Kandertal. Das Programm „Leader Rheinknie“ soll über sechs Jahre verteilt vier Millionen in den Raum bringen. Damit sollen Projekte bezuschusst werden, die zur wirtschaftlichen Entwicklung, der Mobilität, der Pflege und Weiterentwicklung der Kulturräume und der Natur, Tourismus und Kultur und innovativen Projekten für Frauen beitragen.

Die Bedürfnisse und Projektideen sollen „Bottom Up“, also aus der Bevölkerung und den Gemeinden selbst formuliert werden. Dazu sollen die Gemeinden und der Landkreis einen Beitrag leisten.

Welche Mittel müssen aus dem Raum bereitgestellt werden und wofür wird dieses Geld verwendet?

Für die Bewerbung wird aus der Region bis im September ein Entwicklungskonzept erwartet, das zeigen soll, wo der Bedarf des Gebietes liegt und welche Art von Projekten helfen soll, die spezifischen Pro-bleme des Raumes zu lösen.

Die EU möchte gewährleistet haben, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Das Landratsamt will dieses „Regionale Entwicklungskonzept“ mit 24 000 Euro bezuschussen, 24 000 Euro sollen die 16 Kommunen tragen und was darüber hinaus anfällt, wird durch Freiwilligenarbeit der Bewerbergruppe gestellt.

Falls die Region in das Förderprogramm aufgenommen wird, sollen sich Kommunen und Kreis an den Kosten einer Geschäftsstelle beteiligen, die bei Projektanträgen und deren Entwicklung hilft.

Die Kosten für Kreis und Gemeinden zusammen liegen bei fünf bis neun Prozent aus den vier Millionen Euro, die dann zur Verfügung stehen werden, verteilt über sechs Jahre. Kein schlechter Deal also.

Wer ist in dieser Bewerbergruppe tätig?

Das sind bekannte Institutionen, Vereine und Akteure aus der Region wie das Trinationale Umweltzentrum (Truz), der Soziale Arbeitskreis Lörrach (SAK), regionale Gastronome und Landwirte, die Wirtschaftsförderung des Landkreises, Kulturschaffende, Regionalentwickler, die Landfrauen und etliche andere.

Grundsätzlich kann sich jeder betätigen, dem die Entwicklung der Region am Herzen liegt und der bereit ist, Zeit zu investieren. Unsere Chancen zur Aufnahme in das Programm stehen deshalb sehr gut, weil wir sehr breit aus der Mitte der Bevölkerung aufgestellt sind. Selbstverständlich sind auch die Kommunen selbst zur Beteiligung und damit zum Abrufen von Mitteln für Projekte eingeladen, die den EU-Zielen dienen. Hier wird die EU bürgernah.

Wie steht es um die Zustimmung in den Gemeinden?

Natürlich gibt es trotz der guten Zahlen auch Bedenken. Schließlich soll Geld investiert werden in ein Förderprogramm, dessen Projekte nicht nur von den Kommunen, sondern auch von Vereinen und Privatleuten initiiert werden können und deren Inhalt noch nicht bekannt ist. Man weiß also noch nicht genau, wo die Reise hingeht, und Kommunen und Kreis sind gewohnt, und bei anderen Projekten bekanntlich auch verpflichtet, die Kontrolle innezuhaben.

Allerdings sind die Spielregeln sehr klar definiert und Verwaltung sowie die Gemeinden sind schon bei der Erstellung des Zielekataloges beteiligt. In Rümmingen und Malsburg-Marzell haben sich die Gemeinderäte schon eindeutig für „Leader“ entschieden, die anderen Gemeinden haben das Projekt noch nicht diskutiert. Dort soll nun reihum das Projekt in den Ratssitzungen vorgestellt und dafür geworben werden.

Die Resultate sind andernorts überwiegend sehr gut angekommen. Mit dem erfolgreichen „Leader“-Gebiet Südschwarzwald bewirbt sich auch der Landkreis Lörrach um erneute Aufnahme ins Programm.

Trotzdem klingt das alles etwas abstrakt. Gibt es Beispiele für Projekte, die gefördert wurden?

Der Dorfladen in Wies sowie das „Rössle“ in Geschwend sind gute Beispiele für Bürgerprojekte. Es stehen beispielsweise Projekte für die Mobilität wie Bürgerbusse an, aber auch Projekte zur Gestaltung von Dorfzentren, zur Vermarktung regionaler Produkte oder die Unterstützung der lokalen Vereine und touristische Projekte werden angefragt. Gerade die Verbesserung der Mobilität ist ein wichtiges Thema des ländlichen Raumes, das in enger Zusammenarbeit mit Kommunen und Kreisverwaltung diskutiert wird.

Was geschieht, wenn mehrere Kommunen das Projekt ablehnen?

Ein paar „Absager“ in den Randbereichen sind zu verkraften. Dann wird das Fördergebiet kleiner und die Mittel für die Verbleibenden werden größer. Sollten mehrere zentrale Gemeinden verzichten, kommt das Projekt nicht zustande und die Chance, mit diesen Mitteln unseren Raum zu fördern, verfällt.

Es wird gegenwärtig immer klarer, dass gerade in unsicheren Zeiten bürgerschaftliches Engagement eine tragende Säule unserer Gesellschaft wird. „Leader“ fördert das und glaubt deshalb daran, die Zustimmung für den Antrag der Region zu bekommen.