Kandern „So etwas will man nicht erleben“

Eine große Feuerwehrübung mit technischer Hilfeleistung nach einem angenommenen Zusammenstoß zweier Autos hielt die Wollbacher Feuerwehr zusammen mit dem DRK Wollbach ab. Foto: Jutta Schütz Foto: Weiler Zeitung

Von Jutta Schütz

Ein angenommener Verkehrsunfall mit zwei verletzten Personen und zeitgleich ein Gefahrstoffunfall mit auslaufendem Dieselkraftstoff: Das war das anspruchsvolle Szenario, dem sich die Wollbacher Feuerwehrabteilung zusammen mit dem Wollbacher DRK im Neubaugebiet Hofrütte stellte. Zum Einsatz kam dabei die komplette Ausrüstung.

Kandern-Wollbach. „Nein, so einen Unfall will man gewiss nicht erleben.“ Das war das Fazit der vielen Zuschauer, die trotz strömenden Regens gekommen waren und auch während der gut einstündigen Rettungsaktion dabei blieben. Denn das, was sie zu sehen bekamen, war wirklich spannend.

Kinder in einem kleinen Transportbus waren die angenommenen Zeugen des Unfallgeschehens. Zwei Löschfahrzeuge der Kanderner und Wollbacher Feuerwehr, ausgestattet mit der Ausrüstung für eine technische Hilfeleistung, fuhren vor, dazu ein Mannschaftstransportwagen.

Die Jugendfeuerwehr übernahm zusammen mit erfahrenen Feuerwehrleuten den Aufbau für einen Löscheinsatz. Einsatzleiter war Wollbachs Feuerwehrkommandant Thomas Sütterlin, Einsatzleiter bei den DRK-Helfern war Felix Mehlstäubler. 20 Feuerwehrleute und mehrere DRK-Helfer waren vor Ort. Die Feuerwehr barg die Personen aus den verunglückten Fahrzeugen, die DRK-Helfer übernahmen die Erstversorgung, dazu hatte Familie Scheidbach ihre Garage zur Verfügung gestellt. Der Traktor, aus dessen Anhängeraufsatz Diesel auslief, war schnell im Griff, der Kraftstoff wurde abgeleitet und aufgefangen.

Schwieriger gestaltete sich die Personenrettung. „Solche Unfälle, wie wir sie hier haben, kommen durchaus in dieser Schwere im Kandertal vor“, berichtete Thomas Sütterlin. Die beiden „Unfallautos“, die auf einer Straßenkreuzung zusammengeprallt sein sollten, hatte der örtliche Autohändler gestellt.

Die Bergung einer älteren Person aus dem einen Kleinwagen gestaltete sich noch relativ einfach. Die zweite Person aber war eingeklemmt, der Airbag war nicht ausgelöst. Um den Verunglückten und auch die Helfer vor einer plötzlichen Airbag-Explosion zu schützen, wurde das Lenkrad mit einem Airbagschutz abgeklemmt. Der „Verunglückte“ wurde mit einem Helm und Sichtschutz sowie einer Plane gegen mögliche Splitter abgesichert.

Dann zerlegten die Feuerwehrleute das Auto in seine Einzelteile, wobei der riesige Spreizer eines der wichtigsten Bergungsinstrumente war. Türen wurden ausgebaut, die Windschutzscheibe herausgeschnitten, das Dach abgehoben, um schließlich den Verletzten schonend zu bergen.

„Je schneller wir bergen können, desto höher ist die Überlebenschance. Wir kennen bei den älteren Autos die Punkte, an denen man ansetzen muss. Bei den neueren Modellen aber gibt es Karosserieversteifungen, wo man die Rettungsschere nicht ansetzen kann“, erklärt Sütterlin. Rettungskarten helfen dabei den Feuerwehren. Diese kann man mit Informationen zur Autokarosserie aus dem Internet herunterladen. 

Nach Einschätzung der ADAC-Unfallforschung könnte die Zahl der Verkehrstoten in Europa um bis zu 2500 Personen pro Jahr reduziert werden, wenn jedes Auto eine Rettungskarte an Bord hätte. Die Rettungskarte wird immer wichtiger, da moderne Autos insbesondere im Bereich der Fahrgastzelle immer robuster werden. Dies ist zum Schutz bei einem Crash notwendig, kann aber die Rettung nach einem Unfall verzögern, wenn wertvolle Zeit für die Suche nach geeigneten Stellen zum Aufschneiden des Wracks verstreicht. (Quelle: ADAC)

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