Kandern Schreiben, auch um zu verstehen

Im Rentenalter hat Uwe Trostmann seine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt.Foto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Kandern - Einen spätes, aber umso ambitioniertes Debüt als Autor hat jetzt Uwe Trostmann hingelegt. Gleich drei sehr unterschiedliche Romane sind von ihm dieses Jahr im Self-Publishing-Verlag „tredition“ erschienen. Mit Eintritt in den Ruhestand suchte der Wahlkanderner nach neuen Herausforderungen – und fand sie.

30 Jahre lang hat Trostmann in der Antibiotika-Entwicklung gearbeitet, war als Manager mit internationalen Teams in der ganzen Welt unterwegs. „Ich wollte gerne etwas ganz anderes machen, als ich mit 64 Jahren aufgehört habe“, sagt Trostmann heute. Als Gasthörer schrieb er sich an der Uni Freiburg für Politologie, Soziologie und Geschichte ein. Parallel dazu begann er, Bücher zu diesen Themenbereichen zu schreiben.

„Fake“ wurde sein erstes Buch, es war schon einmal in einem anderen Verlag erschienen. Etwas abgewandelt und mit dem Titel „Fake oder die Wahrheitsmacher“ ist dieser aktuelle politische Roman neu aufgelegt worden.

In „Fake“ werden die politischen Laufbahnen zweier sehr unterschiedlicher Charaktere gegenübergestellt: Der Arbeitslose Hans Weiser macht Karriere in einer rechtspopulistischen Partei; Der junge Einwanderer Emre Saymed kämpft sich derweil in einer weltoffenen Partei nach oben. Immer wieder geraten die beiden aneinander.

„Es geht um Populismus und die Verrohung der Gesellschaft“, sagt Trostmann. Ein Freund habe ihm gesagt, er habe eine gute Methode gefunden, um diese Mechanismen zu durchleuchten.

Ein ganz anderes Kapitel der deutschen Geschichte schlägt der Autor mit „Fischhaut“ auf. Im Mittelpunkt steht der junge Heinrich Wilkowsky, der sich 1933 durch Eintritt in die Reichswehr seiner Verhaftung entzieht. Dort trifft er auf Kriminalrat Thurnbrück. Das Schicksal führt die beiden sehr unterschiedlichen Männer immer wieder zusammen. Es entsteht eine gegenseitige Abhängigkeit, die bis in die Nachkriegsjahre hineinreicht.

Für Trostmann war dieser Roman der Versuch, Geschichte aufzuarbeiten, zu verstehen, wie sich gebildete Menschen einem Totalitarismus verschreiben können. Sein Hauptcharakter, dem es immer wieder gelingt, in brenzligen Situationen abzutauchen und „durchzuflutschen“, hilft ihm bei dieser Annäherung an das für ihn Unverständliche.

Schon viel früher – noch während seiner Geschäftsreisen im Flieger – hat Trostmann damit begonnen, Jugenderinnerungen aufzuschreiben. Doch erst, als er eine Lektorin seines Vertrauens kennenlernte, der er die früheren Aufzeichnungen zum Lesen gab, wurde auch daraus noch ein Roman. „Mensch, da ist was dran“, fand die Lektorin, nicht zuletzt deshalb, weil Geschichten aus den 50er- und 60er-Jahren relativ selten erzählt würden.

„Wie die Nummer 5 zum Halten kam“ heißt Trostmanns autobiografisches Werk, das in Freiburg-Haslach spielt. Es geht um Familien, die ohne Hab und Gut als Flüchtlinge aus Ostpreußen kamen, um das Aufbegehren gegen „autoritäres Gehabe“ der Kriegsgeneration, um das Nutzen von Chancen und den Aufbruch in die Welt in den 70er-Jahren.

Der spätberufene Autor bedauert, wegen Corona derzeit keine Lesungen abhalten zu können. Letztendlich macht ihm das Schreiben aber einfach Spaß. Und so hat er auch schon neue, wieder ganz andere Roman-Projekte im Visier.

Am Anfang steht immer eine Idee, von der sich der Autor angesprochen fühlt. Dann müsse er schreiben und dranbleiben, um in den „Flow“ zu kommen, erklärt Trostmann, wie er am effektivsten arbeitet.

Weitere Informationen: https://tredition.de/autoren/uwe-trostmann-29850/

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