Kandern „Ein Verlust für den Gemeinderat“

Kandern - Die Ankündigung von Kaja Wohlschlegel, den Kanderner Gemeinderat zu verlassen und ihr Amt als Fraktionssprecherin der Freien Wähler niederzulegen (wir berichteten gestern), stößt quer durch die Fraktionen auf Bedauern. Für die Freien Wähler gilt es zudem, einen Nachfolger für die 47-Jährige zu finden.

Wohlschlegel hatte nach der gegen Simone Penner verlorenen Bürgermeisterwahl zunächst im Gemeinderat weiterarbeiten wollen. Nachdem in den Wochen nach der Wahl aber immer mehr unschöne Details aus dem Wahlkampf ans Licht gekommen seien, habe sie keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit Penner gesehen.

Freie Wähler

„Wir bedauern die Entscheidung von Kaja Wohlschlegel sehr“, sagt Johann Albrecht von den Freien Wählern. Sie sei als Fraktionssprecherin sehr wertvoll gewesen und habe mit ihren Ideen und ihrem Engagement die Arbeit im Gemeinderat bereichert. Ihr Rücktritt bedeute einen Verlust.

Zugleich aber hat Albrecht Verständnis für Wohlschlegels Entscheidung. „Sie hat uns Anfang dieser Woche über ihren Entschluss unterrichtet, ehe sie die Verwaltung darüber informiert hat“, sagt Albrecht.

Nun gilt es für die Freien Wähler, einen Nachfolger als Fraktionssprecher und als Vertreter in den Kanderner Ausschüssen sowie den verschiedenen Arbeitsgruppen zu suchen. Das sei in Corona-Zeiten durchaus erschwert, da man sich nicht treffen könne, sondern vieles über E-Mails läuft. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden Wochen einen Nachfolger finden werden“, ist Albrecht überzeugt.

CDU/Unabhängige

„Sehr überrascht“ zeigt sich Daniela Schmiederer (CDU/Unabhängige). Auch sie findet es „sehr schade“, dass Wohlschlegel aufhört. Die genauen Umstände würden dies zu einem schwierigen Thema machen, bei dem sie sich nicht zu weit mit einer Beurteilung aus dem Fenster lehnen wolle. Sie selbst sei zwar erst seit dem vergangenen Jahr im Gemeinderat, habe aber immer gerne mit Wohlschlegel zusammengearbeitet. „Sie hat viele Impulse gegeben“, sagt sie mit Blick auf Wohlschlegels Arbeit im Gemeinderat. Es wäre wünschenswert gewesen, dass sie weitergemacht hätte, gleichwohl gelte es, Wohlschlegels Entscheidung zu respektieren. Auch der Umstand, dass Wohlschlegel bei der Kommunalwahl zweimal Stimmenkönigin war, zeige ihre Beliebtheit.

SPD

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Weber beurteilt die Zusammenarbeit mit Wohlschlegel über die vielen Jahre als sehr positiv. „Das wusste sie auch, denn ich habe es ihr immer wieder gesagt und werde es ihr wieder sagen“, legt sie dar. Auch von Fraktionssprecherin zu Fraktionssprecherin sei der Austausch immer konstruktiv und gut gewesen. Wohlschlegels Entscheidung zu beurteilen, stehe ihr, Weber, nicht zu.

Weber gehört dem Kanderner Gemeinderat als dienstältestes Mitglied seit dem Jahr 1989 an. Sie habe in dieser Zeit auch mehrere Bürgermeisterwahlen erlebt, sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Weber sei irritiert von dem Wort „Zickenkrieg“, das Wohlschlegel im Gespräch mit unserer Zeitung gebraucht hat. Letztere hatte gesagt, im Falle ihrer Weiterarbeit würde „jede Kritik zum Zickenkrieg aufgebauscht, die Sache bliebe auf der Strecke.“ Weber meint dazu: „Wenn ich beobachte, wie Frauen nicht nur in der Kommunalpolitik seit Jahrzehnten engagiert und sachbezogen tätig sind, bin ich über diese Wortwahl etwas irritiert.“ Sie habe sich gewünscht, dass Wohlschlegel ihre Arbeit im Gemeinderat fortsetzt, da ihr Kandern und die Ortsteile stets am Herzen lagen und sie viele Ideen eingebracht habe.

Bürgermeisterin Simone Penner (parteilos), die im Wahlkampf von der SPD unterstützt wurde, war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bündnis 90/Die Grünen

Andrea Schammler, Fraktionssprecherin der Grünen im Kanderner Gemeinderat, war gestern von unserer Zeitung für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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