Kandern Für viele zum Ritual geworden

Kandern  - Während der Corona-Zwangspause sind die Balkon-Konzerte vielerorts fast schon zur Tradition geworden. Auch in Kandern: Dort fand am Sonntag das 15. und letzte Balkon-Konzert statt. Etwa 70 Besucher haben den Musikern regen Beifall gespendet.

Über die Resonanz auf die Balkon-Konzerte und darüber, dass man die Musiker in dieser Konstellation wohl nicht zum letzten Mal gehört hat, sprach unsere Zeitung mit dem Musiker und Dirigenten Thomas Wengert, der die Reihe initiiert hat.

Herr Wengert, wie kam es ursprünglich zu den Balkon-Konzerten?

Es gab Mitte März, als das öffentliche Leben im Zuge der Corona-Pandemie heruntergefahren wurde, den Aufruf, dass man am Sonntagabend, 22. März, Beethovens „Ode an die Freude“ vom Balkon herunter spielen oder singen sollte. Wir sind sechs Parteien im Haus, darunter zwei Kinder, die musizieren. Da waren alle rasch von dieser Idee begeistert.

Wie viele Mitmusiker haben Sie dann gefunden?

Die ursprüngliche Besetzung bestand aus Siegfried Geiser am Eufonium (einem tiefen Blechblasinstrument, Anmerkung der Redaktion), der neunjährigen Marie Walter an der Klarinette, dem elfjährigen Felix Walter am Bariton und mir selbst als Trompeter. Nach und nach sind weitere Musiker aus der Nachbarschaft dazugekommen: der Trompeter Ben Brock, Susi Schwald am Flügelhorn, ihre elfjährige Tochter Luisa Schwald mit ihrem Akkordeon sowie die neunjährige Sinja Bieselin (Klarinette) und die zehnjährige Mia Schneider, ebenfalls an der Klarinette.

Bei der „Ode an die Freude“ ist es dann nicht geblieben. Wie viele Stücke umfasst das Repertoire?

Wir haben nach und nach einen Fundus von 15 Stücken einstudiert, sodass die Konzerte zum Schluss bis zu 40 Minuten gedauert haben. Das Spektrum reichte von Frühjahrsliedern wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Im Märzen der Bauer“ bis zu „Amazing Grace“. Zum Abschluss habe ich ein Trompetensolo mit Louis Armstrongs „What a Wonderful World“ oder „Hello Dolly“ gespielt.

Wie lief das organisatorisch unter den Corona-Bedingungen ab?

Vieles ging auf digitalem Weg. Die Noten, die ich für die Kinder geschrieben habe, konnte ich etwa als PDF-Dateien verschicken.

Die Zahl der Musiker ist also stetig gewachsen. Wie war der Publikumszuspruch?

Sehr gut. Es kamen mit jeder Woche mehr Zuhörer. Ein Bekannter von mir kam mit seinen Eltern vorbei, damit diese mal wieder „aus dem Bau kommen“, wie er wörtlich sagte. Beim Abschlusskonzert am Sonntag kamen etwa 60 oder 70 Zuhörer, die sich auf dem Penny-Parkplatz unter unserem Balkon einfanden. Da war auch das Abstand halten kein Problem.

Gab es auch Rückmeldungen der Besucher nach den Konzerten?

Ja, gerade nach dem letzten Konzert haben viele uns gesagt, dass der Besuch schon ein wöchentliches Ritual geworden war, auf das sie sich immer freuten. Vereinzelt gab es als Dank an uns Musiker auch Geldspenden sowie Geschenke wie etwa eine Flasche Wein. Das Geld werden wir dazu verwenden, mit unseren jungen Musikern Eis- oder Pizzaessen zu gehen.

Die Reihe der Balkonkonzerte ist jetzt zu Ende. Heißt das auch, dass das Musizieren in dieser Besetzung vorbei ist?

Nein, wir haben uns so gut zusammengefunden, dass wir sicherlich wieder einmal etwas miteinander machen wollen. Ich hatte bereits die Idee, dass wir etwa in der Adventszeit zusammen musizieren können, je nachdem, wie die Entwicklung bei Corona weitergeht.

Stichwort Corona: Sie kennen als Dirigent auch das Vereinsleben. Sind die Balkonkonzerte ein adäquater Ersatz, oder juckt es Sie bereits in den Fingern, wieder mit Orchesterproben anzufangen?

Natürlich fehlt uns allen das Vereinsleben. Ich bin Dirigent beim Musikverein Märkt, und wir haben seit Mitte März nicht mehr proben können. Wenn die Stadt Weil am Rhein es erlaubt, können wir eventuell kommende Woche unter Vorlegen eines Hygienekonzepts wieder damit anfangen. Um Proben zu können, braucht man immer auch ein Ziel, und das wäre nach jetzigem Stand unser Jahreskonzert im Dezember.

Thomas Wengert spielt Trompete und ist als Dirigent beim Musikverein Märkt aktiv. Wengert, der in Kandern wohnt und mittlerweile in Rente ist, bezeichnet sich als Anhänger der Blechblasmusik und hat auch in seiner Heimatstadt dirigiert.

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