Kandern Gasthaus „Weserei“ muss schließen

Eine Welle der Solidarität erfuhren die Betreiber des Traditionsgasthauses „Zur Weserei“, als sie Anfang des Jahres Insolvenz anmelden mussten. Geschäftsführer Ullrich Kramer plante eine „strategische Neuausrichtung“, um sein Hotel-Restaurant zu retten. Am Ende hat alles nichts genützt. Das Gasthaus „Zur Weserei“ wird am 17. November endgültig seine Pforten schließen.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Woran hat es gelegen? Kramer nennt einige Gründe, allen voran den, dass das Geschäft im Winter einfach nicht läuft. Von Mitte November bis Mitte März sei Kandern wie abgehängt, bedauert der Gastronom.

Das Geschäft bis dahin wollen er und seine Frau Renate Kramer-Eichin noch mitnehmen. Den 20 Mitarbeitern, viele von ihnen sind Teilzeitkräfte, wurde zu Ende November gekündigt. Letzter Öffnungstag – auch für den Hotelbetrieb – ist Sonntag, 17. November.

Kramer hätte sich darüber hinaus mehr Unterstützung von Seiten der Politik für sein Gewerbe gewünscht, zum Beispiel bei der Umsatzsteuer, die für Gaststätten wie die „Weserei“ im Verkauf bei 19 Prozent liegt. Allerdings kann er für den Wareneinkauf nur sieben Prozent Vorsteuer geltend machen. Der „Weserei“-Chef beziffert seinen „Verlust“ durch diese Kluft mit durchschnittlich rund 60 000 Euro im Jahr.

Auch der Deutsche Hotellerie und Gastronomie Verband sieht hierin eine Benachteiligung von Restaurants mit Sitzmöglichkeiten und Service gegenüber Verkäufern, die ihre Ware auf die Hand anbieten und nur sieben Prozent zahlen.

Für kleine Betriebe sei es zudem nicht leicht, mit den vielen Vorschriften und Arbeitsgesetzen umzugehen, sagt Kramer. Etwas neidisch blickt er auf seine Kollegen aus Tirol oder der Schweiz. Da gebe es einen großen Etat für Tourismusförderung, denen werde geholfen, hat Kramer festgestellt. In Baden-Württemberg dagegen sei der Tourismus im Justizministerium mit angesiedelt.

Eine Ära geht zu Ende

Für Ullrich Kramer und seine Frau geht jetzt eine Ära zu Ende. Der 61-Jährige war 44 Jahre lang Gastronom. Das wuchtige, geschichtsträchtige Gebäude war schon sein Elternhaus. „Ich hänge daran“, sagt er. In der Hoffnung, dass es doch noch weiter geht, hat er viel Privatvermögen und Arbeitskraft in das Traditionshaus investiert. „Da war auch viel Idealismus dabei“, betont Kramer. 400 bis 500 Arbeitsstunden im Monat seien für ihn und seine Frau keine Seltenheit.

Gedankt wurde es ihm mit „tollen Gästen“ und Mitarbeitern, die zum Teil schon seit 20 Jahren dabei sind. „Es gab gute Tage“, sagt der Gastronom. Gefreut hat ihn auch die Unterstützung der Kanderner nach dem Aufruf des Werberings, als bekannt wurde, dass das Haus in Schwierigkeiten steckt. „Der ganze Ort ist damals zum Essen gekommen. Das tat gut, und hat sowohl finanziell als auch moralisch geholfen.“

Der aktuelle Gastro-Führer „Guide Michelin“ hat für die „Weserei“ nicht zum ersten Mal lobende Worte übrig, wie wir im Frühjahr berichten konnten. „Schon viele Jahre führt die Familie Kramer ihre historische Weserei und bietet in ländlich-gemütlichem Ambiente klassisch-traditionelle Küche“, heißt es darin.

Gerade mal zwei Jahre ist es her, da hatte man im Gasthaus „Weserei“ noch reichlich Gründe zu feiern: 140 Jahre war das Gasthaus da bereits in Familienbesitz, 60 Jahre zuvor hatten Ullrich Kramers Eltern, Anna und Gerhard Kramer, das Haus übernommen, über dem in den 60er-Jahren und Anfang der 70er-Jahre sogar einmal ein „Michelin“-Stern leuchtete, und der Hotelbau wurde im Jubiläumsjahr 2017 immerhin 30 Jahre alt.

Das „Historische Gasthaus zur Weserei“ geht in seinen Ursprüngen auf das 15. Jahrhundert zurück und ist somit eine der ältesten Gaststätten im Landkreis Lörrach. Was nun aus dem ortsbildprägenden und denkmalgeschützten Gebäude werden wird, bleibt vorerst ungewiss. Eigentümer ist Ullrich Kramer.

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