Kandern Jugendliche zeigen viel Eigeninitiative

Eine Sitzbank aus Paletten für das „Downtown“ haben Jugendliche in Eigenleistung erstellt. Foto: zVg

Kandern. Aufenthaltsorte für junge Menschen im öffentlichen Raum sind rar. Deshalb hat die vom Caritasverband durchgeführte offene Jugendarbeit zusammen mit der Gemeindeverwaltung vereinbart, ein neues Pilotprojekt zu starten. Im Mittelpunkt der Aktionswoche stand das Kanderner Jugendzentrum „Downtown“.

Um ihr Domizil zu verschönern, haben Jugendliche aus Kandern nun selbst Hand angelegt und eine Sitzgelegenheit aus Paletten angefertigt. Dies gelang recht gut, da einige der älteren Besucher Handwerksberufe erlernen.

Darüber hinaus wurde die verschmutzte Tür des Jugendzentrums neu gestrichen, um das „Downtown“ optisch wieder aufzuwerten.

Aktive Mitgestaltung statt Vandalismus

Da es in den vergangenen Monaten in Kandern vermehrt zu Schmierereien gekommen ist, war es den Jugendlichen ein Anliegen unter Beweis zu stellen, dass sie sich genauso wie die breite Öffentlichkeit vom Vandalismus einiger Weniger distanzieren. Stattdessen zeigten sie großes Interesse an der Mitgestaltung einer ansprechenden Umwelt, wie es in einer Mitteilung heißt.

Die neue Sitzgruppe steht nun unter dem Vordach des „Downtown“ und soll den Jugendlichen als Treffpunkt auch außerhalb der pädagogisch betreuten Öffnungszeiten dienen. In Absprache von Jugendarbeit, Gemeindeverwaltung und Ordnungskräften werde zu beobachten sein, wie Regeln eingehalten werden – insbesondere die Ruhezeiten nach 22 Uhr.

Von den pädagogischen Fachkräften werden die Jugendlichen zu den geregelten Öffnungszeiten des Jugendzentrums weiterhin darauf hingeleitet, auf Sauberkeit im öffentlichen Raum zu achten, was derzeit noch nicht zufriedenstellend gelingt, wie es heißt. Zusätzliche Abfallbehälter wurden von der Gemeinde in Aussicht gestellt.

Erste Rückmeldungen von Jugendlichen zeigen große Freude über das Projekt. So sagte ein 18-Jähriger: „Endlich können wir auch mal abends vernünftig wo sitzen!“

Die Jugendarbeit erhofft sich von dem Projekt eine Entspannung anderer Anlaufstellen wie der Bahnhofsrampe. Jugendreferent Jens Künster meint dazu: „Junge Menschen brauchen Aufenthaltsorte. Wenn ihnen keine zur Verfügung gestellt werden, suchen sie sich selbst welche. Daher sind wir gut beraten, die Bedürfnisse Jugendlicher ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen umzusetzen.“

Nachdem Jugendliche und ihre Bedürfnisse zu Beginn der Corona-Pandemie zunächst völlig aus dem Blick der öffentlichen Wahrnehmung geraten sind, wird mittlerweile immer mehr anerkannt, wie schwierig die vergangenen Monate für junge Menschen waren, teilt Künster mit. Denn während der langen Lockdown-Phasen gab es wenig Möglichkeiten für die jungen Leute, soziale Kontakte zu pflegen.

Diesen Sommer hat sich die Situation verbessert und auch Einrichtungen wie das Jugendzentrum „Downtown“ dürfen nun wieder regelmäßig öffnen.

Trotzdem gibt es gerade in ländlich geprägten Regionen weiterhin wenig Angebote für junge Leute, sich in ihrer Freizeit zu entfalten, hat der Jugendreferent festgestellt.

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