Kandern Eine Frau von großer innerer Kraft

Jürgen Scharf
Emotional beschreibt die Münchner Autorin Margret Greiner das Leben von Elisabeth Erdmann-Macke. Foto: Jürgen Scharf

Im Theater im Hof legt die Autorin Margret Greiner bei ihrer Lesung aus der Romanbiografie über Elisabeth Erdmann-Macke den Schwerpunkt auf Kanderner Episoden.

Von Jürgen Scharf

Kandern-Riedlingen. Die Frau an seiner Seite: Nein, dieses Klischee bedient die Münchner Autorin Margret Greiner nicht, wenn sie über die Ehefrau von August Macke schreibt. Sie stellt Elisabeth Erdmann-Macke nicht nur als Gattin, Modell und Muse vor, sondern als Künstlerfrau von großer innerer Kraft. Eine Frau, die nicht aufgibt, kämpferisch ist, schriftstellerisch und als Kunstgewerblerin arbeitet, Klavier spielt, Bücher mit Erinnerungen an August Macke verfasst.

Schon der Buchtitel weist in diese Richtung: „Mutig und stark alles erwarten“. Es geht um Elisabeth Erdmann- Mackes Leben für die Kunst. Schließlich wurde sie fast 90 Jahre alt, lebte bis 1978, während ihr Mann, der Maler August Macke, schon 1914 im Krieg gefallen ist. In diesem Jahr war die Familie Macke noch in Kandern zu Besuch, wo die Schwester des Künstlers lebte.

Margret Greiner hat sich für ihre neu erschienene 350-seitige Abhandlung ganz auf die Figur Elisabeth konzentriert, auf ihr Leben, ihr Wesen. Elisabeth Macke muss eine enorm schöne Frau gewesen sein und es muss sie mit August Macke eine heftige und leidenschaftliche Jugendliebe verbunden haben. 1903 haben sich die beiden kennengelernt, 1909 geheiratet.

Natürlich spielt Elisabeth Macke als Ehefrau des berühmten Malers im Buch eine große und entscheidende Rolle, aber die Autorin hat doch das ganze Leben dieser selbstbewussten Frau im Blick gehabt. Sie hat viele Verluste erleben müssen, den Tod ihrer beiden Männer und ihres ältesten Sohnes. Ihr zweiter Mann, der Publizist Lothar Erdmann, wurde von den Nazis gefoltert und im KZ ermordet.

1000 Seiten Material

Für ihre Romanbiografie, die sie während des Lockdowns recherchiert hat, konnte die Autorin auf 1000 Seiten Tagebucheinträge und Briefstellen von Elisabeth Erdmann-Macke zurückgreifen – eine Überfülle an Material. Und emotional nicht einfach, so ein Leben mit schweren Schicksalsschlägen darzustellen.

Für das Riedlinger Publikum bereitete Margret Greiner Lesestellen vor, die in Kandern spielen. Einmal ging es um die Ausmalung der „Krone“; in einem anderen Kapitel („Muss selbst den Weg mir weisen“) beschreibt die Autorin die Ankunft von Elisabeth mit ihrem jüngsten Sohn im Juli 1944 in Kandern: „Wegen der vielen Evakuierungen war die Wohnungsnot groß, aber Klaus fand eine Lehrstelle in der Töpferwerkstatt Hakenjos und Elisabeth eine Bleibe in der Hinteren Mühle bei Frau Kammmüller-Grether, der sie die Miete mit Hilfe im Haushalt bezahlte.“

Greiner beschreibt anschaulich, dass Schwiegertochter Gisela, die nachkam, ebenso wie Klaus Verteidigungsgräben ausheben musste, da die grenznahe Stadt Kandern täglich von Tieffliegern angegriffen wurde. Wie anders hatten doch August und Elisabeth Macke bei ihren früheren Besuchen „dieses herrliche Kandern“ erlebt! Jetzt flogen Bomber über den Ort.

Die Autorin, die zum dritten Mal mit einer ihrer Frauen-Biografien im Hof zu Gast war, liest auffälligerweise im Stehen, in direktem Kontakt zum Publikum, mit kleinen Zwischenbemerkungen und Erläuterungen – nur so viel, dass die Texte wirken. Sie kennt Kandern von Besuchen, ist den schönen Macke-Weg gegangen.

Die Zeit mit August Macke nimmt einen Großteil des Buches ein, denn dafür ist Elisabeth berühmt, schließlich hat er sie unzählige Male porträtiert. Zwar ist die Autorin der alten Dame nicht mehr persönlich begegnet, aber sie charakterisiert authentisch und einfühlsam, wie diese außergewöhnliche Frau in der Kunstszene um 1910 die ganze damalige Avantgarde, Marc, Kandinsky, Münter, Klee und die Gruppe des Blauen Reiters, kennenlernt.

Margret Greiners Biografie ist keine wissenschaftliche, sondern eine literarische, mit Szenen, Dialogen, Tableaus, einer lebendigen und sehr farbigen Ausgestaltung.

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