Kandern Vom Schaffner bis zum Lokführer

Weiler Zeitung, 11.06.2018 22:51 Uhr

„Wir brauchen Dich – komm zu uns!“ Mit diesem Slogan hatte der Kandertalbahnverein am Samstag zu einem Infotag auf das Bahngelände in Kandern eingeladen. Sinn und Zweck dieses Infotags war es, Menschen gleich welchen Berufs für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Kandertalbahn zu gewinnen.

Von Reinhard Cremer

Kandern. Zwar ist die Unterhaltung der Strecke Haltingen – Kandern, der darauf befindlichen Bahnanlagen, Brücken und Gebäude Sache des Zweckverbands Kandertalbahn, doch werden der Betrieb der Bahn sowie Restaurierungen und der Unterhalt der Loks und Wagen ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Und an eben solchen Menschen, die sich nicht nur dafür interessieren, sondern auch aktiv engagieren, mangelt es.

Die Palette an Tätigkeiten ist groß. Die Aufgabe, diese der überschaubaren Gruppe Interessierter, die sich am Bahnhof eingefunden hatten, vorzustellen, übernahmen der Betriebsleiter der Kandertalbahn, Jürgen Lange, und der Vorsitzende des Kandertalbahn-Vereins, Alexander Meyer. Dann ging es über einen Parcours mit mehreren Stationen, an denen die Aufgaben und gegenwärtig laufenden Arbeiten im Einzelnen erläutert wurden. Es gab einen Grill-Imbiss und eine abschließende Fahrt mit dem historischen Dieseltriebwagen nach Wollbach und zurück.

Benötigt werden unter anderem Mitarbeiter im Zug, als da wären Schaffner, Zugführer sowie Heizer und Lokführer. Je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgaben gibt es eine Einweisung oder auch – wie im Fall des Lokführers – eine mehrjährige Ausbildung.

Den engsten Kontakt mit den Fahrgästen hat naturgemäß der Schaffner. Er oder sie ist auch für den Verkauf der historischen Vorbildern nachempfundenen Fahrkarten zuständig. Die Tätigkeit des Schaffners ist der ideale Einstieg in den Bahnbetrieb.

Die nächste Stufe ist die eines Zugführers. Ohne ihn läuft bei der Fahrtvorbereitung nichts. Während der Fahrt ist dieser Chef des Zugs. Zuverlässigkeit ist Grundvoraussetzung für diese Tätigkeit, wie Peter Fischer, selbst Zugführer, betonte.

Elisabeth Doppler gab Auskunft über den Cateringbereich im Barwagen. Wer Spaß am Umgang mit Fahrgästen hat und (noch) nichts mit dem eigentlichen Bahnbetrieb zu tun haben will, ist hier gut aufgehoben.

Dominik Scheidbach erläuterte die anspruchsvollen Aufgaben im Rangierdienst und demonstrierte das An- und Abkuppeln von Lok und Wagen. Der Rangierdienst ist Teil der Aufgaben eines Zugführers. Wer wollte, konnte auch hier einmal Hand anlegen.

Durch die Werkstatt führte Arnold Steiner. Derzeit befinden sich die Lok 7 und mehrere historische Wagen in der Restaurierung. Steiner erläuterte die dabei notwendigen Arbeiten. Wagen, die bei der Kandertalbahn nicht mehr benötigt werden, würden provisorisch hergerichtet und dann an Interessenten abgegeben.

Über das Leben der Loks berichtete Wolfgang Schleef. Alle acht Jahre muss eine Lok in die Werkstatt. Für die Lok 378.78 läuft Ende des Jahres die Frist ab. Dann soll die österreichische Lok, die in den vergangenen Jahren das „Chanderli“ vertreten hat, verkauft werden.

Die Infrastruktur mit ihren zahlreichen Aufgaben demonstrierte Martin Gfeller den Besuchern. Auch hier durften die Besucher einmal selber eine Weiche umstellen. Regelmäßige Kontrollen an der 13 Kilometer langen Strecke sind für die Sicherheit des Zugbetriebs von enormer Wichtigkeit. Nun weiß auch jeder der Rundgangteilnehmer, dass die Spurbreite der Kandertalbahn 1435 Millimeter beträgt.

Hans-Peter Meyer erklärte der Gruppe den Fahrkartenverkauf. Alle Fahrkarten sind nummeriert und am Ende eines Fahrtags penibel abzurechnen. Schließlich unterliegt auch die Kandertalbahn der Kontrolle der Bundesnetzagentur.

Den Höhepunkt des Infotags stellte die abschließende Fahrt mit dem Dieseltriebwagen dar. Dabei durfte Willi Schärer auf dem Führerstand über die Schulter geschaut werden.

Wer sich über eine der zahlreichen und vielfältigen ehrenamtlichen Arbeiten bei der Kandertalbahn und die Voraussetzungen informieren oder wer einen Schnuppertag in einem der Tätigkeitsbereiche verbringen will, wendet sich dafür ganz einfach an info@kandertalbahn.de

 
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