Kandern Unterwegs zu Höfen der Region

Janine Ak

Nach zweijähriger coronabedingter Pause gab es am Donnerstagnachmittag eine Neuauflage der Bürgerfahrt, zu der Landrätin Marion Dammann in der Regel jeden Sommer einlädt. Ziel ist es, Interessierten vor Ort Einblicke in die Landwirtschaft der Region zu geben. Diesmal ging es zum Rüttehof in Kandern-Wollbach, wo sich alles um den Apfel dreht, und zum Weingartenhof, wo Erdbeeren bis Anfang September geerntet werden.

Von Janine Ak

Markgräflerland. Obstbauer Karlfrieder Fischer gab Einblicke in die Arbeit seiner Familie. Der Hof wird mittlerweile in dritter Generation geführt: Seine jüngere Tochter Kathrin Graeb lebt dort mit ihrem Ehemann Johannes und den beiden Kindern im Grundschulalter. Die 31-Jährige vermarktet den Apfelsaft aus der eigenen Mosterei, Selbstgebackenes aus der eigenen Bäckerei und viele weitere Produkte im Hofladen. Im Frühstücksstüble gibt es mittwochs bis sonntags von 8.30 bis 12 Uhr ein Buffet. Das laufe so gut, dass Besucher reservieren müssten, um einen Platz zu bekommen, erzählte sie.

Den Apfelsaft können Besucher nicht nur vor Ort trinken, sondern auch im Kunststoffbeutel im Saftkarton mit nach Hause nehmen und sich ihn dort Glas für Glas abzapfen. Der Saft hält auch angebrochen bis zu einem halben Jahr ungekühlt – das Vakuum im Beutel macht’s möglich.

Bei einem Umtrunkt konnte sich die Gruppe anschließend vom natürlichen Aroma des Saftes selbst überzeugen – als Schorle ein willkommener Durstlöscher. Hatte Karlfrieder Fischer doch zuvor bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius in der Obstplantage die Besonderheiten des Anbaus erläuert: Standen früher auf einem Hektar etwa 100 Bäume, so sind es heute 3500. „Die Bäume sind heute nur noch 80 Zentimeter schmal, die Äpfel daran optimal verdichtet“, erläuterte der Obstbauer. Er setze Rot- und Grünalgen ein, um Äpfel und Blätter vor Verbrennungen zu schützen: „Die hängen hier in der Windstille – da hat es 50 bis 55 Grad auf dem Apfel – fast schon ein Bratapfel“, scherzte er.

Tipp: überstehende Triebe abbrechen

Interessant war für die Hobbygärtner unter den Besuchern der Tipp, überstehende Triebe nicht abzuschneiden, sondern abzubrechen. „Das sendet ganz andere Signale an den Baum.“ Beim Schneiden kämen die Triebe im kommenden Jahr stärker zurück.

Anschließend ging es wieder in den gut klimatisierten Bus, der die Teilnehmer zur zweiten Station der Rundfahrt brachte: den Weingartenhof in Fischingen, der von den Geschwistern Susanne und Georg Denzer und ihren Familien geführt wird. Sie bauen Wein, Spargel, Erdbeeren und Kirschen sowie Äpfel, Birnen und Gemüse.

Der Landwirt überraschte seine Gäste mit Eis, das von Erdbeeren gekrönt wurde – und das im August! Während die roten Früchte ihre Saison normalerweise von Mitte Mai bis Mitte Juni haben, erntet Familie Denzer von Ende März bis Anfang September. Möglich machen es sogenannte remontierende Erdbeeren, die mehrmals pro Saison blühen und Früchte produzieren. Ein Folientunnel schützt sie vor den kühlen Temperaturen im April und September.

In Efringen-Kirchen im Ortsteil Kirchen schauten sich die Besucher den Erdbeer-Anbau der Familie Denzer aus der Nähe an. Die Früchte wachsen in Hochbeeten, sodass eine effektive Ernte mit weniger Arbeitskräften möglich ist. Denn eine Herausforderung für die Obstbauern sei, dass die Saisonarbeitskräfte den aktuellen Mindestlohn von 10,45 Euro pro Stunde bekommen, und nicht mehr wie vor wenigen Jahren nur acht Euro, so Klaus Nasilowski, Obstbauberater des Landratsamts Lörrach. Er begleitete die Fahrt und ordnete die Ausführungen der Landwirte in den größeren Zusammenhang ein.

Familie Denzer möchte ihre langjährigen, mit dem Betrieb vertrauten Saisonarbeitskräfte halten. Daher stellt sie ihnen Kost und Logis, hat sogar eine Unterkunft für die Mitarbeiter gebaut, welche die Gruppe anschauen durfte.

Der Familienbetrieb hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um seine Obstkulturen gegen durch den Klimawandel häufiger auftretende Wetterextreme wie Starkregen, Hagel und Sonnenbrand zu schützen. Nicht nur die Erdbeeren wachsen im Folientunnel, auch die Kirschbäume gedeihen unter Foliendächern auf Holzpfählen. In der Region sei die Familie Denzer die erste, die das so macht, während es in Nord- und Mittelbaden sowie anderen Regionen Deutschlands schon üblich sei.

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