Kandern Musik, die zum Staunen anregt

Chor und Orchester gaben eine überzeugende Kombination ab. Foto: Silke Hartenstein Foto: Weiler Zeitung

Kandern-Wollbach (sih). Rockmusik und Sinfonieorchester sind beim Jahreskonzert des Musikvereins Wollbach eine fazinierende, ambitionierte Verbindung eingegangen. Mit großem Können und Spielfreude führten die Musiker unter Oliver Hausers inspirierter Leitung zwei außergewöhnliche Werke auf.

68 Musiker und ein 40 Sänger starker Projektchor aus der Region und der Ostschweiz füllten die bis zum letzten Platz besetzte Kandertalhalle mit modernen Klängen in einer Qualität, für die ein Konzertsaal angemessen gewesen wäre. Doch stellte Dirigent Hauser klar: „Der Musikverein Wollbach tritt in Wollbach auf.“

Geboten waren zwei sinfonische Werke von jeweils einer Stunde Dauer. „Nach unserer Erinnerung haben wir noch nie ein ganzes Konzert mit so wenigen Stücken bestritten“, kündigte Ansager Thomas Kuckuk an.

Die Register des Musikvereins samt Flügel und Oboen waren für diesen Anlass verstärkt worden, dazu kamen Streicher und E-Harfe. Als weiteres „Register“ und homogener Klangkörper agierte der Chor, dessen meist wortloser Gesang sich perfekt einfügte.

Tolga Kashifs „The Queen Symphony“ hatte mit einem Medley von Queen-Hits nichts gemeinsam. Vielmehr nutzte der Komponist in seinem 2002 uraufgeführten Werk die musikalisch vielschichtigen Hits der Kultband als Basis für etwas völlig Eigenständiges. So erinnerte die Interpretation von „Who wants to live forever“ an Tschaikowsky und „Bicycle Race“ an Strawinsky.

Das raffinierte Spiel der Klangfarben und Rhythmen setzte das Orchester so suggestiv um, dass der Zuhörer aus dem Staunen nicht heraus kam. Mal rieben sich die Harmonien, mal wurde es ausgesprochen melodisch und suggestiv – satte Crescendi des Gesamtorchesters wechselten sich ab mit meditativen Momenten.

Mit Jon Lords eingängigerem „Concerto for Group and Orchestra“, einem sinfonischen Werk für Orchester und Rockband im Stil der Hardrockband Deep Purple, ging es weiter. Fortschreitend vom ersten Satz im Stil eines Concerto grosso bis zur Verschmelzung von Orchester und Band im letzten Satz schufen die Musiker eine stimmige, groovende Symbiose aus Klassik und Rock.

Dazu trug die Rockband mit drei Mitgliedern aus den Reihen des Musikvereins erheblich bei. Bernd Müller faszinierte mit heißen Soli auf der E-Gitarre, als Gesangssolist und im Duett mit Gastsängerin Wanda Grütter, Bassist Joachim Goelke schuf die rockende Basis und Drummer Dominik Heieck legte im dritten Satz ein treibendes, sich beschleunigendes Solo hin.

Dazu kam mit Sebastian Röser ein Musiker, der wie einst Jon Lord an der „Hammondorgel“ das Publikum verzauberte. Zum Schluss gab es lang anhaltende stehende Ovationen. Einen Tag später wurde das Jahreskonzert erstmals wiederholt – und wieder war die Halle ausverkauft.

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