Kandern Ein Leben fürs Theater

Brennt auch mit 80 für die Kultur: Dieter Bitterli Foto: zVg

Kandern-Riedlingen - „Ich bin zum Nachdenker über die Zeit geworden“, sagt Dieter Bitterli mit feinem Lächeln wenige Tage vor seinem heutigen 80. Geburtstag. Dazu stellt er sich die philosophische Frage: „Was ist der Nährstoff des Erreichten?“

Theater im Hof dank bester Vernetzung

Dieter Bitterli wurde am 4. Mai 1941 im Schweizerischen Langenthal geboren. Das kreative Wirken des renommierten, kosmopolitischen Regisseurs, Theaterintendanten und Professors für Schauspielkunst detailliert vorzustellen, würde Seiten füllen. Untrennbar verknüpft ist sein Name und der seiner Frau, der aus Müllheim stammenden Regisseurin und Theaterleiterin Dorothea Koelbing Bitterli, mit dem Theater im Hof in Riedlingen. Der gleichnamige Theaterförderverein wurde 1996 unter seinem Vorsitz gegründet.

Domizil war und ist das atmosphärisch einmalige Ambiente des Innenhofs eines bäuerlichen Anwesens in der Dorfmitte – unter den Ästen der mächtigen Kastanie. Bitterli und seine Frau holen dank bester Vernetzung im Kulturbereich Größen der Schauspielkunst ins beschauliche Kandertal: darunter Angela Winkler, Jürg Kienberger, Bruno Ganz, Heinz Bennent und dessen Sohn David oder Charakterdarsteller Mathias Noack.

Bitterli präsentiert seinem treuen und hingerissenen Publikum immer wieder Kleinodien der Regie- und Schauspielzunft: herausfordernd, sinnlich, intellektuell und originell. Die Musik spielt in der sommerlichen Theaterreihe stets eine große Rolle, sei es in genreübergreifenden Produktionen oder in Konzerten, wobei Musiker und Instrumente auch mal mitten in den Ästen der stolzen Kastanie Platz nehmen und mit experimentellen Klangcollagen beeindrucken.

Bildende Künstler wie Jürgen Brodwolf oder Johannes Beyerle werden ebenso Teil von Inszenierungen. Es gibt Lesungen, nicht zu vergessen das charmante Programm für die Kleinsten.

Neue Räume, Spielweisen und Spielorte ausgelotet

Dieter Bitterli spielt und inszeniert stets mit Herzblut. Er taucht in Stoffe der Weltliteratur ein, bearbeitet Lorca oder Shakespeare, präsentiert Balladen deutschsprachiger Dichter, beeindruckt sein Publikum mit Eigenproduktionen wie Georg Büchners „Lenz“ oder liest aus den Briefen von Vincent van Gogh. Bitterli liebt es, neue Räume, Spielweisen und Spielorte auszuloten.

Schon früher zeigte er Theater in ungewöhnlicher Umgebung, draußen, in Fabriken, oder Gerichtssälen. Vor Ort bespielte er die Wolfsschlucht, sorgte mit einer aufwendigen Schauspiel-Film-Klang-Collage für viel Beachtung. „Das Thema Verwandlung, Erweiterung von Erfahrungen und Kommunikation mit dem Publikum beschäftigt mich schon lange – privat und beruflich.“ Und so ist ihm auch das Geburtstagsdatum Anlass zur Reflexion.

Dieter Bitterli wohnte mit seiner Frau in Zürich – zumindest ihre Möbel standen dort. Denn unstet war das Leben beider, mit ständigem Pendeln im deutschsprachigen Raum. Ein Zuhause auf dem Land war eine Idee, an die beide eigentlich nur halbherzig glaubten. Doch mit dem Angebot, das Riedlinger Anwesen kaufen zu können, fiel 1989 eine Lebensentscheidung. Genau zu diesem Zeitpunkt ereilte ihn zudem der Ruf an die Hochschule der Künste in Berlin.

Das renovierungsbedürftige Anwesen in Riedlingen stellte Ansprüche an seine neuen Besitzer. „Im Theater arbeitet man ja stets mit Veränderbarem, Vagem, das weckt zuweilen auch die Sehnsucht nach Konkretem.“ Und so beglückten ihn das genaue Maßnehmen, passgenaues Handwerken, erinnert sich Bitterli amüsiert.

Mit Leidenschaft verwandelte das Ehepaar Haus und Hof in das Kleinod, das es heute ist. „Schon als ich 1988 das erste mal diesen Hof betreten hatte, dachte ich: Da muss man Theater machen. Ich spüre an diesem Ort noch heute eine magische Präsenz.“

Einer allerersten Autorenlesung 1993 – noch vor Vereinsgründung – lauschten etwa sieben Freunde. Die erste Produktion „Hebels Schatten“ inklusive Minestrone unter der Kastanie sahen bereits 100 Menschen. „Von Anfang an hatten wir eine erstaunlich gute Resonanz.“ Seit nunmehr 29 Jahren sind die Theaterabende so gut wie immer ausverkauft. Auch dadurch, dass seine Frau lange Zeit das Tanz- und Theaterprogramm der Kaserne Basel geleitet hatte, bestanden beste Kontakte zu Schauspielern aus dem Basler Raum, die gerne nach Riedlingen kamen. „Unser Geheimnis ist wohl auch, dass wie kein Programm-Schema haben, sondern nur das zeigen und spielen, was uns gefällt – experimentierfreudig und völlig offen.“ Die Menschen hätten Vertrauen in das, was sie zeigten, auch wenn es oftmals anspruchsvolle Stoffe waren und sind, die mit dem Vorurteil kämpfen müssen: Das sieht sich doch eh keiner an. Tut es aber!

Hoftheaterreihe im Sommer geplant

Bitterli möchte weitermachen. Er hofft, dass im Sommer die Hoftheaterreihe stattfinden kann, an der schon intensiv geplant wird.

Privat bedauert er, seinen Geburtstag nicht richtig feiern zu können. „Wir werden das sicher nachholen.“ Denn solche Feste haben für ihn inzwischen einen besonderen Wert: gemeinsam das Leben und die Freundschaft spüren.

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