Kandern Musikalische Neuentdeckung

Das Quintet Bumbac begeisterte mit Musik des Balkan und des Vorderen Orients.Foto: Christelle Quessada Foto: Weiler Zeitung

Von Dorothee Philipp

Kandern-Riedlingen. Eine wunderbare musikalische Neuentdeckung präsentierte das Riedlinger Theater im Hof mit dem Quintet Bumbac. Die Gruppe aus Frankreich hat sich der Musik des Balkan und des Vorderen Orients verschrieben oder vielmehr erkundet sie auf deren Spuren Neuland für den Klang eines Streichquintetts.

Es sei seit März das erste Konzert im Ausland, verdeutlichte David Brossier (Komposition, Moderation und Viola d‘amore) die Bedeutung des Anlasses für die Künstler. „Wir drücken die Grenze der europäischen Musik bis zur Türkei und noch weiter“, erklärte er dem durch ein beschwingtes, federleichtes Intro schon in freudige Erwartung versetzten Publikum.

Verständlichkeit von Musik ist universal

„Wo die Politik endet, können die Künstler immer noch viel weiter gehen“, sagte Brossier mit Blick auf die universale Verständlichkeit von Musik. Und genau diese arbeitet das Quintett an diesem Abend heraus, spielt mit Leidenschaft und Melancholie, mit Witz und Schalk, mit überirdisch schönen Klanggebilden, die man bei Streichinstrumenten erst einmal gar nicht verorten würde.

Die seufzenden Glissandi des Cellos von Léonore Grollemund und das weiche Summen des gestrichenen Basses von Anita Pardo haben deutlich vokale Qualitäten. Mit einer ausgefeilten Bogentechnik holt die Geigerin Ariane Cohen-Adad percussive Elemente aus ihrem Instrument, die sich zu feinen rhythmischen Mustern verweben und den Gang des musikalischen Geschehens anfeuern.

Und das ist voll von Geschichten und kleinen Dramen. Die Violinen von Cohen-Adad und Christian Fromentin im selbstvergessenen Dialog, dann wieder rückt der Fokus auf die anderen Instrumente und die vielen Facetten ihrer Ausdrucksmittel. In einer charmanten französisch-englischen Moderation erklärt Brossier den Inhalt des Lieds vom Trinker, der versucht, dahinterzukommen, was das mit dem einen Mädchen auf sich hat, eine lange, komplizierte Reflexion mit vielen Stimmungsumschwüngen, wie man dann bei der musikalischen Version mitbekommt. Die keinesfalls gut ausgeht, wie Brossier vorausschickt.

Entdeckungsreise durch musikalische Schätze

Überhaupt sind alle Stücke, die das Quintett an diesem Abend aus seiner neuen, inzwischen zweiten CD „Miroirs“ vorstellt, kleine Bühnendramen, die Positionen der Akteure wechseln fließend, die Instrumente finden zu immer neuen spannenden Duo-Episoden zusammen. Nichts ist vorhersehbar, die Entdeckungsreise durch die musikalischen Schätze der Balkanländer und des Vorderen Orients scheint gerade eben stattzufinden.

Das Publikum ist direkt einbezogen, verfolgt mit gespannter Aufmerksamkeit die Entwicklung des Geschehens in jedem einzelnen Stück.

„Radio Kurdi“ ist ein Stück, in dem sich orientalische Skalen überlagern, die jede für sich schon eine mit kunstvollen Spielfiguren verzierte Grundlinie ist. Was genau Brossier damit meint, erklärt er mit Tonbeispielen auf seiner Viola d‘amore.

Selbst bei ausgelassener Tanzbodenstimmung, in der die reine Lebensfreude lodert, hat die Musik doch eine große innere Ruhe und Stabilität, aus der heraus sich solche bewegten Momente erst richtig entwickeln können. Eine agile Hommage im Walzertakt feiert die Tradition der Musik der „Tsigan“, der Sinti und Roma, mit einer Melodie, in der Melancholie und Sehnsucht mitschwingen und die in einem zarten Flageolett-Zauber verhaucht.

Das Programm endet im letzten Stück mit einem Schlusston, den alle fünf Instrumente unisono streichen – ein mächtiges, fast überirdisches Summen. Mit zwei schönen Zugaben bedankt sich das Quintett für den begeisterten Beifall.  Nächste Termine: „eingerockt+ausgesungen“, ein fernes Lied aus Zwinglis Kindheit mit Jürg Kienberger: 31. Juli, 1. und 2. August, 21 Uhr

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