Kandern Trauer um den Galeristen Robert Keller

Jürgen Scharf
Die Kunstszene der Region trauert um den Kanderner Galeristen Robert Keller. Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Kandern. Seit zweieinhalb Jahren war es ruhig geworden um die Galerie Robert Keller in Kandern. Der Galerist hat die Corona-Jahre in dem abgelegenen Dörfchen Reitwein in Brandenburg verbracht, wo seine Tochter eine Gärtnerei für Wildpflanzen betreibt. Er fühlte sich dort im Alter wohl, aber er machte sich doch Gedanken, wie es mit seiner Galerie in Kandern weitergehen soll. Nun ist Robert Keller im Alter von 84 Jahren gestorben – eine traurige Nachricht für die Kunstfreunde und Künstler der Region.

1996 hat er seine Galerie in dem 300 Jahre alten Haus am Kirchplatz in Kandern eröffnet und weit über 120 Ausstellungen gezeigt. Alle gaben sie Keller die Ehre: der Bildhauer Jürgen Brodwolf, das New Yorker Künstlerpaar Kirsten und Michael Doyle, die Markgräfler Kunstpreisträger Bernd Völkle und Peter Bosshart, Karlheinz Scherer, Franz Gutmann und Artur Stoll.

Es war eine Galerie, wie es weit und breit keine zweite gab. „Kunst macht mich glücklich“, sagte Robert Keller einmal von sich selbst. Viele der namhaften Künstler haben spezielle Werke für die Räume, richtige Rauminstallationen geschaffen.

Mit der roten Eingangstür, den alten Fußböden, Holzbalken, dem abgeblättertem Putz an den Wänden, der steilen Treppe und der niedrigen Decke ist dieses heimelige Haus an der Ziegelstraße immer einladend gewesen. Als es Keller kaufte und mit Hilfe des Architekten Günter Pfeifer behutsam und liebevoll renovierte und zu Galerieräumen einrichtete, war es ziemlich heruntergekommen. Ein Haus mit einer spezifischen Aura, in dem Robert Keller sich seinen Traum von der eigenen Galerie verwirklichte.

Der gelernte Gärtner und ehemalige Lehrer, der sich erst mit 58 Jahren nach dem Berufsleben diesen Galeristentraum erfüllte, hatte zuvor schon Galerieluft in der Badenweiler Galerie Krohn geschnuppert, was ihn dazu bewog, selber Galerist zu werden. Seine Galerie wurde eine besondere Adresse für zeitgenössische Kunst mit einigen spektakulären Schauen wie dem aus Istein stammenden Klangkünstler Trimpin.

Zu Kellers Galeriekonzept gehörte, dass er Künstler aus der Region ausstellen wollte. Neben der aktuellen Kunst galt seine Liebe dem Markgräfler Maler Adolf Strübe, dessen Nachlass er betreute, hegte und pflegte. Strübes Bilder waren in seiner Galerie die am meisten ausgestellten. Zeitweise hatte er für den umfangreichen Strübe-Fundus einen Extraraum am Marktplatz angemietet, der den großformatigen Arbeiten diente.

Anfang 2000 betrieb Keller für zwei Jahre parallel eine weitere Galerie in Berlin, konnte dort aber nicht Fuß fassen, es blieb ein Traum, „war für mich aber eine wichtige Erfahrung“, so der Galerist später.

Mehr als 25 Jahre lang füllte ihn der Umgang mit Bildern und Künstlern aus. Der kunstsinnige Galerist machte sich auch in einer viel beachteten Protestaktion für den Erhalt alter Häuser in Kandern stark. Als er 80 wurde, sinnierte er über seine Jahre mit der Kunst: „Ich bin zwar nicht reich geworden, aber reich an Erlebnissen“.

Robert Keller wurde im Kinzigtal geboren, arbeitete in Köln in seinem ersten Beruf als Gärtner, besuchte in Frankfurt das Abendgymnasium, studierte an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und wurde Grund- und Hauptschullehrer. Er unterrichtete in Steinen, Kandern und Egringen und zog 1970 mit seiner Familie nach Riedlingen. Vergangene Woche ist er in Brandenburg 84-jährig verstorben.

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