Kandern Ein Ritter erzählt seine Familiengeschichte

Seit einigen Jahren sind sie ein fester Bestandteil im Terminkalender der Stadt Kandern: Die historischen Führungen mit dem Schauspieler Wigand Neumann als Markgraf Wilhelm von Hachberg-Sausenberg zur Sausenburg oberhalb von Sitzenkirch. Diese Woche hatten sich rund 20 Interessierte eingefunden, um der Geschichte des Ritters zu lauschen.

Von Alexandra Günzschel

Kandern-Sitzenkirch. Los ging es beim Waldparkplatz Lindenbückle zwischen Vogelbach und Käsacker in Malsburg-Marzell. Schon nach ein paar Schritten stellte sich der Ritter seinem Publikum vor, der soeben das Erbe seines bekannten Vaters angetreten hatte. „Ich freue mich schon auf einen Lebensstil in großer Verschwendung“, bekannte der Ritter, der im 15. Jahrhundert lebte. Und man ahnte schon, dass daraus wohl nichts werden würde.

An den nächsten Stationen auf dem Weg zur Burg durch den Wald lernten die Teilnehmer zunächst viel über die Ahnengeschichte des stolzen Markgrafen. Sie erfuhren, dass es Hermann I. war, der im 13. Jahrhundert die neue Linie Baden-Hachberg gründete. Schon sein Sohn, Hermann II., durfte sich dann „Markgraf von Hachberg“ nennen.

„Ich frag dich gleich ab“, scherzte ein Teilnehmer der Führung mit einem Freund. Denn bei den ganzen Hachbergern und ihren Stammbäumen konnte einem schon mal der Schädel brummen.

Den Sausenberg erwarb die Familie im Jahr 1232 durch einen Tausch mit dem Kloster St. Blasien. Und weil das Privileg des Burgenbaus seinerzeit längst aufgeweicht war, konnten die Hachberger bald loslegen mit dem Bau ihrer Sausenburg, der nach 14 Jahren – im Jahr 1246 – abgeschlossen werden konnte.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts schließlich begründete Rudolf I. die Seitenlinie der Hachberg-Sausenberger, der auch Wilhelm angehörte.

Nach einem Exkurs über die für die Schweiz bedeutende Schlacht bei Sempach am 9. Juli 1386, „ein heißer Tag, an dem viele Ritter in ihren schweren Rüstungen erstickten“, widmete sich der Markgraf wieder dem alltäglichen Leben seiner Vorfahren.

„Lehre und Ausbildung begannen bereits nach dem siebten Lebensjahr“, wusste der Schauspieler zu berichten. Verheiratet wurde der Stammhalter der Sausenburg mit neun Jahren. Die Verbindung mit Agnes, der Tochter des Otto von Rötteln, legte den Grundstein für den Aufstieg der Familie.

Der Markgraf fragte sich, was sich die Kinder in der Hochzeitsnacht wohl erzählt haben mögen, während einige Eltern aus der Runde diese Information zum Anlass nahmen, mit ihren achtjährigen Kindern über deren baldige Heirat zu scherzen.

Bewachsener Turm leuchtet im Abendlicht

Schließlich hatte man den Aufstieg zur Burgruine geschafft, wo der grün bewachsene Turm wie zur Begrüßung der Gruppe im Abendlicht leuchtete.

Hier – inmitten der alten Mauern – erfuhren die Teilnehmer mehr über den Burgenbau, eine saisonale Baustelle, für die das Material aus einem nahe gelegnen Steinbruch mühsam herangeschleppt werden musste, sie erfuhren von der einsetzenden Landflucht der bäuerlichen Bevölkerung, die dazu geführt habe, dass viele Ritter selbst hinter dem Pflug hergehen mussten. Markgraf Wilhelm illustrierte diesen Umstand anschaulich mit seinem Rückenleiden.

Modische Trends beim Burgenbau

Selbstverständlich gab es auch architektonische Modetrends im Mittelalter, weshalb die Sausenburg den Grundriss der Burg von Zähringen widerspiegelt. Der Bergfried mit Hocheingang, der unbewohnte Hauptturm einer mittelalterlichen Burg, war, wie Wilhelm berichtete, der letzte Zufluchtsort im Kriegsfall, aber auch ein sicheres Lager für Wertsachen.

Auch für die Teilnehmer der Führung blieb der Bergfried dieses Mal verschlossen. Denn im Turm finden derzeit Reparaturarbeiten statt, da die Treppe sich als baufällig erwiesen hat.

In Saus und Braus lebte die Markgrafenfamilie wohl nicht, auch das machte der Ritter deutlich. Er sprach von Gestank, Kälte und Langeweile, von Nahrungsmangel und Betten, die sich die ganze Familie teilte – wenn nötig auch noch mit Gästen.

Markgraf Wilhelm von Hachberg-Sausenberg hatte kein Glück mit seinem Erbe. Im Gegensatz zu seinem Vater, Rudolf III., der mit 41 Jahren in Rötteln die Alleinherrschaft übernahm und dort nachhaltige Spuren hinterließ, blieben für ihn nur ein Berg von Schulden, als der Vater 1428 starb.

Besser erging es da wieder seinem Sohn, Rudolf IV. Durch eine Schenkung seines Onkels Johann, der letzte der Grafen von Freiburg, kam es zum Zusammenschluss der Herrschaft Rötteln, der Landgrafschaft Sausenburg und der Herrschaft Badenweiler. So entstand am 8. September 1444 das Markgräflerland.

Als die Teilnehmer der Führung davon erfuhren, hatten sie schon wieder den Parkplatz Lindenbückle im Blick und eine zweistündige lehrreiche sowie unterhaltsame Runde um die Sausenburg gedreht.

Wilhelm von Hachberg-Sausenberg starb 15. August 1482 im Alter von 76 Jahren. Wigand Neumann ließ ihn zum Abschied noch einmal wehmütig in Richtung seiner Burg blicken.

Die nächsten Führungen finden an den Dienstagen, 15., 22. und 29. September, statt. Treffpunkt ist jeweils um 18 Uhr am Parkplatz Linden­bückle in Vogelbach (Malsburg-Marzell). Die Führung dauert zwei Stunden. Erwachsene zahlen 20 Euro pro Person, Kinder ab 13 Jahre zehn Euro.

Eine Anmeldung ist erforderlich bei Tourist-Information Kandern, Tel. 07626/ 972356, E-Mail: verkehrsamt@kandern.de.

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