Kandern-Gupf Der lange Weg zum eigenen Flugplatz

Markus Adler
Bis der heutige Flugplatz den Modellfliegern zur Verfügung stand, waren etliche Widerstände zu überwinden. Foto:  

Der Aero-Modell-Club Markgräflerland startete 1974 als fast konspiratives Unternehmen in Lörrach. Fast 30 Jahre dauerte es, bis die Existenz des heutigen Platzes langfristig gesichert war. Die Gründer schauen zurück und feiern am zweiten Juniwochenende.

Der Aero-Modell-Club Markgräflerland feiert am Wochenende des 8. und 9. Juni sein 50-jähriges Bestehen. Der Festbetrieb startet an beiden Tagen auf dem Vereinsgelände zwischen Holzen und Tannenkirch-Gupf jeweils um 10 Uhr.

Lörrach in den 1970er-Jahren: Robert Gully erinnert sich, dass einige Modellflugenthusiasten damals ihr Hobby „aus Ermangelung eines Flugplatzes an wechselnden Orten“ ausgeübt hätten. Sie trafen sich bei einem Mitglied in der Lörracher Dammstraße und entschieden dann spontan, wo denn geflogen werden könnte. „Nicht überall waren wir willkommen, auch bekamen wir einmal Besuch von der Polizei“, schreibt er in seinem Rückblick.

Die Spur führt nach Lörrach

Den Modellfliegern war jedoch rasch klar, dass sie nur eine Chance haben würden, wenn sie sich als Verein organisieren würden. Sie trafen sich dazu bei einem Mitglied auf dem Salzert in Lörrach, das Gründungsprotokoll ist aber verschollen, wie es heißt. Der Verein wurde als Aero-Club Lörrach gegründet und später umbenannt.

Der Kontakt nach Kandern ergab sich eher zufällig. Die Mitglieder wollten ihr neues Hobby mit einer Ausstellung präsentieren und konnten dazu das Nebenzimmer des Gasthauses „Sonne“ in Kandern nutzen. Der Erlös von 700 Mark floss an den Krankenpflegeverein in Kandern.

In Tannenkirch fanden die Modellflieger über den Ortsvorsteher ein geeignetes Gelände für einen Flugplatz, doch die Gemeinde Holzen hatte Bedenken gegen den Flugbetrieb. Es gelang nach einigem Hin und Her eine private Wiese von einem Landwirt zu bekommen „gegen eine hohe jährliche Pachtsumme“. Trotz eines gültigen Pachvertrags gingen damals Einsprüche durch Vogelschützer sowie der Gemeinde Holzen bei der Genehmigungsbehörde im Basler Hof in Freiburg ein.

Gespräch mit Ortsvorsteher

Den Durchbruch brachte ein ausführliches Gespräch mit dem Holzener Ortsvorsteher, der daraufhin den Einspruch zurückzog. Das Regierungspräsidium Freiburg genehmigte schließlich den Modellflugbetrieb, machte aber Auflagen zum Lärmschutz und einer Begrenzung der Flugzeiten. Der Verein musste ein Gerät zur Schallmessung anschaffen. „Die Einhaltung des Lärmpegels war allerdings mit großem Aufwand verbunden, aber wir haben es geschafft“, stellt der Club in seinem Rückblick zufrieden fest. Die nächste Herausforderung war die Pflege des weitläufigen Wiesengeländes, denn das Mähen mit privaten Rasenmäher erwies sich eher als Sisiphus-Arbeit.

1979 weihten die Modellflieger das Gelände mit einem Pistenfest ein und starteten die Baukurse, die ein fester Bestandteil ihrer Jugendarbeit wurden. Mit der Zeit ist auch ein behelfsmäßiger Unterstand, eine Sitzgruppe, ein Schutzzaun und eine Funk-Frequenztafel entstanden – kurz gesagt eine „einfache, aber effektive Infrastruktur.

Kontakte ins Dreiland

In dieser Zeit entstanden erste Kontakte ins benachbarte Elsass, wohin freundschaftliche Verbindungen bis heute existieren. 1988 gab es auf Initiative eines Mitglieds das erste Helikopter-Treffen, darunter kamen auch namhafte Teilnehmer aus der Schweiz. Seit 1989 gab es einen Fallschirmwettbewerb, der 26 Jahre angeboten wurde. In dieser Disziplin errang wenig später Vereinsmitglied Stefan Kunert einen Weltmeistertitel, was auf dem vereinseigenen Gelände gefeiert wurde.

In der Jugendarbeit sind in den vergangenen 50 Jahren starke Akzente gesetzt worden – zum Beispiel durch Projekte mit der Gesamtschule Efringen-Kirchen, Ferienaktionen in Binzen oder Kandern. 1993 wurde der Sitz des Vereins nach Kandern verlegt, 1994 wurde bereits das 20-jährige Bestehen des Aero-Modellclubs Markgräflerland in der Festhalle in Haltingen begangen.

Infrastruktur verbessert

Die Infrastruktur des Fluggeländes wurde in den vergangenen Jahre deutlich verbessert und Teile des Geländes käuflich erworben. Für den Rest war dies nicht möglich, da es ein Vorkaufsrechts gab, das nicht ausgehebelt werden konnte, Die Lösung bestand in einem langfristigen Pachtvertrag über 70 Jahre, was fast einem Eigentumsrecht entspricht. Durch den Erwerb des zusätzlichen Geländes war es auch möglich, die Anlage in ihren heutigen Zustand zu versetzen. Der Fangzaun wurde versetzt, mit einer großen Textilplane eine Start-Landebahn realisiert. Später wurde sie durch eine Asphaltpiste ersetzt.

Selbst nach 50 Jahren bleibt noch genug zu tun – der Verein arbeitet an der Verbesserung der Internetpräsenz, hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Hütte installiert und möchte diese auch innen auf Vordermann bringen. Zum Jubiläum gibt es am 8. und 9. Juni jede Menge Flugdemonstrationen, Ausstellung verschiedener Modelle, RC-Fallschirmspringen mit Welt- und Europameistern, bemannte Ultraleichtflüge sowie Bewirtung an beiden Tagen. Thema wird auch die Geschichte des Modellflugs aus den vergangenen 50 Jahren und länger sein – heute per Computersteuerung.

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