Kandern Naturschützer melden sich zu Wort

Am oberen Ortsrand von Feuerbach, wo sich jetzt noch eine Streuobstwiese befindet, ist ein Baugebiet geplant. Im Raum steht derzeit, dass Paragraf 13b des Baugesetzbuchs angewandt werden könnte – dann wäre keine Ausgleichsfläche nötig. Bei Naturschützern sorgt das für Unverständnis.

Von Saskia Scherer

Kandern-Feuerbach. In dem Paragrafen heißt es, dass Außenbereichsflächen in das beschleunigte Verfahren einbezogen werden können. „Er war eigentlich für den schnellen Wohnungsbedarf gedacht, nicht für Einfamilienhäuser im ländlichen Raum“, kritisierte Naturschutzbeauftragter Karlheinz Abt bei einem Ortstermin, zu dem die ANUO (Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz Oberbaden) eingeladen hatte. Unter anderem Vertreter des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), des Schwarzwaldvereins, des Naturschutzbunds und der IGAR (Interessengemeinschaft Althrein) waren gekommen.

„Das ist kein solcher Fall“, meinte auch sein Kollege Matthias Götz. Es könne nicht sein, dass die Dörfer so entstellt würden. 13b sei für Fälle gedacht, wenn die Innenentwicklung nicht ausreiche. „Aber in Kandern gibt es doch das Tonwerkareal, das ,Alte Sägewerk Freund’ oder das Gebiet ,Forsthausgarten’“, erinnerte Götz.

Bürger äußern ebenfalls Bedenken

Auch im Dorf rege sich Widerstand. Es gibt einen Brief, den 15 Bürger unterzeichnet haben und in dem unter anderem die zulässige Belastungsgrenze der Eggenerstraße und die Spritzperioden für den Rebbergbetrieb, an den das Gebiet direkt angrenzen soll, zur Sprache gebracht werden. Außerdem wird auf geschützte Fledermausarten, die im Gebiet leben, hingewiesen. „Vor einem Jahr gab es eine Präsentation, wie stolz man auf diese sei, das passt nicht zusammen“, ergänzte Götz.

Bei einer Behördenvoranhörung haben die Naturschützer bereits Stellungnahmen abgegeben. Ruth Noack BUND-Regionalverband Hochrhein erkundigte sich nach der Artenschutzprüfung. Diese sei auf alle Fälle nötig, berichtete Götz. „Da haben wir bei der Stadt auch Maximales gefordert.“

Aufstellungsbeschluss steht noch aus

Entschieden ist indes noch nichts: „Der Aufstellungsbeschluss im Gemeinderat steht noch aus, dort wird dann auch geklärt, ob die Anwendung des Paragrafen gewünscht wird“, erklärt Kanderns Hauptamtsleiter Reiner Pach auf Nachfrage unserer Zeitung. Dem müsste laut den Naturschutzbeauftragten dann ohnehin noch das Landratsamt zustimmen.

Derzeit gebe es noch naturschutzrechtliche Erhebungen, und man sei auch mit Bürgern im Gespräch. „Wir wollen vorab Einigkeit schaffen“, so Pach – auch, um gegenseitige Vorwürfe zu vermeiden.

Aus Verwaltungssicht sei das beschleunigte Verfahren aber empfehlenswert, findet der Hauptamtsleiter, „um Aufwand, Kosten und Zeit zu sparen“. Die Feuerbacher Bürger wollten sich baulich entwickeln, außerdem gebe es insgesamt eine große Nachfrage nach Bauland im Landkreis. „Dem muss man Rechnung tragen.“ Vor allem gehe es um „preislich erträgliche“ Bauplätze, und das sei in den Ortsteilen eher möglich. Nach einer Überarbeitung der Pläne sei von rund 21 Bauplätzen die Rede.

Natürlich habe er Verständnis für die Einwände. „Es ist klar, dass das nicht gerne gesehen wird.“ Aber der Gesetzgeber habe diese Möglichkeit nun mal geschaffen.

Naturschützer hoffen auf reguläres Verfahren

Falls ein reguläres Bebauungsplanverfahren mit Ausgleichsmaßnahmen zum Zuge käme, sei auch eine erneute Offenlage nötig. „Dann würden wir erneut Stellung nehmen“, erklärte Abt. Außerdem sei dann ein Umweltbericht erforderlich. Jetzt gehe es vor allem darum, Öffentlichkeit herzustellen und den Anwohnern zu zeigen, dass sie nicht alleine stünden.

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