Kandern - Diese elf Männer sind stets zuverlässig, überpünktlich und allzeit bereit – jedenfalls freitags. Seit nunmehr 30 Jahren trifft sich der Kanderner Rubbel-Club (KRC) jeden Freitag um 19 Uhr am „Rubbel-Tisch“ im Gasthaus „Sonne“.

Anlass zur Gründung war die Eröffnung von „Freddy’s Pilsstüble“, der Dependance der „Sonne“, im Herbst 1989. Doch als Oskar Baumgartner seine Kneipe im Jahr 2011 aufgab, zog man um ins „Mutterhaus“. 30 Jahre à 52 Wochen, macht 1560 Stammtische – hochgerechnet in Schorle: „Da kommt schon etwas zusammen“, schmunzelt Schriftführer „Stöppi“ alias Helmuth Seiter. Die Mengen lassen sich bei diesen Großabnehmern eher in Kubikmetern als in Litern ermitteln.

Gerade um den Jahreswechsel wird’s eng im Terminkalender. Denn zu den Freitag-Terminen werden weitere Ereignisse gebührend begangen, wie etwa die Nikolausfeier, die Jahresabschlussfeier und Silvester. Damit kein Event vergessen wird, erinnert der „Schri-Fü“ in aller Regel per Rundschreiben ans vollzählige Erscheinen.

Die Regularien sind streng: Wer zu spät kommt, bezahlt eine Runde. Wer unentschuldigt fehlt ebenfalls. Für jede Teilnahme werfen die Rubbler einen Obolus ins Sparschwein. „Die Mindestgebühr ist ein Euro“, erklärt Seiter, der die Rubbler-Vereinigung auch gerne als „Lionsclub für Arme“ beschreibt.

Wer in der zurückliegenden Woche Geburtstag gefeiert hat, spendiert seinen Kameraden am darauffolgenden Freitag eine warme Mahlzeit. Da lässt sich natürlich keiner der Stammtisch-Brüder lumpen: So sind zum Beispiel Kalbshaxe mit opulenten Beilagen oder Zunge mit „breite Nudle“ auf den Tellern gern gesehen. Häufig setzt dann der noble Spender die Regularien bis etwa 22 Uhr außer Kraft und übernimmt auch noch die Getränke.

Hervorgegangen ist der „Rubbelclub“ aus einem losen Handwerkerstammtisch, der sich damals zum gepflegten Wochenausklang-Schorle getroffen hat. Längst haben sich auch Nicht-Handwerker dazugesellt. Vor dem wöchentlichen Treffen hat man in „Ullas Schreibwarenladen“ einen Block Rubbellose erworben und hoffte auf den großen Gewinn. Tatsächlich gewannen die Rubbler im Jahr 1994 satte 25 000 Mark. Mit dem Geld reisten sie geschlossen zur Fußball-Weltmeisterschaft in die USA.

Mit Gewinn Fußball-WM in den USA besucht

Der jährliche Rubbel-Ausflug dient auch der intensiveren Kameradschaftspflege. Dieser „Team-Erhaltungsprozess“ fand schon mehrfach im Haslinger-Hof in Bad Füssing statt, während verschiedener Radtouren an Main, Mosel oder Bodensee, in Spanien, auf Gran Canaria sowie auf einer Ostsee-Kreuzfahrt.

Mitgliedschaft auf Lebenszeit

Eine Mitgliedschaft im Rubbel-Club ist ein ehe-ähnliches Verhältnis. „Abmelden geht nicht. Bei uns kann man nur auf biologischem Weg ausscheiden“, erklärt der Schriftführer. Und so hat der Tod bereits mit Wolfgang Walliser und Horst Weber zwei treue Mitglieder vom Rubbel-Club geschieden.

Irgendwann waren die Rubbler des Rubbelns müde. Seitdem spielen sie Lotto und hoffen darauf, dass sie eines schönen Tages den Jackpot knacken. Bis dahin füttern sie ihr Sparschwein mit ihren eigenen Spenden.

Und wenn die „Rubbel-Sau“ am Ende des Jahres geschlachtet wird, ist der Inhalt auf einen satten vierstelligen Betrag angewachsen. Dieser kommt dann einem guten Zweck zugute.

So spendierte der KRC bereits die Beleuchtung der Kanderner Stadtkirche, stiftete das eine oder andere Bänkli in der Innenstadt oder überreichte einigen Kanderner Vereinen eine Spende für die Nachwuchsarbeit.

In diesem Jahr dürfen sich die Ringer und die Fußballer aus Kandern über jeweils 750 Euro freuen.