Kandern In einem Zug bis nach Basel

Derzeit fährt im Kandertal nur eine Museumsbahn. Ob auch eine S-Bahn möglich wäre, wird jetzt genauer untersucht. Foto: zVg

Kandertal - Die IG Pro Kandertalbahn setzt sich seit einigen Jahren für eine S-Bahn im Kandertal ein. Die 13 Kilometer lange Strecke, die derzeit nur von einer Museumsbahn genutzt wird, soll für den Personenverkehr reaktiviert werden. Nun hatte die Interessensgemeinschaft die Landtagskandidaten aller größeren Parteien zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Bis zu 60 Teilnehmer verfolgten zeitweise die Veranstaltung.

Zunächst nach ihrer grundsätzlichen Haltung zu dem Großprojekt gefragt waren Josha Frey (Grüne), Christoph Nitz (CDU), Jonas Hoffmann (SPD) und Felix Düster (FDP). Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Matthias Zeller.

Düster zeigte sich als unbedingter Befürworter des Vorhabens, der sich fürs Kandertal gut einen mit Wasserstoff betrieben Zug vorstellen kann. Eine S-Bahn mache das Wohnen auf dem Land um einiges attraktiver, meinte er.

Der Landtagsabgeordnete Frey, er wohnt im Kandertal, sah in dem Projekt einen Schritt hin zu einer Entwicklung des ländlichen Raums, mit dem man etwa der Schließung von Geschäften entgegenwirken könne.

Zwar erinnere er den Verkehrsminister ab und zu daran, dass es auch südlich von Freiburg eine lebenswerte Gegend gebe. Entscheidender für den Erfolg in Stuttgart sei aber das erklärte Ziel, umweltfreundliche Projekte voranzubringen, betonte er.

Hoffmann erklärte, sich bereits seit Jahren für das „sinnvolle Projekt“ einzusetzen. Wichtig sei ihm dabei, auch die Bürger des Kandertals für das Vorhaben zu gewinnen.

Vergleiche mit dem Wiesental

Die Kandertal-S-Bahn sei grundsätzlich eine tolle Idee, meinte Nitz, wollte für eine Bewertung aber mehr Fakten auf dem Tisch haben und zunächst die Machbarkeitsstudie abwarten. Nach einen Blick in die Zukunft gefragt, führte Nitz die Wiesentalbahn an, die dort für strukturelle Veränderungen gesorgt habe. Im Kandertal wird deshalb ein Zusammenwachsen der Dörfer befürchtet.

Den positiven Effekt einer „höheren Lebensqualität“ durch die S-Bahn hob Hoffmann hervor, der im Wiesental aufgewachsen ist. Die Bahn sei leise, ökologisch und viel schneller als ein Bus, betonte er.

Frey hob vor allem auf den im Kandertal steigenden Individualverkehr ab. In der Regel sitze nur eine Person in den Autos, hat er festgestellt. Zugfahren sei gut fürs Klima und eröffne dem einzelnen auch Lebenszeit, die anders als am Steuer eines Autos genutzt werden könne.

Düster sah als Gastronom Potenzial für das Kandertal, wo man in einem Café verweilen oder essen gehen könne. „Wenn die Infrastruktur nicht verbessert wird, klappt das irgendwann vielleicht nicht mehr“, äußerte er eine Befürchtung. Wichtig fand er es, dass die S-Bahn nach Basel durchfahren kann. Technologisch sprach sich Düster dafür aus, Neues zu wagen.

Auch Hoffmann hob die Bedeutung der Drehscheibe Basel für einen Anschluss des Kandertals hervor.

Dreh- und Angelpunkt hierfür ist der Anschluss der Kandertalbahn an die Rheintalbahn bei Haltingen. Weil eine Unterführung auf die Westseite nicht geplant ist, wird eine spätere S-Bahn zwischen Haltingen und Weil am Rhein ein kleines Stück im Gegenverkehr fahren müssen, was einen Halbstundentakt schwierig machen könnte, wie Frey ausführte. „Es muss erörtert werden, was geht, und was es kostet.“

Eine höhere Taktung bedeute höhere Akzeptanz, meinte Nitz. Sein Pochen auf Wirtschaftlichkeit sorgte für Widerspruch. Man müsse den volkswirtschaftlichen Nutzen sehen, meinten Hoffmann und Markus Kern von der IG Pro Kandertalbahn. Kaum ein öffentliches Verkehrsmittel würde sich selber tragen. Kern bezifferte allein den Zuschussbedarf der Buslinien im Kandertal mit 900 000 Euro.

Darauf, dass die Potenzialanalyse des Landes die Kandertal-S-Bahn nur in der dritten von vier Kategorien sah, wies Wollbachs Ortsvorsteher Max Sütterlin hin. Die vom Land geförderte Machbarkeitsstudie, so die Hoffnung vieler, soll dieses Ergebnis deutlich verbessern.

Auch Bürgermeister melden sich zu Wort

„Die Kräfte bündeln für einen attraktiven Nahverkehr, egal ob auf der Straße oder auf der Schiene“ wollte Rümmingens Bürgermeisterin Daniela Meier.

In Binzen hat sich eine Interessengemeinschaft gegen die S-Bahn-Pläne gegründet. 15 Fragen hat dort der Gemeinderat zusammengetragen, die sich aus der Umsetzung des Projekts ergeben würden. Bürgermeister An­dreas Schneucker fragte die Landtagskandidaten, wie sie damit umgehen wollen. Sie verwiesen allesamt auf offene Gespräche und Abwägungsprozesse, die im Anschluss erforderlich seien.

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