Auge, die viel zu häufig noch in Sondereinrichtungen stattfinde.

Norbert Zeller pflichtete ihm bei: „Es geht nicht nur um Kinder. Es gibt auch Eltern und Kollegen, die körperbehindert sind.“ Auch an beruflichen Schulen solle deshalb ein sonderpädagogischer Dienst eingerichtet werden.

Christoph Bayer wünschte sich abschließend, dass inklusives Denken im Kultusministerium langfristig fest verankert bleibt.

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