Kandern Hindernisse bei der Zug-Anbindung

Kandertal/Haltingen  Der Weg für eine Kandertal-S-Bahn soll frei gemacht werden. Auch das Reaktivierungsprogramm für Schienenstrecken des Landes Baden-Württemberg sieht in der Strecke Haltingen-Kandern Potenzial. Doch für eine Anbindung an die Rheintalbahn gilt es noch, Hindernisse zu überwinden, wie beim gestrigen Besuch des Verkehrsministers Winfried Hermann deutlich wurde.

Die Entscheidung, ob die Kandertalstrecke wieder reaktiviert wird, ist noch nicht gefallen. Aber die Anschlussstelle der S-Bahn an die Rheintalbahn käme beim Reaktivierungsprogramm ernsthaft in Frage, teilte Verkehrsminister Winfried Hermann bei einem Besuch gestern vor Ort mit.

„Die Strecke nach Basel wäre ideal, aber gleichzeitig treten Probleme hinsichtlich der Schienen auf“, erklärte Hermann. Die Schienen, die nord-östlich aus dem Kandertal kommen, würden auf der falschen Seite der Rheintalstrecke andocken. Denn die Nahverkehrsgleise würden nach dem Ausbau ganz außen im Westen liegen, daher würde der Anschluss nicht so einfach funktionieren, so Hermann. Hinzu komme, dass die Kandertal-S-Bahn im Gegenverkehr nach Basel fahren würde, da die Fahrtrichtung von Süden nach Norden ausgerichtet ist.

Da die Rheintalbahn zur europäischen Nord-Süd-Hauptachse der Bahn gehört und bereits stark befahren sei, meinte Hermann, dass eine oberirdische Lösung mit einer Weiche keine dauerhafte Lösung sei.

„Es müsste eher eine Unter- oder Oberführung gebaut werden“, sagte der Verkehrsminister und hob hervor, dass dies zusätzliche Kosten bedeuten würde. Daher schließe er eine direkte Anbindung nach Basel aus. Eine Verbindung nach Lörrach würde eher in Betracht kommen. „Zuerst muss geklärt werden, wohin die Menschen fahren.“ Um ein Bild von den Nutzungszahlen zu bekommen, erarbeiten derzeit Gutachter eine Prognose.

Bedarf wird ermittelt

Damit die Strecke als rentabel gilt, sollten im Durchschnitt mehr als 1000 Personen pro Tag die Strecke nutzen. Dabei wies Hermann darauf hin, dass die Prognose meistens unterhalb des eigentlichen Bedarfs liege. „Wenn die Strecke und die Taktverbindung stimmen, dann lohnt es sich und die Menschen nutzen eher den Nahverkehr als das Auto.“ Auch Peter Völker von der IG Pro Kandertalbahn berichtete, dass es in der Bevölkerung viele gebe, die für die Reaktivierung seien: „Innerhalb von zwei Monaten haben wir bei einer Online-Petition über 3500 Unterschriften gesammelt.“

Wichtig bei der Reaktivierung der Kandertalstrecke sei nun, dass die Kommune und der Zweckverband unterstützend tätig sind. „Es kommt auf die Kompetenzen und die Vorschläge an, dann können wir auch eher starten“, meinte Hermann. Er sieht die Bereitschaft und Unterstützung der Kommune und dem Zweckverband IG Pro Kandertalbahn bereits als positiv an.

Zehn Strecken geplant

Kanderns Bürgermeisterin Simone Penner sprach sich für die Reaktivierung der Kandertalstrecke aus: „Die Strecke reicht hoch bis nach Malsburg-Marzell. Es wäre eine gute Verbindung für Pendler zu den Ballungsgebieten Lörrach und Basel.“ Auch der Erste Bürgermeister, Christoph Huber, von Weil am Rhein stützte ihre Aussage, indem er sagte: „Wir müssen den Raum drumherum betrachten und nicht nur die Schienen.“

Vor zwei Jahren habe das Ministerium mit dem Reaktivierungsprogramm für Schienenstrecken begonnen. „Es wurde geschaut, wo der Bedarf an Schienenverkehr da ist“, berichtete Hermann. Von den 70 genannten Streckenabschnitten bestehe lediglich bei 50 die Möglichkeit zur Reaktivierung. „Die Strecken haben alle einen sehr unterschiedlichen Zustand. Daher müssen wir prüfen, welche davon machbar und wirtschaftlich sind“, erklärte Hermann. In der Schlussphase des Programms ginge es dann darum, die Auswahl erneut einzudämmen.

„In den nächsten Jahren wollen wir etwa zehn Strecken realisieren“, teilte Hermann mit. Eine Finanzierung könnte dabei durch das Land sowie über Regionalisierungsmittel ermöglicht werden, erklärte der Verkehrsminister.

Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamte des Landkreises Lörrach, berichtete, dass es auch noch eine Abstimmung mit dem Fachreferat für Verkehr und ÖPNV bezüglich des Betriebskonzepts der Kandertal-S-Bahn und des Bussystems geben wird. Dabei soll die S-Bahn als Alternative angeführt und eine Bedarfspositionierung aufgestellt werden. „Im Februar/März 2021 wollen wir eine konzeptionelle Endfassung erstellen“, teilte Hoehler mit.

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