Kandern „Es ist ständig ein schmaler Grat“

Siegfried Feuchter
In diesem Jahr kann das Pflegeheim „Wohnpark an der Kander“ seinen 20. Geburtstag feiern. Foto: Siegfried Feuchter

Seit nunmehr zwei Jahren hat die Corona-Krise die Welt fest im Griff. Gerade für Pflegeeinrichtungen ist die Pandemie eine besondere Herausforderung. Harald Preinl (62), Inhaber und Betreiber des Kanderner Pflegeheims „Wohnpark an der Kander“, hat diese schwierigen Aufgaben zusammen mit seinem Team bislang gut gemeistert. Denn sein Seniorenpflegeheim mit 55 Plätzen ist weit und breit eines der wenigen, das bislang noch keinen einzigen Corona-Fall zu verzeichnen hat.

Von Siegfried Feuchter

Kandern. Vor 30 Jahren kam Harald Preinl, der zuvor ein Pflegeheim in Kiel leitete, nach Kandern. Am 1. Januar 1992 machte er sich mit der Übernahme des „Kanderner Hof“ selbstständig. Vor zwei Jahren gab er die Einrichtung mit ihren 41 Plätzen wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive auf und konzentriert sich seither ganz auf die Leitung des Pflegeheims „Wohnpark an der Kander“, das er vor 20 Jahren eröffnet hat.

Unsere Zeitung sprach mit ihm über den Heimalltag in Pandemie-Zeiten und die damit verbundenen Herausforderungen.

Frage: Zwei Jahre Pandemie und noch kein einziger Corona-Fall in Ihrem Haus. Haben Sie bislang Glück gehabt oder ist das das Ergebnis konsequenter Vorsichtsmaßnahmen?

Da spielt beides zusammen. Ich freue mich jedenfalls, dass wir bisher das Coronavirus aus dem Heim fernhalten konnten.

Frage: Wie ist Ihnen das gelungen?

Durch testen und nochmals testen. Ich habe dazu vor eineinhalb Jahren extra eine medizinische Fachangestellte und eine Krankenschwester angestellt, die zusammen eine Vollzeitstelle ausfüllen. Außerdem setzen wir konsequent, aber mit Augenmaß die sich ständig ändernden Vorgaben des Gesundheitsamts und der Heimaufsicht um.

Frage: Wie oft wird getestet?

Alle Mitarbeiter, die geimpft und geboostert sind, müssen sich zusätzlich zwei- bis dreimal die Woche testen lassen.

Frage: Und was ist mit den ungeimpften Mitarbeitern?

Wir haben nur drei von 65, die nicht geimpft sind. Die müssen sich täglich testen lassen. Und bis zum 15. März müssen sie sich entscheiden, so hat es die Politik für die Pflegeberufe beschlossen, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Wenn nicht, dann hat das arbeitsrechtliche Konsequenzen. Das heißt, ich darf Ungeimpfte nicht mehr weiterbeschäftigen.

Frage: Sind alle Heimbewohner geimpft?

Ja und auch geboostert. Und Angehörige, die zu Besuch kommen, müssen sich selbstverständlich auch jedes Mal testen lassen. Ungeimpfte erhalten nur Einlass ins Heim, wenn sie einen PCR-Test vorweisen können.

Frage: Die Belastungen für Pflegekräfte sind zu normalen Zeiten schon hoch. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter aus?

Die ist natürlich noch um einiges höher, doch die Mitarbeiter tragen diese zusätzlichen Belastungen mit viel Verständnis mit. Es muss nicht nur den ganzen Tag mit Maske gearbeitet werden, es fehlt auch ständig Personal, da als Vorsichtsmaßnahme Mitarbeiter schon beim kleinsten Husten nach Hause geschickt werden. Solche Ausfälle müssen dann mit dem vorhandenen Personal aufgefangen und es muss stets flexibel auf kurzfristig neu entstehende Situationen reagiert werden.

Frage: Wie kommt das Heim, das in allen Bereichen einen höheren Aufwand hat, durch die Pandemie?

In der Tat ist der Sachaufwand um einiges höher. Schutzkleidung, Masken, Tests, Desinfektionsmittel und, und... Zum Glück sind wir gut aufgestellt, und ich brauchte bisher keinen Rettungsschirm in Anspruch nehmen. Auch die Personallage ist derzeit zufriedenstellend, sieht man einmal davon ab, dass es für alle Pflegeeinrichtungen immer schwieriger wird, examinierte Fachkräfte zu finden.

Frage: Wie gehen die Heimbewohner mit der Pandemie um, und wie hat sich deren Heimalltag verändert?

Es gibt große Einschränkungen. Den meisten Heimbewohnern fehlen vor allem die Angehörigen, weil die seit der Pandemie nicht mehr so oft zu Besuch kommen. Zudem dürfen Bewohner beispielsweise nicht mehr mit Besuchern auf dem Zimmer Kaffee trinken. Auch mussten wir das Veranstaltungs- und Unterhaltungsprogramm sehr stark reduzieren. Treten bei Heimbewohnern Erkältungssymptome auf, werden sie auch bei negativem Corona-Test im Zweifelsfall mit ihrer Einwilligung für drei, vier Tage isoliert. Es ist in diesen Zeiten ständig ein schmaler Grat zwischen Vorsicht walten lassen einerseits und Erhalt der Lebensqualität andererseits. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl. Bisher haben wir es aber gut hinbekommen. Zudem sind wir auch in ständigem Austausch mit dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht.

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