Kandern Mit dem Hybridzug durchs Kandertal

Unternehmer für die Reaktivierung der Kandertal-S-Bahn: (von links) Peter Völker, Friedrich Resin, Peter Oehler und Markus Kern laden zu einem Informationsabend mit interessanten Referaten ein. Foto: Alexandra Günzschel Foto: Weiler Zeitung

Die IG Pro Kandertalbahn, eine Initiative von Unternehmern und Pendlern aus dem Kandertal, unternimmt einen zweiten Vorstoß, um das Projekt Kandertal-S-Bahn voranzutreiben. Die Kandertalstrecke soll zum Pilotprojekt für einen Hybridzug auf Brennstoffzellen-Basis werden. Zu einem Informationsabend zu diesem Thema am Mittwoch, 18. Juli, 19 Uhr, ist die Bevölkerung eingeladen.

Von Alexandra Günzschel

Kandertal. Seit der Gründung der IG Pro Kandertalbahn Ende März sind den Unternehmer zwar viel Sympathien und auch Willensbekundungen entgegengebracht worden, nennenswerte Fortschritte waren seither aber nicht zu verzeichnen. Mit ihrem neuen Vorstoß wollen sie sich nun stärker an die Bevölkerung wenden und für die Möglichkeit einer emissionsfreien Reaktivierung der Schiene im Kandertal werben.

Dafür konnte als Referent Detlef Dittmann von der Firma Alstom gewonnen werden, der über die neue Hybridzug-Technologie sprechen wird. Mit dabei ist außerdem Irene Knauber von der Energiedienst Rheinfelden. Sie wird mit dem „Power-to-Gas-Projekt“ eine Möglichkeit zur Wasserstoffgewinnung vorstellen – als Treibstoff für den neuen umweltschonenden Zug. Dritter Referent ist Peter Oehler, Verkehrsinfrastrukturplaner von der IG Pro Kandertalbahn. In seinem Vortrag zum Thema „Neuordnung der S-Bahnen in der Agglomeration Basel“ geht er darauf ein, wo die Reise mit der S-Bahn überhaupt hingehen soll.

„Das Pilotprojekt wäre eine einmalige Gelegenheit für alle im Kandertal, um zu erfahren, wie sich ein Echtbetrieb einer S-Bahn auswirken würde. Vor allen Dingen aber ist mit den Hybrid-Fahrzeugen eine neue, umweltschonende Variante von Eisenbahnen entstanden, die einen Oberleitungsausbau, gerade für kleinere Strecken wie das Kandertal nicht mehr nötig macht und somit Kosteneinsparungen mit sich bringt“, argumentieren die IG-Vertreter im Pressegespräch. Auch der Weiterbetrieb der Museumsbahn wäre ohne Oberleitung einfacher zu bewerkstelligen, heißt es.

„Die Politik sieht die S-Bahn mittlerweile wieder mehr als ein langfristiges Projekt“, bedauert Friedrich Resin. „Als Unternehmer denken wir eher in kurz- und mittelfristigen Kategorien.“

„Wir denken längst grenzüberschreitend und sehen die gesamte Region mit Basel als Oberzentrum“, betont Peter Oehler. Als langfristige Vision schwebt Oehler die direkte Anbindung des Kandertals an den Flughafen Basel-Müllhausen vor, auf jeden Fall aber die Anbindung bis zum Weiler Hauptbahnhof.

„Wir haben große Chancen, als Teststrecke anerkannt zu werden“, befürwortet auch Markus Kern das Vorhaben mit dem Hybridzug. Dann würden auch Fördergelder fließen, sagt er.

Der Markt verändere sich rasant schnell, wies Oehler auf den technischen Fortschritt hin. So würde der Wasserstoff, der für die Brennzellen benötigt werde, in Grenzach-Wyhlen mit Überschussstrom erzeugt, zwei Forschungsprojekte würden sich hier ergänzen.

Oehler schätzt, dass 40 Prozent der Gesamtkosten für eine Reaktivierung der Strecke durch den Wegfall der Oberleitung eingespart werden könnten. Dadurch würden auch die höheren Kosten für den Hybridzug kompensiert werden, der auch auf der Rheintalstrecke fahren kann. Der große Vorteil für die Anwohner: Der Zug wäre emissionsfrei „und auch von der Geräuschkulisse her viel angenehmer“.

Ziel der IG Pro Kandertal ist eine Verknüpfung der Mobilität in der gesamten Region bei einer Abnahme des Individualverkehrs mit seinen negativen Folgen. Darüber möchten die Initiatoren in der kommenden Woche mit Bürgern ins Gespräch kommen. Das Verkehrsministerium im Land sei dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen. Auch Verkehrsplaner und Bahnexperte Heiko Focken habe sein Kommen zugesagt.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

Newsticker

blank

Umfrage

<!-- 'image.alt' is undefined -->

Europa- und Kommunalwahlen stehen an: Haben Sie sich von den Parteien gut informiert gefühlt?

Ergebnis anzeigen
loading