Kandern Kaskaden und Melancholie

Das Kalandos-Ensemble mit Karel Boeschoten (v.l.), Ccaba Lukács, Gyula Csik, Gyula Boni und Zsolt Boni begeistert im Theater im Hof. Foto: Willi Vogl Foto: Weiler Zeitung

Von Willi Vogl

Kandern-Riedlingen. Trotz des kühlen und regengefährdeten Wetters war das Konzert mit dem Kalandos-Ensemble im Theater im Hof ausverkauft. Begleitet vom verführerischen Duft einer Gulaschsuppe genossen die etwa 150 Zuhörer auf der Scheunenbühne authentische ungarische „Zigeunermusik“. Mit Ccaba Lukács (Klarinette), Gyula Csik (Cimbalon), Gyula Boni (Bratsche) und Zsolt Boni (Kontrabass) musizierten vier waschechte Roma.

Karel Boeschoten (Violine) hingegen stammt aus den Niederlanden und leitete die urwüchsig musizierende Kapelle als besonnener und auf Differenzierung bedachter Primás. Seit seinem 12. Lebensjahr begeistert er sich für die auf Emotionen fokussierte Volks- und Zigeunermusik. Das Konzert in Riedlingen war eine Hommage an den legendären Zigeunergeiger Gyula Toki Horváth, eines seiner Idole.

Wenngleich die ungarische Zigeunermusik in ihren schlichten Harmonien eine größere Nähe zur Wiener Klassik als zum Jazz aufweist, bedurfte es einige Zeit, sich während des ersten Titels in die sich überlagernden und leicht phasenverschobenen Parallelbewegungen der Melodieinstrumente einzuhören. Der damit erzeugte Klangschwall erzeugte jedoch von Anfang an eine rauschhafte Stimmung.

Karel Boeschoten charakterisierte die Musik in seinen launigen sympathischen Moderationen mit liedverbundenen Geschichten oder Vergleichen, die zum Schmunzeln anregten. So seien die musikalischen Zutaten eines Titels mit den wohlschmeckenden Gewürzen eines Gulasch gleichzusetzen. Den Geruch des vom Veranstalter kredenzten ungarischen Nationalgerichts in der Nase, wurde so die Musik zum raffiniert klingenden Geschmacksverstärker.

Über dem gefühlvoll glissandierenden Bass und der rhythmisch zupackenden Füllstimme sowie den charakteristisch gesetzten Nachschlägen der Bratsche brillierte Ccaba Lukács’ Klarinette in einer furios bewegten Imitation eines Tárogatós, einem hölzernen Klarinetteninstruments in Form eines Sopransaxofons. Als Kontrast zu den quäkig expressiven Sprachgesten solcher Instrumente setzte Lukács immer wieder auch auf intimes Säuseln oder rauchig zitternder Melancholie.

Die Musik lebt von plakativ-amüsanten Kontrasten. Dabei kann das Lied auch schon mal mit Anleihen einer französischen Musette zum sentimentalen Zigeunerwalzer geraten. Mit erstaunlichen Kontrasten zwischen herb schillernden Kaskaden und fein zirpenden Klangtupfern verblüffte auch Gyula Csik auf seinem Cimbalon. Das Klangfarbenspiel ist in der Musik substanziell, und so verbreitete Karel Boeschoten in Angheluș Dinicus „Die Lerche“ mit aberwitzig tremolierenden Flageoletts in Doppelgriffen und seiner Feststellung „ja, sie lebt noch“, höchstvergnügliche Kurzweil. Unterbrochen von Zwischenapplaus reihte sich ein zirzensischer Bandwurm an den nächsten. Begeisterung für einen konzertanten Abend mit hohem Genusspotenzial.

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