Kandern Weichenstellung aufgeschoben

Alexandra Günzschel
Haltingen soll für die Kandertalbahn nicht die Endstation bleiben. Dafür setzen sich seit mittlerweile 20 Jahren viele Menschen aus dem Kandertal und darüber hinaus ein. Foto: Alexandra Günzschel

Zu einem Treffen mit Vertretern des Landkreises, der Deutschen Bahn, des Zweckverbands Kandertalbahn und Interessensgruppen hatte am Donnerstag der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey eingeladen. Mit dabei war auch Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag. Thema war der Ausbau des Schienenverkehrs am Beispiel der Kandertalbahn.

Von Alexandra Günzschel

Kandertal. Treffpunkt war jene Stelle in Haltingen, an der die Kandertalbahn – sie verkehrt ausschließlich als Museumsbahn – derzeit noch endet. Ziel ist der Anschluss einer reaktivierten Kandertal-S-Bahn an die Rheintalbahn und deren Weiterführung – idealerweise bis nach Basel und nach Lörrach.

Für diesen Anschluss wird früher oder später wieder eine Weiche benötigt, die auch planfestgestellt ist, was bedeutet, das sie als raumbedeutsames Vorhaben als zulässig gilt. Und so drehten sich viele der Gespräche am Bahnsteig der Kandertalbahn am Donnerstag um eben jene Weiche als Dreh- und Angelpunkt des Wunschprojekts.

Christoph Klenert von der DB Netze sprach von bestimmten Zeitfenstern, in denen die Wiederherstellung einer Weiche im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Rheintalbahn möglich sei. Die DB Netze hatte deshalb zunächst um eine Entscheidung bis Ende Juni gebeten.

Tatsächlich wäre Landrätin Marion Dammann auch bereit gewesen, eine entsprechende Eilentscheidung zu treffen. Nach einem Schriftwechsel mit Thorsten Krenz, Landesbevollmächtigter der DB AG für Baden-Württemberg, wird der Landkreis dieses Zeitfenster nun aber verstreichen lassen.

Fahrt im Gegenverkehr eine fahrplantechnische Herausforderung

Hintergrund dieser Entscheidung ist der Umstand, dass der ideale Ort für die Weiche offenbar noch nicht gefunden ist. Sie soll die Kandertal-S-Bahn später einmal auf die Nahverkehrstrasse der Rheintalbahn leiten, wo sie zweieinhalb Kilometer im Gegenverkehr fahren muss. Die Bahnexperten Klenert und Martin Sacher sahen darin vor allem eine fahrplantechnische Herausforderung, aber kein Problem.

Beinahe 20 Jahre alt ist die Diskussion um die Kandertal-S-Bahn, wie unter anderem Josha Frey zu berichten wusste, der sich von Anfang an dafür stark gemacht hatte.

Um den Anschluss wieder herzustellen, hofft man beim Zweckverband Kandertalbahn weiter auf einen Kunden, der die Trasse für den Transport von Gütern aus dem Kandertal nutzen will, wie Oberster Betriebsleiter Jürgen Lange ausführte. In diesem Fall müsste nicht der Zweckverband die Kosten tragen, der den Anschluss für den Betrieb der Museumsbahn gar nicht benötigt.

Wegen jährlich zu erwirtschaftenden Kosten in Höhe von 33 600 Euro hatte der Verband vor knapp zwei Jahren auf die Wiederherstellung eines Anschlusses an die Rheintalbahn verzichtet. Die Weiche sei quasi schon bestellt gewesen, erinnerte sich Klenert.

Derweil liegt die Machbarkeitsstudie des Landkreises und der anliegenden Gemeinden zur Reaktivierung, die vom Land bezuschusst wird, in den letzten Zügen. Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler kündigte eine Fertigstellung im Juli an. Die Studie enthält Aussagen sowohl zur technischen Machbarkeit als auch zur prognostizierten Kosten-Nutzen-Analyse. Integriert sei zudem ein Buskonzept, erklärte Hoehler. Dies ermögliche Vergleichsaussagen.

Andreas Schwarz bezeichnete die Bahn als ein hervorragendes und ökologisches öffentliches Verkehrsmittel und zollte den vielen Mitstreitern für die S-Bahn Respekt. Er sah das Projekt auch in Verbindung mit der schwierigen Wohnungssituation vor Ort.

Die wachsende Bevölkerung sprach auch Frey abschließend an. In dem S-Bahn-Projekt sieht er eine Maßnahme gegen den Infrastrukturrückgang in den Tälern.

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