Kandern Sozialwohnungsbau vorerst gestoppt

Alexandra Günzschel
Bei der Zufahrt zum Baugelände in der Kandermatt wird es vorerst bleiben. Foto: Alexandra Günzschel

Das Mehrfamilienhaus in der Kandermatt kann vorerst nicht gebaut werden. Einer überarbeiteten aktuellen Kostenschätzung zur Folge fehlen der Stadt Kandern zwei Millionen Euro zur Finanzierung der Sozialwohnungen, die zunächst der Anschlussunterbringung dienen sollten. Die Ausschreibung für das Projekt ist fürs Erste auf Eis gelegt. Nach Lösungen zur Finanzierung wird gesucht.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Judita Kovac, Fachbereichsleiterin für den Hochbau bei der Stadt, erläuterte die Einzelheiten. Demnach weicht die aktuelle Kostenschätzung um 30 Prozent von jener im November ab. Die Baupreissteigerung hat auch bei dem Sozialwohnungsprojekt voll zugeschlagen, wie die neue Kostenermittlung nach Einzelbauteilen ergeben hat. Um bis zum ursprünglich geplanten Bauende in anderthalb Jahren vor weiteren Überraschungen gefeit zu sein, wurde in die aktuelle Berechnung zudem ein Aufschlag von 15 Prozent mit eingerechnet. „Wenn wir bauen, muss das Geld im Haushalt zur Verfügung stehen“, erklärte Kovac dieses Vorgehen. Am Ende stand eine Prognose von 4,1 Millionen Euro. Im November war die Stadtverwaltung noch von 2,9 Millionen Euro ausgegangen. Im aktuellen Haushalt stehen für das Bauprojekt lediglich 2,1 Millionen Euro bereit. An Planungskosten wurden bisher 120 000 Euro ausgegeben.

„Wir haben uns den Kopf zerbrochen“, erklärte Bürgermeisterin Simone Penner. So gab es beispielsweise Überlegungen, den Neubau abzuspecken. Doch dass hätte ihn am Ende nur unwirtschaftlicher gemacht, wie Kovac darlegte, da dann der Preis pro Wohneinheit gestiegen wäre.

Haushaltsberatungen sollen die Lösung bringen

Und so blieben am Ende nur zwei Möglichkeiten, die dem Gemeinderat als Alternativen zur Abstimmung vorgelegt wurden: Der Versuch, einen externen Bauträger zu finden, dem die vorangeschrittene Planung gegen ein Entgelt zur Verfügung gestellt wird oder das Aufschieben des Projekts in der Hoffnung, dass bei den Haushaltsberatungen eine Lösung gefunden wird.

15 Gemeinderatsmitglieder entschieden sich für das vorübergehende Pausieren. Bürgermeisterin Penner hätte die Suche nach einem externen Träger bevorzugt, obgleich sie die Chancen als gering erachtete, zumal die Sozialwohnungen zunächst der Anschlussunterbringung dienen sollten.

„Da sind knallharte Abwägungen nötig.“ So stellte Rechnungsamtsleiter Benedikt Merkel die Lage dar. Denn wenn in der Kandermatt gebaut werden soll, müssen andere wichtige Vorhaben dafür zurücktreten. Ein finanzielles Polster hielt er jedenfalls für unabdingbar, um auch noch in den kommenden Jahren agieren zu können. Dazu sei die Kreditaufnahme für Kommunen schwieriger geworden. Dass Landratsamt wisse, dass sie sich derzeit überfordern könnten und achteten sehr darauf.

Bei der Diskussion im Ratsrund wurde noch einmal Kritik an den vielen Verzögerungen laut. Denn eigentlich hätte das Gebäude schon vor Jahren stehen sollen. Die aktuellen Preissteigerungen auf dem Bausektor wären dann kein Problem gewesen. Bedauert wurde zudem, dass die bereits bewilligten Fördergelder in Höhe von rund 370 000 Euro nun möglicherweise verfallen werden.

Einen Antrag auf Gründung eines Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft, analog zu den Eigenbetrieben für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, brachte die SPD-Fraktion ein. Über einen solchen Eigenbetrieb, so der Vorschlag, könne dann auch der Unterhalt bereits vorhandener vermieteter Immobilien laufen.

Immerhin sieht es mit der Unterbringung von Flüchtlingen derzeit gar nicht so schlecht aus. Allein durch Leerstand in angemieteten Wohnungen kann etwa die Hälfte der 45 zugewiesenen Personen untergebracht werden. Penner sprach von weiteren 43 ukrainischen Flüchtlingen, die privat untergekommen seien, wofür sie sich bei der Bevölkerung bedankte, die oftmals viel schneller und flexibler reagieren könne.

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