Kandern Hochkarätiges Gemeinschaftskonzert

Höhepunkt des hochkarätigen Gemeinschaftskonzerts von Verbandsjugendorchester Hochrhein und Musikverein Wollbach war das Klavierkonzert von Edvard Grieg mit der polnischen Pianistin Paulina Maslanka als Solistin. Foto: Walter Bronner Foto: Weiler Zeitung

Von Walter Bronner

Sinfonische Programmmusik von packender Dramatik und perfektionierter Vortragsqualität bot das Gemeinschaftskonzert, das der 150-jährige Musikverein Wollbach und das 30 Jahre alte Verbandsjugendorchester Hochrhein am Sonntagabend vor großem Publikum aufführten.

Kandern. Ort des musikalischen Geschehens zu den runden Geburtstagen beider Orchester war die evangelische Stadtkirche Kandern, da die deutlich kleinere Wollbacher Dorfkirche dem konzertierenden Großaufgebot platzmäßig nicht gewachsen gewesen wäre. Besonders nicht im Zugabenteil, in dem die gute Hundertschaft beider Formationen gemeinsam noch mit dem „Donauwalzer“ von Johann Strauss Junior einen finalen Höhepunkt bestritt.

Fülliger Sound, dynamischer Kontrastreichtum, mitunter orgiastische Klangballungen und dann wieder berückende Harmonien und melodische Anmut prägten schon die vorangestellte Vortragsfolge. Eröffnet wurde sie von der jungen Interpretenschar unter dem inspirierenden Dirigat von Julian Gibbons. Er und sein Wollbacher Kapellmeister-Kollege Oliver Hauser sind seit 20 Jahren musikalische Leiter der beiden Klangkörper und letztlich die Garanten für deren anerkanntes hohes musikalisches Niveau.

Nachweise dafür lieferten die jungen Verbandsmusikanten mit Dmitri Schostakowitschs „Festlicher Ouvertüre“, die heroisierende Klangbilder mit neckischen Applikation und sogar leicht jazzigen Einsprengseln konterkariert. Bert Apperments „Humperdinck-Variationen“ für vier Hörner und Orchester entführten alsdann in die Märchenwelt von Hänsel und Gretel und deuteten das vielgeliebte „Abendsegen“-Duo variationsreich an, bevor es im Tutti-Finale recht massiv hervortrat. Noch massiver ging es zu in Frank Tichelis martialischem Tongemälde „Angels in the Architecture“, in dem der Sound geschwungener Heulschläuche für die Engelsstimme am Anfang und Schluss stand. Dazwischen symbolisieren extreme dissonante Klangballungen das Kampfgetümmel zwischen Gut und Böse und eine choralartige Hymne den nicht mehr aufhaltbaren Sieg des Guten.

Von dieser geballten Ladung theatralischer Tonmalerei durfte sich die Hörergemeinde bei der Zugabe von Percy Graingers witzigen „Gumsucker“-March wieder entspannen. In die opulente sinfonische Klangwelt der Romantik tauchte dann der Musikverein Wollbach mit Werken in Bezug zu seinem Gründungsjahr 1866 ein. Das war auch das Geburtsjahr des russische Komponisten Vasily Kalinnikow, dessen Ouvertüre zum Schauspiel „Tsar Boris“ jene Klangbilder beschwor, die gemeinhin mit „russischer Seele“ gleichgesetzt werden.

Hauptwerk des hochkarätigen Programms war das für Blasorchester-Begleitung arrangierte Klavierkonzert a-Moll von Edvard Grieg mit der ausgezeichneten jungen polnischen Pianistin Paulina Maslanka als Solistin. Sie absolvierte den großenteils vollgriffigen Klaviersatz, inklusive der vertrackten Kadenz im ersten und der prunkvollen Arpeggien im dritten Satz mit frappierender spieltechnischer Perfektion und spürbarem musikantischem Esprit, nicht minder brillant die lieblichen, volksliedhaften Melismen des Mittelteils.

Restlos überzeugend geriet auch die differenzierte Vortragsleistung des Orchesters, das sein Klangvolumen nie gegen die Solistin ausspielte, aber durchaus wirksam zur Geltung brachte, wenn das Solo-Instrument pausierte.

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