Kandern Sie nannten sie Juschka

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Zeichnung von Johannes Beyerle Foto: Birgit-Cathrin Duval

Flucht, Ausgrenzung, Vielfalt und Toleranz: Darum dreht sich ein Abend zur Frage nach Verantwortung.

Auf dem Areal der ehemaligen Kanderner Tonwarenfabrik Kammüller findet am Freitag, 5.Juli, um 19 Uhr unter dem Titel „Sie nannten sie Juschka“ eine künstlerische Veranstaltung zu den Themen Flucht, Ausgrenzung, Vielfalt und Toleranz statt.

Blick auf Geschichte

Über viele Jahrzehnte war die Tonwarenfabrik Kammüller ein nicht wegzudenkender Teil Kanderner Identität. In dem mittelständischen Betrieb, der in liberaler, freiheitlicher Familientradition geführt wurde, fanden viele Bürger ihren Arbeitsplatz.

Juschka, eine aus der heutigen Ukraine stammende Frau, deren tatsächlicher Name Josepha Kochanska lautet, wurde 1942 der Kanderner Tonwarenfabrik als Zwangsarbeiterin zugeteilt. Sie war in der Familie Kammüller integriert, arbeitete als Hausgehilfin und hielt bis in die 60er Jahre hinein Kontakt. So steht Juschka, wie sie genannt wurde, stellvertretend für all jene Zwangsarbeiter, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs trotz aller Repressalien Fürsorge und Mitmenschlichkeit erleben durften.

Seit dem Jahr 2020 ist das Gelände der Firma „Kandern Feuerfest“ stillgelegt. An diesem Ort, in dieser Stille beziehen vier Gesprächsteilnehmer Stellung, heißt es in der Ankündigung. Auf den Wänden der ehemaligen Lagerhallen erscheinen großflächig projizierte Zeichnungen des Künstlers Johannes Beyerle. Sie wechseln sich mit prägnanten Textpassagen von Betroffenen ab, welche die Historikerin Kathryn Babeck gesammelt und zusammengetragen hat. Johannes Beyerle zeigt aus Lehm und Weißerde geschaffene Büsten, Körper und Gesichter, die sich mit ihrer morbiden Konsistenz in die verlassenen Räume des Areals einfügen.

Innerhalb dieser Atmosphäre führt Kathryn Babeck mit den Teilnehmern ein Gespräch. So wird Christine Ableidinger-Günther, Arbeitskreis Miteinander aus Steinen, von ihren Erfahrungen mit Geflüchteten berichten. Die Journalistin und Fotografin Birgit-Cathrin Duval recherchiert zu acht Zwangsarbeitern, die kurz vor Kriegsende von zehn Jugendlichen im Kleinen Wiesental auf Befehl erschossen wurden.

Erinnerungskultur

Des Weiteren wird Jan Stauffer, Vorsitzender des Fördervereins Erinnerungskultur Müllheim, die Sprache von Rechtspopulisten genauer unter die Lupe nehmen. Ingo Benz, Schreinermeister aus Kandern, berichtet von einer mehrmonatigen Fahrradtour nach Ägypten. Die Ärmsten der Armen haben ihm dort Gastfreundschaft entgegengebracht, eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt.

„Sie nannten sie Juschka“: Freitag, 5. Juli, 19 Uhr, ehemalige Tonwarenfabrik, Feuerbacher Straße 16, Kandern; Eintritt frei

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