Kandern Erste Hilfe aus professioneller Hand

Christophe Barreca (l.) und Arben Djokaj gehören innerhalb der Kanderner Feuerwehr den First Respondern an. Die Gruppe leistet im Notfall Erste Hilfe mit dem Feuerwehr-Einsatzwagen, bis der Rettungswagen nachkommt. Foto: Alexandra Günzschel

„Manchmal wird einem schon beim Lesen der Notfall-Adresse mulmig“, sagt Arben Djokaj. Er ist Leiter der Ersthelfergruppe bei der Kanderner Feuerwehr und damit nicht selten mit als Erster vor Ort, wenn jemand dringend Hilfe braucht. In Kandern bleibt es nicht aus, dass er den einen oder anderen Patienten kennt – für die zupackenden Ersthelfer eine besonders belastende Situation.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Seit bald 15 Jahren sind sie bei Rettungseinsätzen ein wichtiges Bindeglied. Und dennoch wissen immer noch nicht alle so genau, was sie eigentlich machen: die so genanten First Responder – 14 Männer und vier Frauen aus Kandern und Tannenkirch, eine Unterabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Kandern. Ihr ärztlicher Leiter ist seit kurzem Philipp Kienle aus Efringen-Kirchen.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Die First Responder sind Feuerwehrleute mit einer Zusatzausbildung zum Sanitäter. „Wir sind bessere Ersthelfer, die sich mehr zutrauen als andere und auch besser ausgerüstet sind“, erklärt Djokaj. Zum Einsatz kommen sie immer dann, wenn der Rettungswagen nicht sofort verfügbar ist.

Einmal alarmiert heißt es für alle verfügbaren Ersthelfer auf zum Gerätehaus nach Kandern. Dort angekommen werfen sich die ersten drei in Montur und machen sich mit dem Einsatzwagen der Führungsgruppe auf den Weg zum Notfalleinsatz. Dann leisten sie Erste Hilfe, bis der Rettungswagen kommt.

„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zum DRK“, betonen Djokaj und Christophe Barreca, stellvertretender Abteilungskommandant in Kandern-Stadt und Ersthelfer. Gerufen werden sie in der Regel zu „wirklich schweren Einsätzen“, bei denen mindestens sechs Minuten vergehen, bis der Rettungswagen nachkommt, der sich noch andernorts im Einsatz befunden hat.

Nicht ums Ego geht es, sondern um den Patienten

„Man wird routinierter“, sagen die beiden Ersthelfer. Ihre Arbeit erledigen sie vor Ort möglichst ruhig. Trifft der Rettungswagen dann ein, gibt einer aus der Gruppe den Sachstand weiter. Werden sie nicht mehr gebraucht, ziehen sich die First Responder diskret zurück. „Es geht nicht ums eigene Ego, sondern um den Patienten“, erklärt Djokaj stellvertretend für seine Gruppe.

Und dennoch sind die First Responder oft näher am Patienten und bekommen als Erste vor Ort so einiges mit. Dass das mitunter auch psychisch belastend sein kann, streiten die beiden Männer nicht ab. „Wir helfen uns gegenseitig nach einem Einsatz“, erklären sie. Auch stehe mit Michael Raab ein ausgebildeter Seelsorger in der Gruppe bereit. Gerade die vergangenen Wochen waren hart: Barreca spricht von drei verstorbenen Patienten innerhalb kurzer Zeit.

Was braucht es, um ein guter First Responder zu werden? „Man sollte keine Hemmschwelle haben, Verletzten zu helfen, und keine Angst vor Blut“, sagt Djokaj. Manchmal reicht es schon, wenn der Gruppenleiter Interessenten ein paar Fotos von Einsätzen zeigt, um einen Sinneswandel herbeizuführen. „Damit komme ich nicht klar“, sagen sie dann schnell.

Immerhin: 40 Prozent der jetzigen Gruppe ist von Anfang an – seit 14 Jahren – dabei. Drei neue Leute sind im vergangenen Jahr dazu gekommen, zwei weitere haben schon Interesse signalisiert.

Daneben ist permanente Weiterbildung gefragt. Die First Responder durchlaufen dieselbe umfangreiche Ausbildung wie Sanitäter in einem Rettungswagen. Regelmäßig werden Übungen durchgeführt. Schwierige Einsätze, wie etwa der Unfall eines Waldarbeiters bei Sitzenkirch im Februar 2017, bei dem der Notarzt mit dem Hubschrauber abgeseilt werden musste, werden hinterher noch einmal komplett durchgespielt, um beim nächsten Mal besser gewappnet zu sein. Hinzu kommen Lehrgänge zu speziellen Themen wie Rückenverletzungen, für die nicht selten eine lange Anreise notwendig ist.

34 Einsätze im vergangenen Jahr

Und manchmal wird es eben ernst: 34 Einsätze hatten die First Responder im vergangenen Jahr, 18 davon in Kandern. Die Frequenz ist dabei sehr unterschiedlich. „Vieles passiert am Wochenende“, wissen Djokaj und Barreca, die beide in der Schweiz arbeiten und deshalb werktags für Einsätze nicht zur Verfügung stehen. „Es gab auch schon einmal fünf Einsätze an einem Tag“, berichtet Barreca.

Geld bekommen die First Responder nicht für ihren Einsatz. Gibt es andere Motive, warum sie trotz aller Widrigkeiten, die dieses Ehrenamt mit sich bringt, bei der Stange bleiben? „Ein Helfersyndrom muss man schon in sich haben“, sagt Arben Djokaj, der die Tätigkeit interessant findet. „Die Fähigkeiten, die man sich erwirbt, sind auch im Alltag zu gebrauchen, etwa auf der Baustelle“, benennt Christophe Barreca eine weitere Motivation. Ans Aufhören – so viel ist klar – denken beide nicht.

 Interessenten können sich bei der Stadt Kandern melden.

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