Kandern Trauer um bekannte Mundartdichterin

Liesel Meier verstand es zu unterhalten. Foto: bb Foto: Weiler Zeitung

Kandern - In der Nacht auf Sonntag ist im Alter von 85 Jahren die Mundartdichterin Luise Katharina (Liesel) Meier, auch bekannt als „Breiti-Lieseli“, verstorben. Mit ihren alemannischen Gedichten war sie weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt geworden. Auch die „Alemannische Wikipedia“ hat ihr einen Eintrag gewidmet.

Die Tochter des Landwirteehepaars Karl und Hilda Bromberger wuchs auf dem St.  Johannis-Breite-Hof auf. Für den Schulbesuch musste sie vier Jahre lang einen täglichen Fußmarsch nach Kandern absolvieren. In Sitzenkirch gab es mangels Schülern erst nach Kriegsende wieder Unterricht.

Nach einem Haushaltsjahr in Lörrach half Liesel Bromberger im elterlichen Betrieb mit. Beim Tanz lernte sie Emil Meier aus Tannenkirch kennen und wohnte nach der Hochzeit 1955 weiter auf der Breite. Drei Töchter wuchsen heran, zu den Nachkommen zählen inzwischen sieben Enkel und auch Urenkel.

1965 zog die junge Familie ins eigene Haus nach Feuerbach. Dort fand Liesel Meier dank ihrer offenen und geselligen Art neben Familie, Haus und Garten auch Aufgaben in der Kirchengemeinde und im örtlichen Gesangverein. Man schätzte sie in Feuerbach bis ins fortgeschrittene Alter als aktives Chormitglied, als zweite Vorsitzende und auch als Kirchenälteste. In der Einliegerwohnung beherbergte sie jahrelang Feriengäste.

Im Fernsehen zu sehen

„Was bin ich?“ Bei der Fernseh-Ratesendung von Robert Lembke stellte sich Liesel Meier einst genau diese Frage – und fand die Antwort: „ä Huusfrau un sunscht nüt“. Dies habe ihr den Impuls gegeben, die Erfahrungen, Freuden, Sorgen und Nöte dieses Berufsstands aufzuschreiben, in Versform zu bringen und ihre Mitmenschen schriftlich und mündlich damit zu unterhalten.

Die erste Auflage von 1000 Exemplaren ihres Büchleins „Ä Huusfrau…“ war 1989 schnell vergriffen – in ihrem Umfeld war das „Breiti-Lieseli“ nämlich längst zu einem Begriff geworden. Bis 2007 folgten weitere fünf Druckerzeugnisse aus ihrer Feder.

Anstöße zu ihren Reimen fand sie überall – kaum ein Thema aus Familie, Verein, Wirtschaft, Politik oder Natur, Feld, Wald und Wiese, dem sie nicht eine Geschichte in Versform widmete und dabei auch nicht mit kritischen Anmerkungen geizte.

Im Laufe der Zeit wurde Liesel Meier immer öfter aufgefordert, bei allerlei Anlässen zur Unterhaltung beizutragen. Immer größer wurde ihr Aktionsradius. Bald verging keine Woche ohne Auftritt – bis ein Schlaganfall im Jahr 2012 ihrem Wirken jäh ein Ende bereitete. Seither lebte Liesel Meier im Betreuten Wohnen in Kandern.

Viele Ehrungen

Längst pflegte das „Breiti-Lieseli“ beste Kontakte zu den Muetterspröchlern und hatte gemeinsame Auftritte mit Mundartpoeten der Region, als ihr nach und nach für ihren kulturellen Einsatz – für Erhalt und Pflege der alemannischen Mundart – verdiente Ehrungen zuteil wurden: 2001 die Verleihung der Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette, 2008 die Verdienstmedaille der Muettersproch-Gesellschaft sowie 2009 die Ehrenmedaille der Stadt Kandern.

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