Kandern Von Bauernhochzeit bis Prinsjesdag

Die Jahreskonzerte des Musikvereins Wollbach sind seit langem nicht nur Hörvergnügen pur, sondern auch optisch immer „ganz großes Kino“, dessen Breitwandeffekt im aktuellen Fall kaum noch steigerungsfähig erscheint.

Von Walter Bronner

Kandern-Wollbach. Denn da war die Bühnenfront der Kandertalhalle komplett ausgefüllt mit dem Orchester inmitten zweier großer, prächtig verzierter Projektionsflächen links und rechts. Auf diesen veranschaulichten im Verlauf der beiden Konzertabende opulente – von Johannes Krey professionell gesteuerte – Bildfolgen den höfischen Glanz und das großbürgerliche Renommiergeha-be des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Beides übrigens im krassen Kontrast zu den Elendsereignissen jener Zeit (30-jähriger Krieg, Franzosenkriege, grassierende Seuchen und Hungersnöte), wie der bestens informierte und stilkonform mit Justaucorps (Kavaliersrock), Kniehose, Schnallenschuhen und Dreispitz ausstaffierte Moderator Thomas Kuckuk darlegte.

Damenmode des Absolutismus präsentiert

Neben ihm demonstrierten einige Mitmusikerinnen in Manteau- und Contouche-Roben die Damenmode des Absolutismus à la française.

Die Wiedergabe des beide Male vor vollem Haus aufgeführten Programms, das Dirigent Oliver Hauser konzipiert sowie mit beharrlicher Intensität erarbeitet und zu hohem Interpretations-Niveau geführt hat, ließ ebenfalls keine Wünsche offen. Zumal es eine Musizierform aufleben ließ, die im gegenwärtigen Zeitalter der „historisch informierten Aufführungspraxis“ ziemlich ins Abseits gerückt ist.

Umso fesselnder gerieten die effektbetonten Klangwirkungen etwa des „Einzugs der Königin von Saba“ aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Salomo“ in der Blasorchester-Version von Scott Richards oder die perkussiv pointierten, zuweilen an Brueghels „Bauerhochzeit“ erinnernden Stücke aus der „Danserye“ des Antwerpener Stadtmusikus und Notendruckers Tielman Susato im Arrangement von Patrick Dunnigan. Gefühlsbetontes Melos der so genannten galanten Epoche stimmte der Klarinettenchor des Orchesters in Johann Christian Bachs Sinfonie Opus 18 an, vor allem in deren zweitem Satz, einer berückenden Romanze.

Nach der Pause war dann moderne Musik mit Rückgriff auf altmeisterliche Kompositionsformen angesagt. Und da wäre wohl die angeblich von Girolamo Frescobaldi komponierte „Toccata“ das am authentischsten empfundene Beispiel gewesen, hätte Moderator Kuckuk nicht darauf verwiesen, dass es sich hier um eine stilistisch notengetreue Nachahmung des spanischen Spätromantikers und Cello-Virtuosen Gaspar Cassadó handelt.

Aufführung des Märchens vom „gestiefelten Kater“

Originellster Teil der Vortragsfolge war die Aufführung des populären, vom moralischen Ansatz her freilich recht grenzwertigen Märchens vom „gestiefelten Kater“ für Erzähler und Blasorchester von Franco Cesarini. Im Outfit des Märchen-Urhebers Charles Perrault (1697) brillierte Ekkehard Bierl als Rezitator, während das Orchester die dreisten Gaunereien des skrupellosen Katzenfilous in ebenso kapriziöse wie amüsante Klangskizzen umsetzte.

Noch deftigere Tonmalerei enthielt zum Schluss die „Dutch Masters Suite“ von Johan de Meij, in der die Meistergemälde „Nachtwache“ (Rembrandt), „Der Liebesbrief“ (Vermeer) und „Prinsjesdag“ (Steen) in pastose Klangbilder umgesetzt werden, letzteres sogar mit einem total aus dem Ruder laufenden Volksfestchaos.

Den minutenlangen Beifall quittierten die bestens aufgelegten Konzertgeber nach der Danksagung der Vorsitzenden Annette Krey mit dem flott dahintrottenden Clog Dance „Handel in the Strand“ von Percy Grainger.

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