Kandern „Eines der feierlichsten Geläute“

Alexandra Günzschel
In der Wollbacher Kirche wurde dieser Tage ein besonderes Jubiläum gefeiert. Foto: Alexandra Günzschel

„Glocken gehören zu uns, zu unserer Kultur und Tradition. Ihr Läuten hat eine besondere Bedeutung. Wenn Glocken läuten, dann wollen sie uns etwas sagen.“ Mit diesen Worten würdigte Pfarrer Werner Häffner das Jubiläum der drei Kirchenglocken, die vor 100 Jahren eingeweiht wurden, bei einer kleinen Feierstunde in der voll besetzten Wollbacher Kirche.

Von Alexandra Günzschel

Kandern-Wollbach. Die neuen Glocken waren aus Stahl. Wie überall hatten die zuvor beliebten Bronzeglocken im Ersten Weltkrieg auch in Wollbach die Begehrlichkeiten des Militärs geweckt. Sie wurden zu Kanonen umgegossen. Nur eine Bronzeglocke war übrig geblieben. Sie wurde im Jahr 1922 nach Nordbaden verkauft.

Chronologie der Ereignisse

Der Wollbacher Bürgerausschuss beschloss schließlich die Anschaffung eines großen Stahlgeläuts, wie auch Steinen eines hatte. Den Auftrag erhielt der „Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation“.

Ende Juli 1922 kamen die drei Stahlglocken in Eimeldingen am Bahnhof an. Ein ganzer Tross aus dem Dorf setzte sich mit geschmückten Wagen in Bewegung, um sie dort abzuholen. Am 1. August wurden die Glocken im Turm eingebaut, am 3. August folgte das erste Probeläuten, bevor am 5. August die kirchliche Indienststellung schließlich groß gefeiert wurde. Die ganze Gemeinde sei auf den Beinen gewesen, heißt es in Berichten. Es gab Grußworte und musikalische Beiträge, bevor die Glocken einzeln geläutet und so der Gemeinde vorgestellt wurden.

Rückblick nach 100 Jahren

„Damals hat man von Weitem noch auf den Kirchturm geschaut, um zu wissen, was die Uhr geschlagen hat und obendrauf die Windrichtung zur Kenntnis genommen mit Vermutungen oder Deutungen auf das bevorstehende Wetter, hatte doch zu jener Zeit fast jeder Dorfbewohner noch einen direkten Bezug zur Landwirtschaft“, blickte Ortsvorsteher Max Sütterlin beim Jubiläumsgottesdienst zurück. Es sei nicht verwunderlich, dass Zeitgenossen beim ersten Läuten der drei neuen Glocken am 3. August 1922 mit Stolz zu dem Urteil gekommen sind: „Wir besitzen eines der schönsten und feierlichsten Geläute in der Gegend.“

Zur Finanzierung der Glocken sei „die Opferwilligkeit der Wollbacher durch die relativ schnelle Lieferung auf eine harte Probe gestellt worden“, zitierte Sütterlin aus der Ortschronik und bemerkte: „Auch heute kann man feststellen, dass besagte Opferwilligkeit unserer Dorfbewohner nach wie vor groß ist.“ Dies zeigte sich dem Ortsvorsteher zufolge auch durch die Mitwirkung der Vereine am Jubiläumsgottesdienst. Eingangs sangen Kinder der „Kinderkirche“ zur Klavierbegleitung durch Felix Gerwig. Am Ausgang gab es bemalte Papier-Glocken für die Gottesdienstbesucher, und der Frauenverein Wollbach steuerte Selbstgebackenes in Glockenform bei.

Sütterlin hoffte, dass den Wollbacher Glocken keine Gefahr – etwa durch das Einschmelzen zu Kanonen – mehr droht. „In diesem Sinne lasst uns den Schlag unserer drei Glocken eine Mahnung sein für Frieden, aber auch für Glauben, Liebe und – gerade in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse in der Welt – für Hoffnung“, sagte er abschließend, bevor die Glocken zur Feier des Tages erklangen.

Glocken für jeden Anlass

Das Wollbacher Glockengeläut besteht aus der kleinen Taufglocke mit dem Schlagton FIS (900 kg / 126 cm Durchmesser), der mittleren „Vater unser“-Glocke mit dem Schlagton E (1200 kg / 140 cm Durchmesser) sowie der großen Totenglocke mit dem Schlagton Cis (1800 kg / 160 cm Durchmesser).

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