Kandern Von der Musik der Wörter

Von Gabriele Hauger

Kandern-Riedlingen. Ein starkes Lebenszeichen der Kultur: Das will trotz aller Widrigkeiten auch das Theater im Hof in Riedlingen senden. „Uns war klar, wir wollen auch diesen Sommer ein Programm auf die beine stellen: Für die uns nahestehenden Künstler und für das sich nach solchen Veranstaltungen sehnende Publikum“, erklärt Programm-Macher Dieter Bitterli. Fünf Produktionen mit insgesamt zwölf Vorstellungen werden also zwischen dem 25. Juli und dem 16. August im Hof unter den gewaltigen Äste der Kastanie gezeigt.

Es wird allerdings nicht wie immer sein, die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften soll unbedingt gewährleistet werden, die Sicherheit aller liegt den Bitterlis am Herzen. Zwischen 24 bis maximal 50 Plätze können so vergeben werden. Die Organisation der Bestuhlung entwickelt sich zur herausfordernden Planung. Der Kartenvorverkauf startet am Montag.

Bitterli freut sich, die seit 28 Jahren währende Tradition nicht brechen zu müssen. Mit der Auftakt-Lesung der jungen Berliner Autorin Katharina Mevissen setzen er und seine Frau Dorothea Koelbing Bitterli gleich ein starkes Zeichen: „Ich kann dich hören“ heißt ihr beeindruckender Roman. Das Theater im Hof spürt immer wieder den Phänomenen Sprache, Klänge, Zuhören nach. Hierzu passt diese Lesung mit Gespräch geradezu ideal, denn die Autorin beschreibt die Klänge des Alltags, zeigt die Musik der Wörter hat eine „unglaubliche, sensible Sprache entwickelt“, so Bitterli.

Text voll Musik und Sehnsucht

In dem Roman geht es um Vater-, Mutter- und Gebärdensprache und die berührende Kraft der Musik. Alltagsklänge, Geräusche, Musik und Sehnsucht durchziehen den Text. Bitterli: „Durch die Sprache Katharina Mevissens hört man die Welt.“

Um Klänge geht es natürlich auch beim Konzert des erstmals beim Theater im Hof auftretenden Quintet Bumbas aus Frankreich mit seinem Programm „Miroirs“ (27./28. Juli). Basierend auf der traditionellen Musik aus Bulgarien und Rumänien werden die Stücke von den Musikern klanglich auf fünf Streichinstrumente übersetzt. „Wenn eine Bratsche plötzlich als Rhythmusinstrument eingesetzt wird, klingt das sehr spannend“, erklärt Bitterli. Der Komponist und Musiker David Brossier ist vertraut mit der traditionellen Musik des Balkans. Auch in Griechenland und der Türkei findet er musikalischen Stoff, den er weiterverarbeitet. Ein Konzert quasi als Spiegel der übersetzten Musik dieser Länder und Kulturen.

„Klangraum – Baum“ (14., 15. und 16. August) heißt das neue Projekt der Musiker Martin Kutterer und Tilo Wachter, gern gesehene Gäste im Theater im Hof. Spielten sie zuletzt direkt im Baum, steht dieser nun im Mittelpunkt und wird klanglich umkreist. Klänge aus verschiedenen Richtungen erreichen die Zuhörer. Das sehr spezielle Konzert ist komplett inspiriert von der Örtlichkeit und der imposanten Kastanie, „ein einzigartiges Erlebnis“, verspricht Bitterli. Mit Schlitztrommeln, Handpans, Fujara oder Gongs laden die Musiker zu einer gemeinsamen Reise ein, lösen Hörgewohnheiten auf. Dabei entsteht laut Bitterli eine geradezu archaische Musik, voller dynamischer Kontraste: von konzentrierter Stille bis zur gewaltigen klanglichen Eruption.

Für Begeisterung hatte im Vorjahr der Auftritt von Jürg Kienberger gesorgt, auch er regelmäßiger Besucher in Riedlingen. Sein fernes Lied aus Zwinglis Kindheit kommt unter dem Titel „eingerockt + ausgesungen“ auf vielfachen Wunsch erneut an drei Abenden in den Hof (31. Juli, 1. und 2. August). Die nachdenklich-heitere Hommage an die außergewöhnliche Persönlichkeit Huldrychs Zwinglis besteht aus Schauspiel, Schattentheater, Puppenspiel und Musik.

Traditionell bietet das Theater im Hof auch Geschichten für Kinder. Die Bühnenerzählerin und Spielerin Gabi Altenbach reist unter dem Titel „Der wunderbare Märchenkoffer“ (9. August, 14.30 und 16.30 Uhr) mit Kindern ab fünf Jahren um die Welt und packt an jedem Ort einen kleinen Gegenstand hinein. Dahinter verbergen sich Geschichten aus aller Herren Länder.   Vorverkauf ab Montag, 20. Juli, Tel. 07626/972081, Kartenwünsche nennen, Überweisung nach verbindlicher Reservierung; Kartenübergabe am Eingang des Theaters; Infos: www.theaterimhof.de

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