Kandern Innenbereiche sollen Vorrang haben

Eine größere Freifläche für Siedlungsentwicklung ist das Tonwerke-Areal in Kandern. Allerdings geraten die Verhandlungen zwischen Stadt und Eigentümer der Industriebrache immer wieder ins Stocken,Foto: Alexandra Günzschel Foto: Weiler Zeitung

Die Verbandsversammlung der Region Hochrhein-Bodensee sieht das Kandertal als regionale Entwicklungsachse vor. Damit kommen diesem Raum neue Aufgaben zu, die mit einem verstärkten Siedlungsdruck und Anforderungen an die verkehrs- und infrastrukturelle Entwicklung einhergehen können. Mit diesen Themen haben sich seit Mitte 2018 die Gemeinden Binzen, Kandern, Malsburg-Marzell, Rümmingen, Schallbach und Wittlingen beschäftigt.

Kandertal (ag). In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Lörrach, der Agglo Basel sowie den Planungsbüros HHP und infras wurden unter der Überschrift „Raumkonzept Kandertal 2040“ Leitvorstellungen für die Zukunft des Kandertals entworfen. Ziel war es dabei, die Bereiche Siedlung, Landschaft und Verkehr aufeinander abzustimmen.

Die Abschlussveranstaltung in Binzen musste kürzlich wegen dem Coronavirus abgesagt werden. In einer kleinen Serie sollen nun wichtige Ergebnisse dargestellt werden – beginnend mit dem Themenbereich Siedlungsentwicklung.

Die Bevölkerung wächst

Laut Bevölkerungsprognosen wird für das Kandertal von etwa 2000 zusätzlichen Einwohnern im Zeitraum zwischen 2017 und 2035 ausgegangen. Flächenpotenziale für eine zukünftige bauliche Entwicklung bestehen den Untersuchungen zufolge sowohl im Innenbereich durch die bauliche Nachverdichtung als auch durch die Ausweisung von neuen Baugebieten am Siedlungsrand in den aktuell gültigen Flächennutzungsplänen.

In einer Studie von Zickenheiner Architekten und Kommzept aus dem Jahr 2017 konnten insgesamt 195 geeignete Innenentwicklungsflächen mit einer Gesamtgröße von 19,28 Hektar identifiziert werden. Es handelt sich dabei überwiegend um kleine Grundstücke in Wohn- und Mischgebieten, die sich größtenteils im Privatbesitz befinden und deshalb nur zum Teil zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus enthalten die Flächennutzungspläne der Kommunen bisher unbebaute Entwicklungspotenziale von insgesamt 38,9 Hektar. Hiervon entfallen 19,5 Hektar auf Wohnbauflächen. Der größte Anteil unbebauter Wohngebiete findet sich in Kandern mit 6,3 Hektar.

Höher ist der Siedlungsdruck im Vorderen Kandertal mit seiner größeren Nähe zu den Arbeitsstätten in Basel, Weil am Rhein und Lörrach. Denn die Bevölkerungsdichte nimmt erfahrungsgemäß mit zunehmender Entfernung zu großen Arbeitsplatzzentren ab.

Bei allen Gemeinden ist ein zusätzlicher Wohnbauflächenbedarf aus einem weiteren Rückgang der Belegungsdichte – Zunahme an Wohnfläche pro Einwohner durch erhöhten Komfortbedarf – anzunehmen.

Auch in die Höhe bauen

Bis 2035, so ein Ergebnis der Untersuchung, entsteht durch Einwohnerzuwachs und Belegungsdichterückgang im Kandertal ein Wohnbauflächenbedarf von etwa 35 Hektar. Ausgehend von diesen Annahmen errechneten die Experten ein Defizit von acht Hektar an Wohnbauflächen im Kandertal. Dies birgt die Gefahr des Ausweichens auf zusätzliche Wohnbauflächen am Siedlungsrand. Zusätzliche Stockwerke auf bestehenden Gebäuden, Anbauten oder Umnutzungen, etwa von Parkflächen, könnten dem entgegenwirken, so ein Fazit.

Zum Thema Versorgung

Als Versorgungszentren werden Binzen und die Kernstadt von Kandern hervorgehoben. Die medizinische Versorgung wird noch als ausreichend betrachtet, wobei jedoch die Gefahr einer Unterversorgung durch altersbedingte Geschäftsaufgaben insbesondere im oberen Kandertal gesehen wird.

Die Bevölkerungsentwicklung, so ein Fazit, soll einher gehen mit einem dezentralen Ausbau der Versorgungseinrichtungen an gut mit dem ÖPNV erschlossenen Standorten sowie einer Aufwertung der Ortskerne. Der deutliche Fokus wird im Bereich Innenentwicklung gesehen.

Unterschiedliche Ziele

Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten sind bezüglich der Siedlungsentwicklung verschiedene Ziele in den jeweiligen Regionen anzustreben. Im Vorderen Kandertal, den Kommunen Binzen, Rümmingen und Wittlingen, soll zukünftig eine starke Verdichtung erzielt werden, da die Kommunen strategisch günstiger zu den Arbeitsplatzzentren liegen und aufgrund des erhöhten Bevölkerungs- und Verkehrsdrucks der bestehende Landschaftsraum zwischen den Siedlungsbereichen bereits stark reduziert wurde. Einem Zusammenwachsen der Siedlungen ist durch konsequente Maßnahmen der Nachverdichtung mit höheren Wohndichten vorzubeugen. Selbiges gilt für die Kernstadt Kandern, die als Unterzentrum im ländlichen Raum bestimmte urbane Qualitäten im Siedlungsbild aufweisen kann, wie es heißt.

In den übrigen ländlich geprägten Dörfern des mittleren und oberen Kandertals steht hingegen eine moderate Innenentwicklung unter Bewahrung des dörflichen Charakters im Vordergrund. Hierbei stehen insbesondere die Bereiche um die ortsbildprägenden Kirchen im Fokus.

Das Kandertal strebt eine gute soziale Durchmischung an, weshalb bei der Schaffung von neuem Wohnraum preisgünstigen und für Familien geeigneten Wohnkonzepten sowie altersgerechten Wohnformen Gewicht beigemessen werde.

Sollten Neubaugebiete erschlossen werden, sind für diese höhere Bebauungsdichten anzustreben.

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