Kandern Vom „Stöpsel“ zum Unternehmer

Alexandra Günzschel

In diesem Jahr hätte die Firma Seiter Immobilien aus Kandern ihr 50-jähriges Bestehen feiern können. Doch wie so viele Feste wird auch dieses verschoben – voraussichtlich auf das kommende Frühjahr. Geprägt wurde und wird das Unternehmen von Inhaber Helmuth Seiter. Als „Stöppi“ sei er im ganzen Markgräflerland bekannt, verkündet ein Eintrag in der Kanderner Chronik zum 25-Jahre-Jubiläum der Firma.

Von Alexandra Günzschel

Kandern. Der Spitzname stammt noch aus Schulzeiten des gebürtigen Kanderners. Seiter war der Kleinste in der Klasse, der „Stöpsel“, aus dem schließlich „Stöppi“ wurde. Eine einfache Kindheit hatte er nicht, kam er doch im September 1945 bereits als Halbwaise zur Welt. Die Mutter war Näherin, die Verhältnisse bescheiden.

Doch „Stöppi“ war ehrgeizig. Sowohl in der Schule als auch auf dem Sportplatz konnte er Erfolge verbuchen. „Ich war ein sehr guter Stürmer, vor allem wieselflink“, denkt Seiter noch heute stolz an seine Zeit in der Jugendmannschaft des FC Kandern zurück. Dem Verein ist er noch heute eng verbunden.

Beruflich probierte Stöppi in jungen Jahren einiges aus. Dabei legte er Engagement und Ideenreichtum an den Tag – gute Voraussetzungen also für die spätere Selbstständigkeit. Seiters Werdegang begann mit einer Lehre als Bankkaufmann bei der Volksbank, zunächst in Kandern, später in Lörrach.

Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr – seinerzeit legte er sich sein erstes Auto zu, einen grasgrünen BMW 600 – entschied sich Seiter aus finanziellen Gründen gegen die Volksbank und fing stattdessen bei der Firma Angoraba in Kandern als „Mädchen für alles“ an.

Nach der Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Dorothea im Juni 1967 ging es zunächst in die Schweiz, wo Seiter eine Stelle als Filmdisponent inne hatte. Doch ein Jahr später brannte das Film-Lager vollständig aus, und das junge Ehepaar entschloss sich zur Rückkehr nach Kandern.

Seiter machte seine ersten Erfahrungen in der Immobilienbranche als Angestellter der Firma imrö. Horst Rösinger, wo er, abgesehen von einem kurzen Intermezzo bei der Allianz, drei Jahre lang blieb.

Am 1. Oktober 1971 schließlich wagte Seiter den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete die Firma Seiter und Wetzel, Immobilien und Versicherungen. Das Büro teilte er sich mit seinem Schwiegervater, der am ersten Firmensitz an der Fischermühle einen Blechnerei-Betrieb führte. „Wir hatten lediglich eine Schreibmaschine und einen Schreibtisch, aber viel guten Willen“, erinnert sich der erfolgreiche Unternehmer an die Anfänge.

Die Blechnerei-Werkstatt wurde für die junge Familie schließlich zu Wohnzwecken umgebaut. Seiter verschaffte sich ein zweites Standbein als Colonia-Versicherungsberater, das immer dann wichtig wurde, wenn die Immobiliengeschäfte mal schleppend liefen. Erst Mitte der 90er-Jahre gab er diese Tätigkeit auf Provisionsbasis endgültig auf, respektive in jüngere Hände.

1986 zog Seiter mit seinem Büro in das Wohn- und Geschäftshaus an der Hammersteiner Straße um. Ein weiterer Umzug der Geschäftsräume folgte im Jahr 2000 in den historischen Riegeler Hof an der Bahnhofstraße. Doch dieses Büro wurde bald zu groß, so dass 2003 der Umzug ins Zentrum von Kandern, an der Hauptstraße 27, folgte.

Seit beinahe sieben Jahren wird Seiter dort von seiner Mitarbeiterin Kaja Wohlschlegel unterstützt. Sie soll die Immobiliengeschäfte auch weiterführen, sobald der 76-Jährige aus dem Berufsleben ausscheidet. Der Sohn der Seiters kommt als Nachfolger nicht in Frage. Er hat sich mit seiner Familie in Köln niedergelassen.

Mit seiner langen Tätigkeit in der Immobilienbranche hat Seiter insbesondere seine Heimatstadt geprägt. Er hat Baulücken geschlossen, neue Baugebiete erschlossen und nicht zuletzt auch für den notwendigen Wohnungsbau gesorgt. Seiter betont, stets mit lokalen Handwerksfirmen zusammengearbeitet zu haben. Keine Frage, er ist stolz auf das, was er geleistet hat – und nach wie vor leistet.

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