Kandern Neues Leben für „Feuerfest“-Gelände

Adrian Steineck
Der Industrieschornstein, der das Areal „Hintere Mühle“ prägt, steht unter Denkmalschutz. Hier könnte in den kommenden Jahren ein Gewerbepark entstehen. Foto: zVg/Kandern Feuerfest

Wie es mit dem ehemaligen Betriebsgelände von „Kandern Feuerfest“ an der Feuerbacher Straße weitergeht, war Thema im Gemeinderat.

Das Interesse war groß, die Zuhörerreihen des Sitzungssaals im Kanderner Rathaus entsprechend gut besetzt, als der Lörracher Architekt Frank Hovenbitzer und Gutachter Donato Acocella vom gleichnamigen Lörracher Planungsbüro die Pläne für das „Hintere Mühle“-Areal präsentierten. Die beiden haben in zweijähriger Arbeit im Auftrag von Michael Kammüller, dem Besitzer des Areals, eine Konzeptstudie erarbeitet, die sie im Gemeinderat präsentierten. Sie betonten, dass es sich bisher lediglich um einen Vorentwurf handelt. Im weiteren Vorgehen gelte es, eine realistische Kostenschätzung zu erstellen, auf deren Grundlage Förderanträge gestellt werden können. Danach könne der Gemeinderat entscheiden, ob die Pläne weiter verfolgt werden sollen.

Gewerbepark als Option

Wo bis zum 31. Dezember 2020 unter anderem feuerfeste Schamottsteine hergestellt wurden, könnte in den kommenden Jahren ein Gewerbepark mit kulturellen Einrichtungen entstehen. Der Industrieofen und der das Gelände prägende Industrieschornstein, der unter Denkmalschutz steht, sollen erhalten bleiben und könnten zukünftig etwa Teil eines Industriemuseums sein.

Gemeinsam mit der Stadt Kandern, die sich im Mai 2021 das Vorkaufsrecht auf das Areal gesichert hat, und Jasmin Hartmann, der Leiterin des Kanderner Heimat- und Keramikmuseums, suche man nach gangbaren Wegen.

Ort der Keramikgeschichte

Dabei fällt auch ins Gewicht, dass das Heimat- und Keramikmuseum im Staffelgiebelhaus aufgrund von Brandschutzvorschriften und Vorgaben zur Barrierefreiheit nur in eingeschränktem Maß öffentlich genutzt werden kann. „Es dürfen maximal zehn Leute gleichzeitig hinein“, sagte Acocella. Das mache den Besuch des Museums etwa für Schulklassen schwierig oder gar unmöglich.

Daher wurde angedacht, Industrie- und Kunstkeramik auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Schamottfabrik unter einem Dach zusammenzuführen. Damit würde eine weit über die Stadt Kandern hinausreichende Dokumentation der Ton- und Keramikgeschichte ermöglicht, heißt es in der Beschlussvorlage. „Das ist eine Jahrhundertchance“, sagte Acocella. Kandern laufe Gefahr, zur „Schlafstadt“ zu werden, legte er dar und zitierte den Fürsten Tancredi aus Luchino Viscontis Historienfilm „Der Leopard“ (1963): „Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert.“ Für ihre Präsentation erhielten Hovenbitzer und Acocella spontanen Beifall.

Studie in Auftrag gegeben

Bürgermeisterin Simone Penner ging auf die Optionen ein, die es für die Verwaltung zu prüfen gilt. Dies sind die Beibehaltung des Heimat- und Keramikmuseums im Staffelgiebelhaus, die Zusammenführung mit einem möglichen Industriemuseum sowie weitere Optionen zur Nutzung des Staffelgiebelhauses. „Es geht um die Frage, wie wir unsere Schätze lagern“, sagte die Bürgermeisterin. Eine Machbarkeitsstudie soll hier weiterhelfen. Diese gibt die Verwaltung beim Büro Wilhelm & Hovenbitzer & Partner sowie bei Acocella in Auftrag. Die Kosten liegen bei rund 46 000 Euro. Zur finanziellen Unterstützung der Stadt Kandern soll ein Antrag auf Strukturförderung beim Landkreis Lörrach gestellt werden, der hierfür ein eigenes Strukturförderprogramm bereithält. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt bei 23 000 Euro. Über die Förderung beschließt der Umweltausschuss des Kreistags.

Die Gemeinderäte stimmten der Vergabe der Machbarkeitsstudie vorbehaltlich der Förderung einstimmig zu.

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